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»Drogzapfn Buam«-Ansager im Interview: Bayerischer Humor und »kuahfladen records«

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»Drogzapfn Buam«-Ansager im Interview: Bayerischer Humor und »kuahfladen records« | Berchtesgaden
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Ansager Sepp Höllbacher hatte mit seiner volkstümlichen Musikgruppe »Drogzapfn Buam« vor 11.000 Personen einen Auftritt in China. »Es war gigantisch«, erinnert sich Höllbacher. (Foto: Vietze)

Berchtesgaden – Die »Drogzapfn Buam« spielen volkstümliche Musik bei Veranstaltungen wie der »Pfingstroas« in Inzell oder »Kehlstein bei Nacht«. Josef Höllbacher, auch Sepp genannt, vermittelt als Ansager seinen Zuhörern den bayerischen Humor.


Die »Drogzapfn Buam« sind im Jahre 2000 gegründet worden. Anfangs bestand die Gruppe aus vier Mitgliedern. Mittlerweile treten sie in einer Acht-Mann-Besetzung auf. Im Interview mit dem »Berchtesgadener Anzeiger« spricht das 35-jährige Gründungsmitglied über seine verschiedenen Rollen im Leben, die Chinatournee der »Drogzapfn Buam« und erzählt, was gelungener Humor für ihn bedeutet.

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Herr Höllbacher, Sie sind der »Schatza«, also der Ansager der »Drogzapfn Buam«. Wie sind Sie zu dieser Ehre gekommen?

Josef Höllbacher: Das hat sich mit der Zeit ergeben. Wir haben irgendwann einen gebraucht, der das Wort ergreift, und sind jede Möglichkeit durchgegangen. Es ist am Ende an mir hängen geblieben. Vermutlich, weil ich als Gitarrist eher für die Begleitung zuständig bin. Da kann man auch während der Musik »schatzen«. Ich kann auch sonst im Alltag meine Klappe nicht halten.

Spielen Sie auch ein anderes Instrument?

Höllbacher: Nein. Prinzipiell bleibe ich bei der Gitarre. Ab und zu spiele ich Kleinigkeiten wie die Maultrommel.

Sie sind Darsteller am Theater Dürrnberg. Würden Sie sagen, dass Sie auch als »Schatza« in eine Rolle schlüpfen?

Höllbacher: Ich bin der Meinung, Unterhaltung an sich erfordert immer eine Rolle. Ich kann von mir aus sagen, dass ich verschiedene Figuren spiele. Jede hat ihre bestimmte Eigenart. Bei uns steht natürlich Musik im Vordergrund, die ich aber auch durch die Unterhaltungsteile als »Schatza« abrunde. Beim Theater ist es die klassische Rolle. Ich bin auch als Hochzeitslader tätig. Man muss achten, dass es dem Brautpaar an nichts fehlt. Das sind unterschiedliche Geschichten und bei jeder muss ich schauen, worauf der Fokus liegt.

Welche Rolle spielen Sie am liebsten?

Höllbacher: Ich spiele jede Rolle gleich gern, sonst würde ich das nicht machen.

Sie verkörpern vor den Zuhörern der »Drogzapfn Buam« den typischen Bayer. Haben Sie im Alltag eine Beschäftigung, die dieser Rolle widerspricht?

Höllbacher: Ich bin Berufspädagoge und schaue, dass Jugendliche Berufs- und Lehrstellen bekommen. Da weiß ich nicht, ob mein Arbeitsleben diesem Klischee entspricht. Würde ich aber nicht behaupten. Aber sonst bin ich im Alltag ein Bayer. Bereits mein Name »Sepp« gibt dieses Bild ab.

Gab es auch bei den »Drogzapfn Buam« unterschiedliche Besetzungen?

Höllbacher: Wir spielen immer zu acht, sonst nehmen wir keinen Auftritt an. Sollte jemand ausfallen, können wir uns immer auf ein gutes Netzwerk in der Berchtesgadener Volksmusik verlassen. Wir finden immer Ersatz.

Was macht ihre Gruppe so besonders?

Höllbacher: Natürlich wollen wir gute Musik liefern. Bei uns ist die Unterhaltung wichtig – und zwar im volkstümlichen Stil. Wir sind keine »Oberkrainer Musi«. Uns ist nicht wichtig, dass wir eine CD veröffentlichen. Das war nie unser Bestreben.

Sie spielen unter anderen bei der Veranstaltung »Kehlstein bei Nacht«. Da sind nicht nur Einheimische, sondern auch Gäste, die den Dialekt nicht verstehen. Wie vermitteln Sie ihnen den bayerischen Humor?

Höllbacher: Das ist die größte Herausforderung für uns. Wir benötigen eine enorme Vorbereitungszeit. Der Auftritt sollte möglichst natürlich wirken. Wir müssen eine gute Mischung erzielen. Der Einheimische, der tausendmal auf dem Kehlstein war und Berchtesgaden kennt, sollte neue Witze hören. Genauso sollten die Urlauber ihre Unterhaltung bekommen. Deswegen trage ich einige Geschichten in Schriftdeutscher Sprache vor, aber fülle vieles mit meinem Dialekt auf. Ich versuche einen Mittelweg über die Kommunikation zu finden. Doch wegen meiner natürlichen Sprache passiert es mir oft, dass ich in den Dialekt falle.

Gibt es auch andere Mittel?

Höllbacher: Natürlich. Für Musik muss man den Text nicht verstehen. Mein Vorbild ist Fredl Fesl mit seinem berühmten Königsjodler, der für viele Lacher ohne nötiges Textverständnis sorgt. Das andere Element ist das Bild, das wir durch Sketche abgeben.

Die »Drogzapfn Buam« spielen unter anderem bei der »Pfingstroas« in Inzell. Sie müssen mit Betrunkenen rechnen.Wie gehen Sie mit ihnen um?

Höllbacher: Das Wichtigste ist Harmonie. Wir müssen die Leute abholen, wo sie stehen. Sollte es ausarten, dann nehmen wir es an und machen weiter unser Ding. Das war aber bisher nicht der Fall.

Ihre Gruppe tritt seit fast 20 Jahren auf. Welches Ereignis werden Sie nie vergessen?

Höllbacher: Eines der größten Ereignisse war unsere zehntägige China-Tournee im Rahmen eines Jubiläums. Da haben wir zusammen mit den »Vereinigten Trachten« das Glück gehabt, den Nationalpark an der Grenze und in Tibet zu besuchen. Wir waren teilweise auf 4000 Höhenmetern und haben vor 11.000 Personen gespielt. Es war gigantisch. Ich werde aber auch kleinere Ereignisse nicht vergessen.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Höllbacher: Ein großartiges Erlebnis war unser 16. Jubiläum. Wir haben das 15. verpasst und nachgefeiert. Es wurde nicht wie ein üblicher Hogoascht aufgezogen. Wir haben einen Kabarettabend gemacht und die Leute damit überrascht. Vielleicht werden wir unser 20-jähriges Bestehen genauso gestalten.

Haben Sie eine Vision für die »Drogzapfn Buam«?

Höllbacher: Meine Vision ist, dass wir auch weiterhin unsere Musik machen. Heuer und letztes Jahr haben wir uns etwas zurückgezogen, weil wir auch Zeit brauchen für unsere frisch gegründeten Familien. Aber wir wollen noch mindestens 20 Jahre weitermachen und vielleicht noch einmal 20 Jahre drauflegen. Also bis zum Umfallen (lacht).

Wenn Sie könnten, würden Sie eine Entscheidung rückgängig machen?

Höllbacher: Nein. Uns gibt es länger, als manche Ehen dauern (lacht). Wir sind acht verschiedene Typen, die miteinander harmonieren. Wir haben sogar einen »Drogzapfn«-Familienausflug gemacht. 16 Erwachsene und elf Kinder. Rückblickend kann man von keiner falschen Entscheidung sprechen.

Wie verändert sich der Humor mit der Zeit?

Höllbacher: Es wäre langweilig, wenn wir immer den gleichen Humor hätten. Ob er besser wird, sei in Frage gestellt (lacht). Humor lebt von äußeren Einwirkungen.

Auf der Facebook-Seite der »Drogzapfn Buam« steht, dass sie für Plattenfirma »kuahfladen records« spielen. Wie kam es zur Namensgebung?

Höllbacher: Die Entscheidung war schwer. Um unsere Facebook-Seite zu gründen, mussten wir ein Feld ausfüllen und angeben, für welche Plattenfirma wir spielen. Und wir haben etwas angegeben. So ist übrigens auch der Name unserer Musikgruppe entstanden.

Wie etablierte sich der Name?

Höllbacher: Wir hießen früher »Die Fürchterlichen«. Bei unserem ersten Heimatabend durften wir nicht unter diesem Namen auftreten und mussten einen anderen suchen. »Drogzapfn Buam« entstand aus jugendlichem Leichtsinn. Wir haben gedacht, beim Überlauf rinnt immer Wasser heraus. Genau dieses Bild trifft gut auf uns zu. Wir sind zwar ruhiger geworden, aber der Name passt trotzdem.

Als »Schatza« müssen Sie lustig sein. Ist es Ihnen schon einmal passiert, dass keiner gelacht hat?

Höllbacher: Ja.

Wie gehen Sie damit um?

Höllbacher: Ich nehme es an und reiße sofort den nächsten Witz. Das Schöne für Ansager ist, du kannst spontan reagieren. Das liegt mir eher als geplante Vorbereitungen. Aber ich weiß nie, ob der Spaß gut ankommt. Trotzdem passieren spontan oft lustige Dinge.

Zum Beispiel?

Höllbacher: Wir waren zum »Schellenberger Kirtag« als Tanzlmusi eingeladen. Wir machten alle 45 Minuten dieselbe Ansage, da es im Publikum ein Kommen und Gehen war. Aber eins zu eins: Begrüßung und Witze. Der Spaß passiert in der Leichtigkeit.

Patrick Vietze