Druck auf ungeimpfte Mitarbeiter der Schön-Klinik-Gruppe wächst

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Mitarbeitern der Schön-Klinik-Gruppe wurde nun mit Konsequenzen gedroht, wenn bis 1. Februar kein Nachweis über den Impfschutz eingegangen ist. (Foto: Kilian Pfeiffer)

Schönau am Königssee – Die Schön-Klinik-Gruppe möchte Mitarbeiter, die bis bis 1. Februar keinen Nachweis über einen ausreichenden Impfschutz beziehungsweise Genesenenstatus erbracht haben, freistellen. Das geht aus einem Schreiben an die Mitarbeiter hervor, das der Lokalzeitung vorliegt. Die Verantwortlichen erwägen auch die »Beendigung des Arbeitsverhältnisses«.


»Wir hoffen sehr, dass es nicht so weit kommt«, heißt es in dem Brief, der an Mitarbeiter verschickt wurde, bei denen nicht klar ist, ob ein Impfschutz, Genesenenstatus oder eine Ausnahmeregelung vorliegt. »Aufgrund der eingeführten einrichtungsbezogenen Impfpflicht« werde eine Information dazu aber benötigt.

Keine Zahlen für Schönau am Königssee

Auf schriftliche Nachfrage in der Schön Klinik heißt es, die Impfquote »unserer Mitarbeitenden ist sehr gut und liegt bundesweit deutlich über dem Durchschnitt der Bevölkerung«. In der Schön Klinik Roseneck in Prien am Chiemsee seien mehr als 90 Prozent der Mitarbeiter geimpft. Zahlen etwa zur Schön Klinik in Schönau am Königssee teilte die Pressestelle hingegen nicht mit. Laut Mitarbeitern seien in mehreren Kliniken deutlich weniger als 90 Prozent geimpft.

In der klinikinternen Impfkampagne, heißt es in der schriftlichen Antwort, setze man »vor allem auf transparente Information und Aufklärung«. Bundesweit kämen regelmäßig die Krisenstäbe der Schön-Klinik-Gruppe per Videokonferenz zusammen: »Wir berichten laufend per E-Mail und Intranet-Newsletter von den aktuellen Entwicklungen.« Hinzu kommen individuelle Maßnahmen an jedem Standort, teilte eine Pressesprecherin mit. In der Schön Klinik Roseneck am Chiemsee haben die Verantwortlichen »sehr gute Erfolge erzielt mit individuellen Aufklärungsgesprächen, flexiblen Impfterminen und Informationsrunden mit einzelnen Mitarbeiterteams«.

Zum per Brief versandten Schreiben an die Mitarbeiter äußerten sich die Verantwortlichen nicht. Unterzeichnet ist der Brief, der Ende Dezember verschickt wurde, von Klinikgeschäftsführer Sven Schönfeld. Nach Informationen wächst der Druck auf Mitarbeiter der Klinik-Gruppe, die keinen vollständigen Impfschutz haben, deutlich. Weil Mitarbeiter seit wenigen Monaten verpflichtet sind, den Arbeitgeber über ihren Impfstatus zu informieren, fordert dieser nun ein Update ein – und kündigt Konsequenzen an.

»Sollte bis spätestens 1. Februar in der Personalabteilung kein Nachweis über einen ausreichenden Impfschutz beziehungsweise Genesenenstatus oder eine Ausnahmeregelung vorliegen, müssen wir davon ausgehen, dass Sie nicht über den gesetzlich vorgeschriebenen, notwendigen Impfschutz verfügen«, heißt es in dem Brief. Fett gedruckt wird im Folgenden darauf hingewiesen, dass eine Tätigkeit »in unserer Klinikgruppe aufgrund der herrschenden einrichtungsbezogenen Impfpflicht« mit Ablauf des 15. März »nicht mehr möglich sein wird«. In diesem Fall will die Klinik Mitarbeiter vorerst ohne Bezahlung von der Erbringung der Arbeitsleistung freistellen – und gegebenenfalls »weitere arbeitsrechtliche Maßnahmen bis hin zu einer Beendigung des Arbeitsverhältnisses ergreifen«. Jeder Mitarbeiter müsse zudem berücksichtigen, dass ein vollständiger Impfschutz »erst 14 Tage nach der Zweitimpfung besteht«.

Impfpflicht für alle gefordert

Auf Nachfrage teilt eine Pressesprecherin der Klinikgruppe mit, jeder einzelne Mitarbeiter, der wegen der einrichtungsbezogenen Impfpflicht aus einer Gesundheits- oder Pflegeeinrichtung in eine andere Branche wechselt, sei »einer zu viel und einer, der in der Versorgung fehlt«. Die Schön Kliniken setzten sich deshalb »mit Nachdruck« für die gesetzlich verankerte allgemeine Impfpflicht für die gesamte Bevölkerung ein. Nur so entstünden gleiche Bedingungen für alle.

Ausweichend antwortet die Kliniken Südostbayern AG auf Nachfrage, ob Mitarbeiter ohne Impfung künftig dort noch weiterarbeiten dürfen: »Neben der bekannten Medienberichterstattung informieren wir stetig intern über die anstehende Impfpflicht.« Die Klinikverantwortlichen gehen davon aus, dass, »wie in anderen Ländern Europas auch, wo es eine berufsgruppenbezogene Impfpflicht zum Teil schon länger gibt, auch unsere Mitarbeiter sich des besonderen Verantwortungsbewusstseins in den Gesundheitsberufen bewusst sind«. Letztendlich, so die Annahme, würden sich »alle impfen lassen«.

Kilian Pfeiffer