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Konzert mit Hans Leonhardt und Jörg Pfeifer beim 10. Chiemgau-Symposium in Grabenstätt

Doppelter Kunstgenuss

Hans Leonhardt (Violine) und Jörg Pfeifer (Klavier) haben den Besuchern beim 10. Chiemgau-Symposium ein abwechslungsreiches Konzert in der Schlossökonomie von Schloss Grabenstätt geboten. Umrahmt von den farbenprächtigen Werken der Malerin Sibylle Thebe durften die Konzertbesucher sich über doppelten Kunstgenuss freuen.

Musikalische Zugabe zum 10. Chiemgau-Symposium: Hans Leonhardt (Violine) und Jörg Pfeifer (Klavier) erfreuten das Publikum mit bekannten Werken. (Foto: Benekam)

Das Publikum durfte sich hier zu Werken von Alfred Schnittke (1934 bis 1998), Ludwig van Beethoven (1770 bis 1827) und Franz Schubert (1797 bis 1828) in die satten Farben von Landschaften und Blumen der Gemälde verlieren und seiner Seele einen wohltuenden Ausflug in träumerische Welten gönnen. Ganz im Sinne der Philosophie des Symposiums sollen Musik und Malerei als kreative Zugaben geistige Anregungen verstärken und bereichern.

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Zusammen mit Jörg Pfeifer hatte Hans Leonhardt, Initiator und künstlerischer Leiter des Chiemgau-Symposiums, ein ansprechendes Konzertprogramm ausgewählt. Die drei Werke für Klavier und Violine (Hans Leonhardt) wirkten zugleich beruhigend und belebend.

Die viersätzige »Suite im alten Stil« des deutsch-russischen Komponisten Alfred Schnittke entführte die Zuhörer auf eine spannende Reise mit neuen Klängen und innovativen musikalischen Konzepten – eine zeitgemäße sinfonische, polystilistische Kompositionsform, aus der das Publikum Schnittkes ungezwungenes Verhältnis zur älteren Musik sowie seine Faszination für Barockmusik heraushörten. Sein Variationsreichtum, der direkte Wechsel zwischen ruhigen, zärtlich-verspielten Passagen und enormen Temposteigerungen ließen die Zuhörer immer wieder gespannt aufhorchen.

Im Anschluss kam die Violinsonate op. 12 Nr. 1 D-Dur von Ludwig van Beethoven zu Gehör. Das 1798 komponierte, dreisätzige Werk ist nach Mozarts Vorbild eines der ersten Violinsonaten, in denen die Violine aus der vorwiegend begleitenden Rolle heraustritt und zum gleichberechtigten Partner zum Klavier avanciert. Höchst konzentriert verfolgten die begeisterten Zuhörer den munteren Dialog zwischen Klavier und Violine und spendeten reichlich Applaus.

Im zweiten Konzertteil genossen die Zuhörer die Violinsonate D 574 A-Dur von Franz Schubert. Die Themen dieses viersätzigen Werks, das Schubert als 20-Jähriger komponiert hat und mit dem er sich von seinem früheren Vorbild Mozart distanzieren wollte, kreisen um volkstümliche Wendungen und bezeugen damit seinen vom Lied geprägten, romantischen Ausdruckswillen.

Die beiden Musiker waren gern bereit, den Hörgenuss um drei Zugaben zu erweitern: ein Lied von Schubert, eine »Abendmusik« von Igor Strawinsky und als musikalisches Betthupferl in melancholischer Moll-Stimmung die »Vocalise« von Sergei Rachmaninoff.

Mit diesem Konzert gelang es ausgezeichnet, das Europathema des Symposiums – »Europa ist eine Erkenntnissphäre« – zu untermauern. Kirsten Benekam