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Die Welt der großen Gefühle

Rührende Szenen bei der umjubelten Verdi-Gala des Traunreuter Sängerchores im k1: Die Solistin Montserrat Caballero war bei der Arie der Violetta aus »La Traviata« zu Tränen gerührt. Von dem erschütternden Finale »Addio del passato« sichtlich ergriffen, ließ sie ihren Emotionen freien Lauf. Ihre achtjährige Tochter Adriana, die mit ihrer Mama mitfühlte, reichte ihr unter Applaus der Zuhörer ein Taschentuch.

Große Emotionen im Traunreuter k1: Sopranistin Montserrat Caballero und Tenor Pablo Macias. (Foto: Rasch)

Die Welt der großen Gefühle zog sich wie ein roter Faden durch den Abend, und das Publikum im ausverkauften k1 feierte die weit über 100 Protagonisten auf der Bühne frenetisch. Erst nach drei Zugaben wurden die Musiker und Sänger und der bewährten Leitung von Richard Kalahur von der Bühne verabschiedet.

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Mit der Sopranistin Montserrat Caballero hatte der Sängerchor für sein traditionelles Jahreskonzert eine der bisher besten Solistinnen verpflichten können. Die gebürtige Spanierin, die heute in Burghausen lebt, sang sich nicht nur mit ihrer wunderschönen Stimme in die Herzen der Zuschauer. Ihr gelang es auch, Verdis Arien voller Leidenschaft und starker Gefühle zu interpretieren, ohne dabei übertrieben zu wirken. »Eine grandiose Sängerin«, schwärmte Martin Maier aus Sankt Georgen, der als ehemaliger Tenor die Szenerie bestens kennt.

Im Duett mit dem chilenischen Tenor Pablo Macias, dem die Sopranistin etwas die Schau stahl, wurde deutlich, dass die beiden schon mehrfach gemeinsam aufgetreten sind. Das immer wieder gern gehörte Trinklied »Libiamo ne'lieti calici« und der 2. Akt »Parigi o Cara« aus »La Traviata«, waren ein beredter Beweis dafür. Macias, der derzeit in München in der Neuinszenierung der Oper »Carmen« auftritt, war vor allem die Canzone »La donna é mobile« des Herzogs aus »Rigoletto« auf dem Leib geschnitten.

Gefestigt in der Intonation und sehr diszipliniert überzeugten aber auch der Chor und das Ruperti-Orchester, welche die große k-1-Bühne voll ausreizten. Ein Instrument mehr hätte für Platzprobleme gesorgt. Der Sängerchor Traunreut und der Gesangsverein Trostberg boten im Hintergrund ein stimmgewaltiges und ausgewogenes Klangbild, begleitet von einem sehr versierten Ruperti-Orchester, das die Konzert-Gala anlässlich des 200. Geburtstages des wohl bedeutendsten italienischen Opernkomponisten aller Zeiten, Giuseppe Verdi, mit der Ouvertüre aus »Nabucco« eröffnete.

Diese Oper machte den jungen Verdi praktisch von einem Tag auf den anderen zum neuen Star am Opernhimmel und sogar zum politischen Helden Italiens: Der mächtige Gefangenenchor »Va pensiero«, der auch bei der Gala nicht fehlen durfte und als Zugabe donnernden Abschluss-Applaus erhielt, wurde zur heimlichen Nationalhymne des damals nach nationaler Einheit und Selbstbestimmung strebenden Landes.

Mit dem »Freudentaumel« aus »Ernani« oder dem Zigeunerchor aus »Der Troubadour« und anderen populären Werken trafen der Chor und das Orchester offenbar voll den Geschmack des Publikums, das sich von dem schönen Melodien in den Bann gezogen fühlte. Denn Verdi, der in den fast 50 Jahren seines Wirkens die Opernszene nicht nur in Italien beherrschte, war bei seinem fruchtbaren Wirken zwar immer auch um die dramaturgische Wahrheit bemüht, verlor aber gleichwohl nie die schönen Melodien der italienischen Volksmusik aus dem Auge. Gabi Rasch