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Dunkelrosavierkantwurst

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Ha! Jetzt ergibt das alles einen Sinn. Nur leider erkennt ihn der Rasp-Sepp nicht. Noch nicht. Aber einen ganz anderen Sinn hat er begriffen. Der Lichtstrahl der Erkenntnis hat den Sepp getroffen. In der Lounge seiner Lieblingsmetzgerei. Auf dem Schlossplatz. Dort sitzt der Polizeihauptmeister gerade und gönnt sich ein exquisites Liver-Cheese-Sandwich. Der Begriff ist es, denkt sich der Sepp. Leberkassemmel. Leberkassemmel als Synonym für Leberkas.


Denn nur so ist es erklärbar, was sich gerade an der heißen Theke abgespielt hat. Da wollte doch glatt eine Urlauberin von drüben - Mecklenburg-Vorpommern vielleicht - eine Leberkassemmel. Und zwar in einem Vollkornbrötchen. »Können Sie die Leberkassemmel auch in ein Vollkornbrötchen legen?« Das hat die tatsächlich so gesagt. So ein Schmarrn. Wobei, und das denkt sich der Rasp-Sepp in letzter Zeit häufiger: Der Leberkas an sich ist ein Schmarrn. Weil da keine Leber drin ist. Und auch kein Käse. Wer denkt sich so was aus? Wenn man es ganz genau nimmt, und der Sepp nimmt es immer genau, dann könnte der Leberkas auch Dunkelrosavierkantwurst heißen. Völlig wurscht.

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Der Sepp beißt gerade genüsslich in seine Dunkelrosavierkantwurstsemmel. Da kommt der Kastner-Helmut daher. Gemeinderat, Geschäftsinhaber, Almbauer, Gschaftler. Ein Eingeborener. Viele Kühe, wenig IQ. Aber beinahe allwissend. Der hat seine wild behaarten Ohren überall. Der weiß, wer der Mörder ist, denkt sich der Sepp. Und spricht den Kastner-Helmut an.

He, Helmut! Wer is der Mörder? Der Kastner legt den Kopf zur Seite, klappt sein Kinn runter und spricht: Jadewoaiane. Muaheitheimacha. Kiaalmstoibringa. Omegadreifettsäuren. Gachzach. Domuaioziangumuiauffege. Goutzn. Servas!

Das hat der Rasp-Sepp fast befürchtet. Es ist schlimmer als gedacht. Eine Katastrophe. Wenn das stimmt, dann wird Schönramsgaden zum Niemandsland. Zum Mecklenburg-Vorpommern der Alpen. Dann ist über Jahrzehnte Schluss mit Tourismus. Schluss mit den Adventsmärkten bis Silvester. Kein Masterplan für die Penner-Bahn. Die Kirchgasse wird noch enger. Und das Hotel »Enzian« wird zur Fahrzeughalle des österreichischen Roten Kreuzes. Ein Abgrund tut sich auf. Die Zeit drängt. Der Sepp muss sofort zurück in die Inspektion. Deshalb bestellt er sich bloß noch ein Bier.

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