Dr. Sebastian Seibold mit Deutschen Forstwissenschaftspreis ausgezeichnet

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Dr. Sebastian Seibold (Mitte) wurde in München mit dem Deutschen Forstwissenschaftspreis ausgezeichnet. Nationalpark-Leiter Dr. Roland Baier (r.) und Nationalpark-Forschungsleiter Prof. Dr. Rupert Seidl (l.) zählten zu den ersten Gratulanten. (Foto: Nationalpark Berchtesgaden)

Berchtesgaden/München – Dr. Sebastian Seibold, stellvertretender Leiter des Sachgebiets Forschung und Monitoring im Nationalpark Berchtesgaden, erhielt in München den Deutschen Forstwissenschaftspreis. Die mit 15.000 Euro höchstdotierte forstwissenschaftliche Auszeichnung im deutschsprachigen Raum wird alle zwei Jahre vergeben. Ausgezeichnet werden jüngere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die herausragende Leistungen in ihrem Fachgebiet erbracht haben.


 

»Ich freue mich sehr über die großartige Auszeichnung und die damit verbundene Wertschätzung meiner Forschungsarbeit. Besonders freut es mich, dass damit die Bedeutung des Waldnaturschutzes gewürdigt wird«, so Seibold am Rande der Festveranstaltung im Schloss Nymphenburg. Der Auszeichnung voraus gingen jahrelange Forschungsarbeiten zum Schwerpunkt Biodiversität in Wäldern, unter anderem in den Nationalparken Bayerischer Wald und Berchtesgaden. Mit seiner Arbeit konnte Dr. Seibold zu einem besseren Verständnis beitragen, welche Faktoren die Vielfalt und Zusammensetzung von Arten in Wäldern bestimmen. Daraus leitete der Wissenschaftler praxisnahe Empfehlungen ab, wie Biodiversität in all ihren Facetten erhalten und gefördert werden kann, um somit eine bessere Balance zwischen Holznutzung und Erhalt der Artenvielfalt zu finden.

Über die Wahl der Preisträger entscheiden die vier forstwissenschaftlichen Fakultäten in Freiburg, München, Göttingen und Dresden sowie ein Vertreter der Eva Mayr-Stihl Stiftung, die den Preis finanziert. Die Wahl für die Vergabe des renommierten Preises war bereits im vergangenen Jahr auf den Wissenschaftler aus dem Nationalpark Berchtesgaden gefallen, wegen der Corona-Auflagen konnte die feierliche Verleihung allerdings erst jetzt stattfinden. Im Schloss Nymphenburg in München nahm der 35-jährige gebürtige Freisinger den Preis von Prof. Dr. Thomas Knoke entgegen.

Die hohe Preisvergabe freut auch Nationalparkleiter Dr. Roland Baier: »Ich gratuliere Dr. Seibold herzlich zu dieser besonderen Auszeichnung und zur Publikation in der weltweit bedeutendsten Fachzeitschrift. Dies zeigt, dass unsere Nationalparkforschung heute auf Weltklasseniveau stattfindet und wir Beiträge zur Lösung globaler Probleme liefern.«

Ein weiterer, großer Coup gelang Nationalpark-Forscher Seibold mit einer internationalen Studie zum Beitrag von Insekten zum globalen Kohlenstoffkreislauf in Wäldern. Die Ergebnisse der Studie schafften es sogar auf die Titelseite der weltweit renommiertesten englischsprachigen Wissenschaftszeitung »Nature«. Dr. Sebastian Seibold ist Erstautor der Studie, in deren Rahmen 30 internationale Forschungsgruppen über drei Jahre ein globales Experiment durchgeführt haben.

An 55 Wald-Standorten auf sechs Kontinenten legten die Forscherinnen und Forscher Hölzer von über 140 Baumarten aus, um den Einfluss des Klimas auf die Abbaugeschwindigkeit zu messen. Die Hälfte der Hölzer befand sich in engmaschigen Käfigen – so konnte ausgeschlossen werden, dass hier Insekten an der Zersetzung mitwirkten. Als Teil der Forschungszusammenarbeit zwischen dem Nationalpark Berchtesgaden und der Technischen Universität München (TUM), wurden die Ergebnisse in globale Kohlenstoffmodelle eingespeist. »Wir konnten erstmals modellieren, in welchem Ausmaß Totholz am globalen Kohlenstoffkreislauf beteiligt ist«, erläutert Rupert Seidl, Professor für Ökosystemdynamik und Waldmanagement an der TUM und Forschungsleiter im Nationalpark Berchtesgaden. »Demnach werden jährlich 10,9 Gigatonnen Kohlenstoff weltweit aus Totholz freigesetzt. Ein Teil des Kohlenstoffs geht dabei in den Boden, während ein anderer Teil in die Atmosphäre freigesetzt wird.« Rund 29 Prozent des Kohlenstoffumsatzes sind hierbei auf die Aktivität von Insekten zurückzuführen.

Die Studie zeigt, dass die Abbaugeschwindigkeit und der Beitrag der Insekten sehr stark vom Klima abhängen und vor allem mit steigender Temperatur zunehmen.

»Sowohl Klimaveränderungen als auch der Verlust von Insekten haben somit das Potenzial, den Holzabbau und damit die Kohlenstoff- und Nährstoffkreisläufe weltweit zu verändern«, erklärt Seibold. Die Bedeutung des Klimas und die Auswirkungen des Klimawandels auf die Biodiversität und Ökosystemprozesse wie den Holzabbau stellen derzeit einen Forschungsschwerpunkt im Nationalpark Berchtesgaden dar. Die starken klimatischen Kontraste unterschiedlicher Höhenstufen und Lebensräume machen den Nationalpark dabei zu einem idealen Lernort.

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