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Die 1. Vorsitzende Annegret Gaffal (l.) freute sich, nach vielen Anläufen Dr. Bärbel Kofler im Eine-Welt-Kreis begrüßen zu können. Die Parlamentarische Staatssekretärin berichtete von der Arbeit des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und beantwortete geduldig die Fragen aus dem Publikum. (Foto: Dieter Meister)

Dr. Bärbel Kofler zu Gast im Eine-Welt-Kreis

Schönau am Königssee – Zur Diskussion mit der Bundestagsabgeordneten Dr. Bärbel Kofler hatte der Eine- Welt-Kreis Berchtesgaden ins Pfarrheim Schönau am Königssee eingeladen. Die Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, ein Amt, das sie seit Dezember 2021 ausfüllt, erläuterte zunächst die Arbeitsfelder »ihres« Ministeriums und ging dann detailliert auf Fragen aus dem Publikum ein, unter dem auch einige wesentliche SPD-Mitglieder aus der Region vertreten waren.


»Dort, wo Hilfe gebraucht wird, engagiert sich die Bundesrepublik«, sagte Dr. Bärbel Kofler einleitend und nannte dann die »Säulen«, die Richtlinie für die Arbeit des »Entwicklungsministeriums«, wie es allgemein genannt wird, seien. Es gehe beispielsweise um die Umsetzung demokratischer Prinzipien und der Menschenrechte in Partnerländern, um Hilfe beim Aufbau von Strukturen. Ab dem 24. Februar, dem Beginn des Krieges Russlands gegen die Ukraine, sei plötzlich alles anders gewesen, erläuterte Dr. Kofler. Und berichtete von ihrem mit vielen Reisen verbundenen Tun in ihrer neuen Funktion.

Dieter Bobek, zweiter Vorsitzender des Eine-Welt-Kreises, übernahm die Moderation der anschließenden Diskussion und formulierte auch die erste Bitte an die »große Politik«. Der Eine Welt-Kreis ist ein kleiner Verein, der sich mit Kleinprojekten beschäftigt, aber immerhin schon in den 30 Jahren seines Bestehens eine halbe Million Euro zusammengebracht und in vielen Teilen der Welt gespendet habe für konkrete Maßnahmen. Es wäre doch schön, einmal etwas »aus den großen« Topf zu bekommen, das man für die Vereinszwecke einsetzen kann, so Bobek. »Schwierig«, meinte die Bundestagsabgeordnete dazu, denn es handele sich hier wohl um Kleinsummen. Erfolgreich könnte sein, sich Partner zu suchen, um dann gemeinsame Anträge zu stellen. »Kommen Sie auf mich zu, dann suchen wir nach Möglichkeiten.«

Paul Grafwallner sprach den Strukturwandel an. Er habe das Wort »Korruption« vermisst in den Ausführungen von Bärbel Kofler. Korruption, die es auch in Bayern gebe, sei weltweit sicherlich ein Problem, das die Arbeit erschwere. Gerade in schwachen Staaten sei dies durchaus der Fall, räumte Bärbel Kofler ein, weil man ja nicht nur mit Demokratien zusammenarbeite. Wenn es aber auf Regierungsebene schwierig werde, gibt es vielleicht Möglichkeiten für eine fruchtbare Zusammenarbeit mit unteren Ebenen. Da gäbe es viele Beispiele, die sehr gut funktioniert hätten. »Aus den Schieflagen musst Du lernen«, sagte sie.

Korruption war auch das Thema von Klaus Gerlach, der vermutete, dass man diese an Punkten, wo nichts weitergehe, bedienen und Geld in die Hand nehmen müsse. Es gibt Länder, wo man nur mit Projekten arbeiten könne, sagte die Abgeordnete dazu. Geld fließe da nicht. Das sei natürlich ein Problem, aber nicht jedes könne gelöst werden. Gerlach interessierte weiter, warum man nicht, angesichts knapper Budgets, nur dort Projekte bewerkstellige, wo Deutschland wirtschaftliche Interessen habe. Es gebe etwa 65 Länder auf einer Liste, mit denen man zusammenarbeite, die meisten aus Afrika, und bei denen der Bedarf an Hilfe groß sei, sagte sie auf eine Frage von Dieter Bobek, der auch wissen wollte, wie stark der deutsche Lobbyismus und die Unterstützung deutscher Unternehmen wäre.

Rita Posers Interesse galt den oft minderwertigen Produkten, die hoch entwickelte Staaten in ärmere Länder schicken und dadurch die dort gewachsenen Strukturen zerstören. Hochproblematisch nannte die Bundestagsabgeordnete diesen Aspekt. Man müsse allerdings aufpassen, dass es beispielsweise auch darum gehe, dass China nicht sofort diese Rolle übernimmt und die örtlichen Gegebenheiten mit Billigprodukten überschwemme.

Bevor Dieter Bobek die Veranstaltung offiziell schloss, sprach er noch die weltweite Bildung an. Die Zahl der Menschen, die nicht lesen und schreiben könnten, nehme weiter zu. Dr. Bärbel Kofler nannte die Situation als sehr unbefriedigend, erinnerte aber an einen Fond, der weltweit die Schulbildung unterstütze. Diese sei immer noch ein großes Problem, vor allem, dass die Bildung für Mädchen vielerorts nicht gefördert werde.

Kaffee und Schokolade aus dem Eine-Welt-Laden als kleinen Dank an die Parlamentarische Staatssekretärin Dr. Bärbel Kofler überreichte dann noch die Vorsitzende des Eine-Welt-Kreises, Annegret Gaffal. Die freute sich, dass endlich, nach einigen Verschiebungen, ein Termin für diese Veranstaltung gefunden werden konnte. Sie dankte für einen Abend, an dem Bärbel Kofler mit Geduld und vielen Informationen Einblicke in die Arbeit des Entwicklungsministeriums gab, das im Großen ähnliche Dinge leistet, die sich auch der Eine-Welt-Kreis Berchtesgaden im Kleinen als Ziel seiner Arbeit vornimmt.

Dieter Meister