Dr. Ursula Deppisch-Roth zur Ehrenvorsitzenden ernannt

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Freute sich über die Auszeichnung durch Dr. Ursula Reichelt, 1. Vorsitzende (l.) und Landrat Bernhard Kern: die neue Ehrenvorsitzende Dr. Ursula Deppisch-Roth. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Die »Freunde der Kreisklinik Berchtesgaden« hielten vor kurzem ihre Jahreshauptversammlung 2020 im AlpenCongress ab. Im Vorfeld hierzu fand eine Beiratssitzung statt, bei der Landrat Bernhard Kern zum neuen Beiratsvorsitzenden gewählt wurde. Die Stellvertretung übernimmt weiterhin Marktbürgermeister Franz Rasp.


In ihrer Begrüßung bedankte sich die 1. Vorsitzende Dr. Ursula Reichelt bei den anwesenden Beiräten und Vorstandsmitgliedern für ihre konstruktive Arbeit im Verein und bei der zuständigen Standortleiterin Hannelore Diessbacher von den Kliniken SOB für die gute Zusammenarbeit. Leider konnte vom Klinikvorstand kein Mitglied begrüßt werden, was die Versammlung sehr bedauerte, weil man sich einen Austausch und Beantwortung von Fragen zu den derzeit anstehenden Themen wie zum Beispiel zum Standort Bad Reichenhall gewünscht hätte.

Wo wird die Klinik gebaut?

Nach dem Totengedenken folgte das Grußwort von Landrat Bernhard Kern. Zum Standort Bad Reichenhall führte Kern aus, dass ein Neubau kommen werde. Hierzu hat das Klinikum ein Grundstück (mit Rückgaberecht) in Piding erworben. Gleichzeitig hat die Stadt Bad Reichenhall auch einen möglichen Standort vorgeschlagen. Eine Entscheidung im Aufsichtsrat der Kliniken SOB werde noch diesen Herbst getroffen. Ein in Auftrag gegebenes Gutachten der »OptiMedis AG« zum Thema Kliniklandschaft der Zukunft soll die notwendigen Fakten zur Entscheidung liefern.

Das Hauptproblem der Kliniken SOB sei der Personalmangel beziehungsweise die Personalgewinnung. »Wir wollen kein weißer Fleck im Landkreis Berchtesgadener Land sein«, so Landrat Kern. Das bedeutet, die Versorgung der Landkreisbürger soll weiterhin im Landkreis und nicht in Traunstein erfolgen.

Hannelore Diessbacher von den Kliniken SOB hob die gute Entwicklung der Fachabteilungen im Krankenhaus Berchtesgaden hervor. Die derzeit entstehenden Wahlleistungsbereiche würden die Attraktivität des Standortes weiter erhöhen. Die Vereinsvorsitzende Dr. Ursula Reichelt musste in ihren Ausführungen auf ein Corona-bedingt ereignisarmes Vereinsjahr zurückblicken. Die Neuwahl im August 2020 brachte eine Veränderung in den Positionen 1. und 2. Vorsitzender sowie Kassenwart und Schriftführer. Die traditionelle Weihnachtsvisite musste ausfallen, allerdings konnte jedem Patienten ein kleines Geschenk überreicht werden.

Aufgrund einer Spende durch den Rotary Club und die eines Vorstandsmitgliedes, das nicht genannt werden wollte, konnte zum Jahresende jedem Mitarbeiter der Klinik in Berchtesgaden ein Einkaufsgutschein der »Aktiven Unternehmen« in Höhe von 10 Euro überreicht werden.

Die in 2020 versprochene Spende anlässlich des Vereinsjubiläums an das Klinikum SOB über 20 000 Euro zur Errichtung eines neuen Aufenthaltsraumes in der Akutgeriatrie konnte erst im August dieses Jahres fließen, da sich die Bauarbeiten Corona-bedingt verzögert hatten. Mit der Fertigstellung ist nun voraussichtlich im November zu rechnen.

Dr. Ursula Reichelt schloss ihren Bericht mit einem Appell, das bei allen Unwägbarkeiten der Mensch im Bereich der Gesundheit im Vordergrund stehen müsse.

Ute Spiesberger, die neue Kassenwartin des Vereins, konnte von geordneten Finanzen berichten. 2021 soll nun wieder mehr Geld von den Freunden an das Klinikum fliesen. Der Kassenprüfer Michael Grießer legte – auch in Vertretung für Ulrich Reichart – den Kassenprüfungsbericht vor und empfahl der Versammlung die Entlastung des Vorstandes – die einstimmig erfolgte. Im Anschluss daran wurde die ehemalige Vorsitzende Dr. Ursula Deppisch-Roth per Vorstandsbeschluss zur Ehrenvorsitzenden des Vereins ernannt. Dr. Ursula Reichelt und Hermann Lochschmied dankten Dr. Deppisch-Roth für ihre langjährig geleistete Vereinsarbeit und überreichten eine Ehrenurkunde und einen Blumenstrauß.

Schlechtes Essen

Im letzten Tagesordnungspunkt kamen unter anderem die derzeit anstehenden Aufgaben und Herausforderungen zur Sprache, die man gerne mit dem Klinikumsvorstand besprochen hätte. Linda Pfnür sprach die schlechte Mittagessensqualität an und fragte nach, ob die momentane Schließung von Abteilungen in Berchtesgaden und Bad Reichenhall Auswirkungen auf das Fortbestehen der Kliniken im Berchtesgadener Land im Zuge der Umstrukturierung habe. Landrat Kern bat hierzu das bereits angesprochene Gutachten abzuwarten, das – wie er versprach – öffentlich zugänglich sein werde.

Dr. Reinhard Reichelt merkte an, dass durch das häufige Abmelden von Kliniken die Arbeit des Rettungsdienstes erschwert und verzögert würde, da längere Fahrzeiten anfallen und die schnelle Patientenversorgung damit oft nicht aufrechterhalten werden könne. Hannelore Diessbacher erklärt zum Thema Personal, dass die Mitarbeitergespräche nun wieder intensiv aufgenommen würden und auch der Betriebsrat engagiert seiner Arbeit nachgehe. Dr. Ursula Reichelt sprach das Thema Weggang der orthopädischen Rehabilitation aus der Schön-Klinik Schönau in 2022 an. Sie stellte in den Raum, ob dies nicht ein Geschäftsfeld wäre, dass für den Standort Berchtesgaden geeignet sein könnte. So wäre nicht nur die operative Versorgung der Patienten in Berchtesgaden, sondern auch im Anschluss an die OP die Gewährleistung von ganzheitlicher Versorgung im Krankenhaus möglich. In diesem Zusammenhang wurde auf den Leerstand des vierten Stockes in der Kreisklinik Berchtesgaden hingewiesen.

Eine Anfrage seitens des Vereins im Vorfeld beim Vorstand der Kliniken SOB wurde negativ beschieden. Dr. Andreas Leidinger berichtet hierzu, dass sich die Schön-Klinik von der orthopädischen Reha trennt, weil die weiteren Reha-Bereiche der Klinik profitabler seien. Er brach eine Lanze dafür, dieses Thema bei den Kliniken SOB zu prüfen, da sich dieses sicher rentabel darstellen lasse, was natürlich eine Voraussetzung sein müsste.

Die fehlenden Kurzzeitpflegeplätze beziehungsweise die fehlende Diagnostik im Bereich Demenz im Landkreis sprach Roswitha Moderegger, die Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft, an. Die Versäumnisse der Bundespolitik im Gesundheitswesen der letzten Jahre seien erschreckend. Das bemängelte auch Dr. Reinhard Reichelt, ebenso wie die fehlende Wertschätzung der Mitarbeiter in den Kliniken.

Viele Fragen konnten an diesem Abend nicht beantwortet werden. Alles in allem stehen den Kreiskliniken SOB und dem Standort Berchtesgaden sehr herausfordernde Zeiten bevor. Der Versammlung war klar, dass auch dieser Gesundheitsbereich rentabel arbeiten muss. Das Wohl der Patienten müsse aber stets vor überzogenen Renditezielen stehen.

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