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»DM« – der mit den Worten jongliert

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Für sein Leben gern stöbert Dieter Meister in alten Zeitungsbänden, um daraus neue Geschichten zu formulieren. Am heutigen Samstag tritt der »Anzeiger«-Redakteur seinen Ruhestand an, will der Redaktion seine Schreibdienste aber weiterhin zur Verfügung stellen. Foto: Anzeiger/Kastner

Berchtesgaden – Die Kultur- und Kunstszene war immer seine Heimat. Als Journalist begleitet Dieter Meister Maler, Bildhauer, Schauspieler und Musiker im Berchtesgadener und Salzburger Raum neben seinen anderen Aufgaben als Lokalredakteur seit 20 Jahren – stets fair, aber immer auch kritisch. Wenn der 1989 mit seiner Familie aus dem thüringischen Eisenach ins Berchtesgadener Land Gekommene mit dem heutigen Tag in den wohlverdienten Ruhestand übertritt, dann verliert die Heimatzeitung zwar einen allseits bekannten und respektierten Redakteur. Doch »DM«-Fans dürfen sich freuen: Dieter Meister wird seine Schreibkunst dem »Berchtesgadener Anzeiger« auch weiterhin als freier Mitarbeiter zur Verfügung stellen.


In Greußen bei Erfurt aufgewachsen, entdeckte Dieter Meister schon früh seine Leidenschaft für die Schönen Künste. Der Wunsch, Theaterwissenschaften zu studieren, wurde ihm aber nicht erfüllt. Die SED war der Ansicht, dass Dieter Meisters Eltern nicht ausreichend konform waren mit den DDR-Prinzipien – so ließ er sich erst einmal zum Werkzeugmacher ausbilden. Doch die Geisteswissenschaften lagen dem Intellektuellen stets näher als das Handwerk, weshalb die folgende Arbeit als Buchhändler dann wieder viel mehr seinen persönlichen Neigungen entsprach. Schließlich hat Meister schon immer viel gelesen – Tausende von Büchern gingen bis heute durch seine Hände. Viele Raritäten hat der Kenner auf Flohmärkten günstig erstanden.

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Ein Hintergedanke brachte Dieter Meister später als Bühnentechniker und Regieassistent zum Erfurter Theater. Seine Hoffnung war es nämlich, über diesen Umweg doch noch zum Studium der Theaterwissenschaften zu kommen. Daraus wurde zwar letztendlich nichts, doch der Weg war der richtige. Der Zufall wollte es dann im Jahr 1971, als Dieter Meister zur Volksarmee kam, dass er dort einen Redakteur der Thüringer Kirchenzeitung kennenlernte. Prompt hatte er den Auftrag, für die Kirchenzeitung feuilletonistische Texte zu schreiben. In der Folge veröffentlichte Meister beim Kirchenverlag auch seine ersten Bücher und Ausstellungskataloge.

Mit seiner damaligen Lebensgefährtin und heutigen Ehefrau Ulla zog Dieter Meister im Jahr 1977 nach Eisenach, wo er zunächst als Erzieher für geistig Behinderte und später als Führer und schließlich als Kustos im Lutherhaus arbeitete. 1989 wurde der Familie Meister, die mittlerweile zu beachtlicher Größe angewachsen war, der Ausreiseantrag bewilligt. Ziel sollten entweder die Nordsee oder die Berge sein, weil die Kinder an Asthma litten. So ging es halt erst einmal ins Berchtesgadener Land, wo es Therapieplätze für die Kinder gab. »Hier sind wir dann hängen geblieben«, sagt Dieter Meister und klingt dabei nicht unzufrieden. Schließlich geht's den Kindern heute wieder gut und der Familienvater selbst konnte seit 1993 als Journalist beim »Berchtesgadener Anzeiger« seiner Schreiberei freien Lauf lassen.

In den letzten 20 Jahren hat Dieter Meister den Lokaljournalismus in all seinen Facetten kennengelernt. Es gibt wohl keinen Verein im Berchtesgadener Raum, über den »DM« nicht geschrieben hat, keinen Gemeinderat, über den er nicht berichtete, und keinen Prominenten, mit dem er nicht schon ein Interview führte. Trotz der vielfältigen Aufgaben fühlte sich Dieter Meister am meisten von den kulturellen, menschlichen und historischen Geschichten angezogen. »Die kleinen Schicksale waren mir immer wichtiger als die großen Namen«, sagt Meister. Dennoch will er nicht verhehlen, dass ihm die Interviews mit Max Greger, Montserrat Caballé oder Ingrid Steeger auch große Freude bereitet haben.

Obwohl Dieter Meister als »Zuagroasta« logischerweise zunächst nichts über die Geschichte Berchtesgadens wusste, interessierte ihn die Vergangenheit des Ortes und seiner Menschen sehr. Eine Leidenschaft von »DM« war das Aufspüren nacherzählenswerter historischer Geschichten. Dafür wühlte er oft stundenlang in alten Zeitungsbänden und Archivunterlagen. So sind unter anderem die Rubriken »Historisches Gästebuch« und »Hausgeschichten« entstanden. Auch der traditionelle Kunstkasten und die Serie »Mitmenschen« hat Dieter Meister aus der Taufe gehoben.

Das Ende dieser spannenden Hintergrundgeschichten ist mit dem Ausscheiden Dieter Meisters aus dem Berufsleben aber nicht besiegelt. »DM« will der Redaktion weiterhin als freier Mitarbeiter unter die Arme greifen. Schließlich weiß der neunfache Großvater, dass ihn die journalistische Neugierde auch in den Ruhestand begleiten wird. So will er weiter fragen, forschen, recherchieren und schreiben. Die Kollegen freuen sich drauf – und sicher auch die »Anzeiger«-Leser. Ulli Kastner