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Dieter Barths Wunderwelten

Berchtesgaden – Die Galerie am Schloss gibt es nun ganz offiziell. Prof. Jens Knüppel, Universitätsdozent und nicht nur nebenher Kunstfreund und -sammler, eröffnete sie mit Arbeiten des Marktschellenberger Malers Dieter Barth. Werke aus 35 Jahren präsentiert Barth, hat Galerist Knüppel recherchiert. Und für den Künstler ist es ein Novum. Obwohl er in seinem Malerleben schon oft Gelegenheit hatte, seine Kunst in Einzelausstellungen, vornehmlich in Süddeutschland und Österreich, zu zeigen, stellt er den Liebhabern seine Bilder erstmals in Berchtesgaden vor.

Ein neuer Platz für Kunst: Zahlreich erschienen waren Kunstfreunde zur Ausstellungseröffnung, darunter auch Künstlerkollegen. Fotos: Wilfried Wascher

»Klein, aber fein« ist ein sicher oft strapazierter Begriff. Auf die Galerie am Schloss trifft er dennoch zu. Wenn sich die Kommunen schwertäten, den Künstlern eine akzeptable Plattform zu bieten, so müsse man sehr dankbar sein, wenn Privatleute, Mäzene, einsprängen, um solche Möglichkeiten zu schaffen, sagte Dieter Barth. Insofern sei er Prof. Jens Knüppel sehr dankbar, dass er ihm, und künftig auch Kollegen, seine Privaträume öffne, um der Kunst ein neues Fenster zu schaffen. Immerhin drängten sich zur Premiere die Kunstfreunde in dichter Traube um die auf zwei Etagen versammelten Barth-Bilder, die auch den Kennern des Barth'schen Werkes viel Neues boten.

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»Was soll ich sonst machen«, gab Dieter Barth einer Besucherin die Auskunft auf ihre anerkennende Bemerkung zum künstlerischen Fleiß des Marktschellenbergers. Tatsächlich präsentiert Barth sich auf relativ kleinem Raum in gewohnt üppiger Vielfalt. Auf des Malers Bilder muss man sich einlassen wollen, die Bereitschaft mitbringen, sich zu beschäftigen mit des Künstlers Sicht auf die Dinge. Der zweite Blick ist nötig oft, mindestens, um hinter dem Oberflächenglanz etwas zu entdecken, das nachdenklich machen kann, nicht selten Humor freilegt, oder auch ein wenig Bestürzung. Entdeckerfreude ist fast immer garantiert. Barths Welten laden dazu förmlich ein.

Der Maler ist ein Satiriker. Aber nicht nur. Er ist ein Mahner, was den Umgang mit der Welt angeht. Aber nicht nur. Ein Moralist ist er, der eine Glitzerwelt zeigt, aus der die Dekadenz fröhlich leuchtet. Barth ist ein Spiegelhalter, er zaubert mit dem Pinsel Glanzfassaden, die mit dem zweiten Hinschauen in die Risse sehen lassen, die Marodes und Morbides mühsam zusammenhalten. Barth ist all das und noch viel mehr. Und aus seinen Arbeiten strahlt nicht selten die Ironie mit entwaffnender Wucht. Und manchmal, aber nur dann, eine kleine Prise Bösartigkeit, vielleicht auch mit einer Messerspitze Resignation gewürzt.

»Oben sind die frechen Sachen«, hatte Galerist Knüppel angekündigt. Im »Narrenbeisl« geht es in der Tat erotisch und schauderhaft fröhlich zu. Und hinter dem Prunk des Spiegelsaals von Herrenchiemsee hat der sogenannte Zahn der Zeit schon reichlich Biss gehabt.

Überhaupt sind Barths Architekturen von verführerischem Charme geprägt, von dem Putz blättert und feine Risse das Ruinöse ahnen lassen. Das Morbide darf durchaus auch als ein Warnzeichen gesehen werden. Was allerdings nicht vergessen werden darf: Ein Gang durch die Bildwelten von Dieter Barth ist ein spannendes Unterfangen. Und, es macht riesigen Spaß. Immer wieder.

Die Ausstellung ist wieder am Donnerstag, 28. November, sowie am Sonntag, 1. Dezember, jeweils von 15 bis 19 Uhr geöffnet. Während der Adventszeit ist die Galerie zusätzlich donnerstags und freitags zwischen 15 und 19 Uhr zugänglich, samstags von 11 bis 15 Uhr. Dieter Meister