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Sabrina Augenstein aus Piding spürt mithilfe neuer Technik Rehkitze auf – Große Unterstützung durch Jäger und Landwirte

Drohnenprojekt rettet Tierleben

Zwischen Mitte Mai und Mitte Juni droht Rehkitzen tödliche Gefahr: Wenn die Zeit der Grünlandmahd anbricht und die jungen Tiere im hohen Gras versteckt liegen, werden sie leicht Opfer von Mähfahrzeugen. In Deutschland fallen ihnen jährlich rund 100.000 Rehkitze zum Opfer – etwa 80 Prozent der Kitze überleben nicht einmal das erste Jahr.

Sabrina Augenstein aus Piding überfliegt mit einer Drohne, an der eine Wärmebildkamera befestig ist, jene Wiesen, die gemäht werden sollen. Auf dem Monitor leuchtet dann ein heller Fleck auf, wenn im hohen Gras ein Tier sitzt. (Foto: Horn)

Mit einem »Drohnenprojekt« wird nun im Berchtesgadener Land und im Landkreis Traunstein Präventivarbeit geleistet: Sabrina Augenstein aus Piding überfliegt mit einer Drohne, an der eine Wärmebildkamera befestig ist, jene Wiesen, die gemäht werden sollen. Zusammen mit dem Tierschutzring Traunstein hat sie heuer dieses Projekt gestartet und stößt dabei sowohl bei Landwirten als auch bei Jägern auf sehr positive Resonanz.

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Es ist früher Morgen. Mit bunten Blinklichtern dreht die orange Drohne ihre Runden über den Grashängen am Högl. Als erste Jagdgenossenschaft im Berchtesgadener Land hat die Jagdgenossenschaft Högl ein großflächiges Gebiet überfliegen lassen, um Rehkitze oder Hasen vor dem Tod durch das Mähwerk zu bewahren. »Das, was diese junge Frau hier macht, kann man nur begrüßen«, unterstreicht Pirschbezirksinhaber Rudi Bernegger, der mit einigen Kollegen der Jägerschaft dabei ist, als die Drohne am Högl das erste Mal aufsteigt.

Die 23-Jährige hatte als junges Mädchen das Schicksal eines beim Mähen verletzten Rehkitzes mit ansehen müssen. Dieses Erlebnis hat sie seither nicht mehr losgelassen. Im vergangenen Jahr fing sie an, konkrete Pläne zu schmieden. »Ich fuhr zu Bauern und fragte sie um ihre Meinung, mit einer Drohne die Wiesen vor der Mahd abzufliegen«. Bestärkt durch die positive Einstellung und in Zusammenarbeit mit dem Tierschutzring Traunstein wurden die Pläne konkret. »Wir haben das Projekt auf Spendenbasis aufgebaut. Und nachdem ich als Privatperson keine Spenden sammeln darf, läuft alles über den Verein«, erzählt sie.

Fliegen mit der Drohne erst erlernt

Nachdem die Finanzierung gesichert war, recherchierte Sabrina Augenstein mit einem Freund, welche Drohne in Frage kommt. Die Entscheidung fiel auf das Modell »Yuneec H520«. In zahlreichen »Flugstunden« erlernte Augenstein das Fliegen einer Drohne. Parallel dazu wurde die Werbetrommel gerührt und wurden Visitenkarten bei Landwirten, Jägern und Tierärzten verteilt. »Außerdem habe ich ein extra Drohnenhandy eingerichtet, das ich immer dabei habe«, sagt die junge Frau. Über den ersten Anruf hat sie sich gefreut: »Eine Landwirtin hat sich schon im März gemeldet, um sich vormerken zu lassen und sich zu bedanken, welch tolles Projekt wir starten«.

Mittlerweile trägt die Arbeit erste Früchte, denn Sabrina hat einen vollen Terminkalender. Auch im Landkreis Traunstein war sie schon im Einsatz. Bauern, die ihre Felder mähen wollen oder auch Jäger können sie anrufen, »dann komme ich vorbei, um die Flächen abzufliegen«, sagte die junge Frau, die als Textillaborantin in Freilassing arbeitet. Ihr Chef ermöglicht ihr während der rund vier Wochen im Frühsommer, in denen die Rehkitze geboren werden, die Arbeit in Gleitzeit. So kann sie schnell da sein, wenn sie angefordert wird.

Aufmerksam blickt Sabrina Augenstein auf das Display in ihren Händen und gibt sofort Meldung, wenn etwas gefunden wurde. Gemäht wird meist morgens und abends, da kommt es dann schon vor, dass sie vor Sonnenaufgang oder nach Einbruch der Dunkelheit an einem Wiesenrand steht und die Drohne über die Felder lenkt. Geflogen wird in rund 18 bis 20 Metern Höhe, für eine Fläche von zehn Hektar benötigt sie rund 20 Minuten. Die junge Frau gibt offen zu: »Klar sind einige Bauern und Jäger erst einmal skeptisch und überlegen ob das funktionieren kann, weil viele Landwirte gleichzeitig mähen und ja erst kurzfristig wissen, wann gemäht wird. Doch viele Landwirte machen ja auch Silo und nicht nur Heu. Und da es beim Silieren nicht unbedingt das beste Wetter braucht, teilen sich die Einsätze doch recht gut auf.«

Die Jägerschaft am Högl steht voll hinter dem Drohnenprojekt und der Pirschbezirksleiter beobachtet mit seinen Jagdfreunden das Geschehen genau. Drei Hasen werden an jenem Morgen entdeckt. Kitz ist diesmal keines dabei, aber die Zeit in der die Ricken ihre Jungen im Gras verstecken, beginnt erst etwa Mitte Mai. »Ricken setzen ihre Kitze zum Schutz vor Feinden ins hohe Gras, während sie beispielsweise auf Nahrungssuche sind«, sagt Florian Popp, einer der Jäger, und ergänzt: »Die jungen Tiere haben in den ersten zwei Wochen keinen Fluchttrieb, sondern ducken sich, wenn Gefahr droht«. Für viele Tiere hat dies schon den sicheren Tod bedeutet, wenn der Traktor mit dem Mähwerk herannaht.

Von der Kreisjägerschaft Berchtesgadener Land begleitet Sabrina Augenstein an diesem Morgen Hans Niederberger. Er ist voll des Lobes für das Engagement der jungen Frau: »Der Jagdverband Bayern hat zwar eine Drohne mit Wärmebildkamera, aber diese ist in München stationiert. Das ist für uns hier im Berchtesgadener Land unrealistisch, nach München zu fahren und die Kamera zu holen, wenn ein Landwirt sagt, dass er am nächsten Tag mähen will. Deshalb stehen wir natürlich hinter diesem Projekt.« Wer Sabrina Augenstein für die Suche nach Rehkitzen anfordert, der braucht sich keine Sorgen über hohe Kosten zu machen. Denn Sabrina Augenstein arbeitet unentgeltlich und bittet lediglich um eine Spende auf das Konto des Tierschutzrings Traunstein. Denn sie hat ein ehrgeiziges Ziel: »Da wir von den Landwirten so eine große Nachfrage bekommen und alle Beteiligten sehr begeistert sind, möchten wir gerne noch eine zweite Drohne anschaffen, damit wir noch mehr Tierleben retten können.«

Wer das Projekt unterstützen möchte, kann dies auf das Spendenkonto des Tierschutzrings Traunstein IBAN DE60  7105  2050 0000 3972  99 mit dem Verwendungszweck »Drohnenprojekt« machen. Infos gibt es dazu auch auf der Internetseite des Tierschutzrings Traunstein. Wer Sabrina Augenstein zum Überfliegen einer Wiese ordern möchte, der kann sie unter der Telefonnummer 0163/91 39 613 erreichen. mh