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»Drei Künstler – Vier Orte«

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Für den Besucher eröffnen sich bei den gleichsam miteinander verwobenen Personenausstellungen ganz neue Perspektiven auf Werke und Wirken der Künstler Franz-Xaver Angerer (von links), Dzeko Hodzic und Andreas Pytlik. (Foto: Morgenroth)

Eine ungewöhnliche Ausstellungskombination, verteilt auf zwei Ausstellungsorte in Hochschatzen bei Schnaitsee im nördlichen und Hammer bei Siegsdorf im südlichen Landkreis Traunstein, initiiert und konzipiert von den befreundeten Künstlern Franz-Xaver Angerer und Andreas Pytlik zeigt eine höchst anspruchsvolle Präsentation, zu der sie ihren Künstlerkollegen Dzeko Hodzic aus Sarajevo eingeladen haben – der Schwerpunkt an den beiden Ausstellungsorten richtet sich überwiegend auf die Werke von Dzeko Hodzic.


Der Ausstellungstitel »Drei Künstler – Vier Orte« ist zunächst irritierend, allerdings sind zwei weitere Orte für das künstlerische Wirken von Dzeko Hodzic signifikant: Sarajevo und Pocitelj. Dzeko Hodzic wurde 1950 in Godijevo, Sandzak-Montenegro geboren. Nach dem Diplomabschluss an der Kunstakademie in Sarajevo lebte und arbeitete er ab 1980 in Teslic, 1982 gründete er dort eine Künstlerkolonie, die er bis 1992 leitete. Von 1992 bis 1996 lebte und arbeitete er als Vertriebener zuerst in Slowenien, danach in Wasserburg/Inn.

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Das Werk von Dzeko Hodzic ist vielseitig und umfangreich

1996 kehrte Hodzic nach Sarajevo zurück. Von 2001 bis 2004 arbeitete er an dem Zyklus »Pocitelj«, der nun fast komplett an den beiden Ausstellungsorten zu sehen ist. Hodzics Werk ist vielseitig und umfangreich: Von kleinen Zeichnungen bis zu riesigen Ölgemälden gibt es fast alle Formate. Seine Aktstudien zeigen eine ausgeprägt plastische Auffassung, hinzu kommen seine Objekte und Skulpturen.

Die ausgestellten Arbeiten aus der Mappe »Pocitelj« bestehen aus ungefähr 30 Blättern in Mischtechnik. Es sind kleinformatige, grafische Darstellungen mit malerischen Akzenten in teils durchsichtigen und subtilen Nuancen ausgeführt. Nach seiner Rückkehr fand Dzeko Hodzic alte Karteiunterlagen in den geplünderten und zerstörten Ruinen der Künstlerkolonie Pocitelj. Diese stummen Zeugen überzeichnete er und lässt diese angebrannten, teils zerstörten Karteikarten wieder leben und erzählen.

Die Herkunft seiner Bildmotive erschließt sich besonders in diesem Zyklus, in dem er darstellt, was nach dem Bürgerkrieg noch vorhanden war: Tiere, Früchte und Architektonisches behalten in den ausgestellten, fragmentierten Blättern mit oftmals angebrannten Rändern und Ecken sowie Spuren von Ruß nur knapp ihre Identität. Die »Szenen« wirken alle zeitunabhängig und doch gegenwärtig. Hodzic ist ein erzählender Maler. Er malt das, was er gesehen hat, die Realität. Seine ausgestellten Werke vermitteln ein Mitempfinden, ein Ablesen, ein Nachempfinden. In diesen Blättern offenbart sich des Künstlers emotionales Verhältnis zu diesem Ort.

Andreas Pytlik, bekannt als Maler mit fast ausschließlich grüner Farbe, zeigt im »Kunstgetriebe« in Hammer Gemälde von außergewöhnlicher Dimension und Gestalt, deren Ursprung darum aber nicht im Ungewöhnlichen liegt, sondern auf einer sehr bewussten, von Lust und Neugier geprägten, Beobachtung der Lebenspraxis beruht. Seine Exponate entspringen gleichsam als »Nebenbilder« dem aufmerksamen Umgang mit der Bildwelt des Alltags und der staunenden Auseinandersetzung mit den Erscheinungen der Natur.

Diese Werke sind weniger Erfindungen oder Produkte der Fantasie, sondern eigentlich Findungen, die der Künstler Pytlik aus dem »ungesehenen« Bereich des Sichtbaren herauslöst und farblich wie emotional reduziert, wie bei seinen ausgestellten Werken zu sehen ist.

Ausdrucksstarke Skulpturen von Franz-Xaver Angerer

Franz-Xaver Angerer, Bildhauer und sehr geschätzt mit seinen karbonisierten Holzskulpturen, zeigt im »Kunstgetriebe« in Hammer sowie im Atelier von Andreas Pytlik in Hochschatzen ausdrucksstarke Skulpturen, wie »Kreatur – Tausendmal geschlagen«, die während des Jugoslawischen Bürgerkriegs entstanden ist, oder »Adler der Republik« sowie kleinere Holzskulpturen, Bronzen und seine jüngst entstandenen Farbholzschnitte.

Franz-Xaver Angerers Arbeiten, vor allem seine Skulpturen, treten in der Doppelpräsentation zusammen mit den »grafischen« Blättern von Dzeko Hodzic in einen ganz eigenwilligen und beinahe harmonischen Dialog. Auf seine Weise hat Angerer die Natur in die Kunst geholt und nach seinem Konzept gestaltet, vielfach zu etwas Neuem transformiert. Immer sind seine bildhauerischen Werke wie auch seine Aquadrucke, Farbholzschnitte und analogen Fotografien eingebettet in den unnahbaren, gewaltigen und vielfach bedrohlichen Kreislauf von Natur.

So eröffnen sich bei diesen drei, gleichsam miteinander verwobenen, Personenausstellungen für den Besucher ganz neue Perspektiven auf Werke und Wirken der Künstler. Die zwei äußerst sehenswerten Ausstellungen im »Kunstgetriebe« in Hammer und im Atelier in Hochschatz sind bis 4. Dezember und jeweils von Donnerstag bis Sonntag von 15 bis 19 Uhr geöffnet sowie nach telefonischer Vereinbarung unter den Nummern 08665/927223 oder 08074/8575 zu sehen. Gabriele Morgenroth

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