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Digital über den Berg

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Morgendlicher Start des Online-Unterrichts in der Klasse 4 a der Grundschule Berchtesgaden. (Foto: Grundschule)

Berchtesgaden – Das neue Jahr begann für die Schülerinnen und Schüler erneut mit Unterricht zu Hause. Doch während ältere Schüler zu großen Teilen schon mit Online-Tools umgehen können, so stellt es die Jüngsten vor neue Herausforderungen. Martha Kienzerle, die Rektorin der Grundschule Berchtesgaden, berichtet darüber, wie Lehrer, Schüler und Eltern mit der aktuellen Situation umgehen und welche Probleme es noch zu bewältigen gibt.


Zu Beginn der vorgezogenen Weihnachtsferien 2020 bestand noch die leise Hoffnung, dass im Januar vielleicht wenigstens die jüngsten Schüler der 1. und 2. Klassen im Wechselmodell zur Schule kommen könnten. Vorsorglich hatten die Schüler der 3. und 4. Klassen mit ihren Lehrkräften bereits vor Weihnachten die ersten Probeläufe für eine Videokonferenz über MS Teams absolviert. Daher konnten die größeren Schüler zu Beginn der Schulschließung am 11. Januar sofort in den täglichen Online-Unterricht einsteigen. »Die Lehrkraft gibt mit der Vereinbarung zum Online-Treffen über die App MS Teams den sogenannten Startschuss«, erklärt Kienzerle. Nun könnten gemeinsam die anstehenden Aufgaben besprochen und erklärt werden, in gewissem Umfang entstehe eine Art Unterrichtsgespräch. Anschließend bearbeiten die Kinder zu Hause ihre Aufgaben und werden einige Zeit später erneut zur Videokonferenz gebeten, um sich darüber mit der Lehrkraft auszutauschen.

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Falls während der häuslichen Arbeitszeit Fragen entstehen, kann der Online-Kontakt zur Lehrkraft über die Chat-Funktion zwischendurch wiederhergestellt werden.

»Die jüngeren Schüler der 1. und 2. Klassen wurden im Januar ebenfalls schrittweise und in Absprache mit den Eltern an diese neue Unterrichtsform herangeführt und nehmen mit Freude und Geschicklichkeit daran teil.« Als Angehörige der Generation »Digital Natives« fänden sie rasch Zugang zu diesem Medium.

So erhält zum Beispiel die Klasse 1a jeweils am Montag, Mittwoch und Freitag nacheinander in zwei übersichtlichen Kleingruppen eine altersgemäß angemessene Zeit lang Online-Unterricht, um anschließend die Aufgaben zu Hause zu bearbeiten. An den dazwischenliegenden Tagen wird über Telefonanrufe der Kontakt zu den Kindern aufrechterhalten, damit sie ihrer Lehrkraft zum Beispiel vorlesen können. »Zusätzlich stehen die Lehrkräfte also auch über regelmäßige Telefonsprechstunden, Audiobotschaften und persönliche Videos in Kontakt mit den Kindern und ihren Eltern«, so die Rektorin. Die zu bearbeitenden Unterrichtsmaterialien können weiterhin auch als Papierausdrucke an der Schule abgeholt werden, natürlich unter Beachtung derzeit gültiger Hygieneregeln.

Unterlagen werden digital zur Verfügung gestellt

Die Unterlagen werden zusätzlich auf verschiedenen digitalen Wegen, etwa als PDF-Datei per E-Mail oder als Padlet beziehungsweise über MS Teams verschickt. »Die Lehrkräfte sind – ebenso wie auch im Präsenzunterricht – in der Gestaltung ihres Online-Unterrichts frei und selbstverantwortlich tätig, jede Lehrkraft findet ihren individuell geeigneten Weg.« In der Regel seien die Eltern gut auf diese Unterrichtsform vorbereitet und würden mehrheitlich über die nötigen Endgeräte verfügen. Im Schulsekretariat stehen zudem kostenlose Leihgeräte in Form von iPads bereit und können dort nach Anmeldung abgeholt werden, dazu muss vor Ort ein Leihvertrag abgeschlossen werden.

»Grundsätzlich wird der digitale Unterricht als einzige Unterrichtsform eine Notlösung bleiben, denn lehren und lernen ist ein ausgesprochen komplexer Vorgang, der entscheidend vom persönlichen Kontakt der Schülerinnen und Schüler untereinander und natürlich ganz besonders zur Lehrkraft im Klassenzimmer getragen wird.« In der Perspektive aber werde das digitale Lernen den Präsenzunterricht sehr gut ergänzen, zum Beispiel wenn ein Kind aus irgendeinem Grund für längere Zeit nicht am Präsenzunterricht teilnehmen könne.

Besonders wichtig könnte der Distanzunterricht für Kinder mit Migrationshintergrund werden, so Kienzerle, »wenn die Lehrkraft zum Beispiel für einen gewissen Zeitraum nach dem Vormittagsunterricht digital ansprechbar bleibt, um Fragen zu beantworten«.

Die Ausstattung mit digitalen Geräten wie den neuen iScreens samt Zubehör über die Digitalbudgets von Bund und Land Bayern wurde bereits zu Beginn der Pandemie im Frühjahr von der Schulleitung veranlasst. »Hilfreich waren hier Informationsbesuche bei anderen Schulen, Hospitationen im Online-Unterricht der Mittelschule Berchtesgaden, Produktpräsentationen der Anbieter sowie die kompetente Beratung auf Schulamtsebene durch den iBdB (informationstechnischer Berater für digitale Bildung), Bernhard Riedel (MS Teisendorf).«

Neue Geräte

Über den Sachaufwandsträger, die Marktgemeinde Berchtesgaden, wurden die Geräte ausgeschrieben und mit den staatlichen Budgets angekauft. »Daher sind alle Klassenzimmer der Grundschule Berchtesgaden in beiden Schulhäusern gut für den digitalen Unterricht ausgestattet.«

Mit der Vorrichtung für die geeignete WLAN-Leistung habe die Marktgemeinde umgehend und zuverlässig die nötige technische Infrastruktur und damit weitere Voraussetzungen für den digitalen Unterricht geschaffen. Die Schulleitung und alle Lehrkräfte würden sich permanent um eine Optimierung der Lösungen für den digitalen Unterricht bemühen. »Eine Grundschule verfügt jedoch – anders als zum Beispiel die weiterführenden Schulen – nicht über die prädestinierten Fachlehrkräfte (zum Beispiel im Fach Informatik), welche ein Kollegium aktiv und vor Ort bei Fragen zur digitalen Unterrichtsgestaltung unterstützen können.« Zudem wurden alle derzeit aktiven Lehrkräfte in ihrem Studium für den analogen Unterricht ausgebildet und stehen daher vor neuen Herausforderungen in didaktischer, methodischer und auch in technischer Hinsicht. »Die persönliche Einarbeitung in den Themenbereich mit den nötigen Kenntnissen zu Hard- und Software erfolgt parallel zum digitalen Unterricht, learning by doing also. Jeder Internetuser, der sich schon einmal durch Handbücher und Online-Tutorials gekämpft hat, kennt die Schwierigkeiten.«

Mehr Struktur gefordert

Die Regierungen in Bund und Land hätten sehr große Summen für die Sachaufwandsträger und damit für die Schulen bereitgestellt, um den digitalen Unterricht anzubahnen.

Allerdings fehle eine einheitliche Linie von der Anschaffung bis zur Bedienung der Geräte. Welche Geräte sind zweckmäßig und zielführend für den Online-Unterricht an den einzelnen Schulformen? Dazu fehle ein allgemein gültiger Leitfaden mit entsprechenden Vorschlägen. Welche Software hat sich bereits in der jeweiligen Schulform bewährt und ist praktikabel sowie intuitiv gestaltet? Dazu würden Erhebungen fehlen.

Diese Fragen sollten laut Kienzerle grundsätzlich für alle Schulformen geklärt werden, damit speziell die Schulleitungen eine klare Perspektive für eine einheitliche Vorgehensweise an den bayerischen Schulen bekommen. »Die Grundschule Berchtesgaden darf sich dank der Finanzierung durch die Marktgemeinde auf die überaus engagierte und kompetente Unterstützung von Martin Volmer als Systembetreuer verlassen.« Die Grundschulen würden aber auch schnell verfügbare Anwendungsbetreuer zur Schulung und Unterstützung bei der Anwendung der Software benötigen.

Die bisher notwendige individuelle Einarbeitung binde zusätzlich Ressourcen und es entstehe ein bunter Flickenteppich von Apps und Portalen, die von jeder Schule individuell genutzt würden.

»Die Schulgemeinschaft aus Eltern, Kindern und Lehrkräften ist dennoch und trotz aller Anfangsschwierigkeiten zuversichtlich: Langsam wachs ma zsamm, die Digitalisierung und wir.« fb

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