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Drei Schüsse in den Rücken? Alkohol, Drogen und ein Beziehungsstreit

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Urteil nach Gerangel in Bischofswiesen: Drei Schüsse in den Rücken?
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Das Amtsgericht Laufen sprach jetzt einen 27-jährigen Hartz-IV-Empfänger frei, da der genaue Tathergang nicht mehr geklärt werden konnte. (Foto: Arne Dedert/dpa)

Bischofswiesen – Gerangel, Kampf, Schüsse. Die Beamten der Polizeiinspektion Berchtesgaden waren auf alles gefasst, als sie mit Maschinen-Pistole im Anschlag das Bischofswieser Mehrfamilienhaus erreichten.


Dort trafen sie auf zwei Männer und eine Frau. Die Geschichten, die diese drei im Laufener Gerichtssaal erzählten, erhellten das Geschehen nicht vollständig. Doch dem Richter schienen Schüsse in Notwehr nicht unwahrscheinlich. Für den 27-jährigen Hartz-IV-Empfänger endete die Sache mit Freispruch.

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Eine Stunde zu spät erschien das Pärchen im Gerichtssaal. »Es tut uns leid, wir haben verschlafen«, erklärten beide unisono. »Es ist alles meine Schuld«, gestand die 40-Jährige, »ich habe mich wieder auf Robert (Name von der Redaktion geändert) eingelassen«.

Dabei soll der sie bereits mehrfach verprügelt und sie und den Angeklagten bedroht haben. Der Angeklagte war am frühen Abend voller Sorge in die Wohnung der Frau gekommen. »Ich wusste nicht, was passiert ist. Ob sie überhaupt noch lebt«, begründete er sein gewaltsames Eindringen.

Dort hatte er den 28-jährigen Robert angetroffen und ihn aufgefordert, »abzuhauen«. Robert soll dann auf ihn losgegangen sein, worauf der Angeklagte einen Schuss aus der Schreckschusspistole abfeuerte. »Drei der vier Schreckschuss-Pistolen habe ich am Körper getragen«, schilderte er das weitere Geschehen mit einem Handgemenge um die Waffen. Robert soll ihn schließlich derart gewürgt haben, dass er ihm mit Pistole Nummer vier in den Rücken schoss.

Der 28-jährige Robert dagegen behauptete, der Angeklagte habe ihm sofort dreimal in den Rücken geschossen, worauf er ihn entwaffnet und dann in den Schwitzkasten genommen habe. »Ich bin Kampfsportler, ich hätte ihn auch umhauen können«, behauptete der ebenfalls arbeitslose Kontrahent.

Ein Beamter der Polizei Berchtesgaden berichtete, dass man diese Wohnung bereits von früheren Einsätzen kenne. Mit angelegter Schutzausrüstung und MP habe man die Sache befrieden können. Wer nicht friedlich blieb, war die stark alkoholisierte Frau, die die Beamten angriff, verletzte und beleidigte.

Richter Christopher Lang trennte das Verfahren der ebenfalls angeklagten Frau ab, weil er ihr einen Pflichtverteidiger zur Seite stellen möchte und sie auf ihre Schuldfähigkeit begutachten lassen will. »Er wollte mich nur beschützen«, verteidigte sie den Angeklagten, »es ist alles meine Schuld«.

»Der Sachverhalt bleibt unklar«, bilanzierte Rechtsreferendar Johannes Adam, die Aussagen seien widersprüchlich, allerdings scheine die Geschichte mit dem Schwitzkasten glaubhaft, weshalb eine Notwehr nicht auszuschließen sei. »Deshalb ist der Angeklagte im Ergebnis freizusprechen.« Da mochte ihm Rechtsanwältin Katharina Pilsel nicht widersprechen: »Die Aussage des Beteiligten Robert sind durch und durch widersprüchlich.«

»Folgt man den Aussagen des Angeklagten, dann war eine Notwehr gerechtfertigt«, fasste Christopher Lang seine Sicht zusammen und entschied auf Freispruch. Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse. Der Fall der Frau geht zunächst wieder an die Staatsanwaltschaft, ehe er erneut am Laufener Amtsgericht landet.

Hannes Höfer