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»Die Unterlagen gehen weg wie warme Semmeln«

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Bei Michael Grötzner im Bischofswieser Rathaus wartet bereits die Tonne mit den per Briefwahl eingegangenen Wahlscheinen auf die Auszählung. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Berchtesgadener Land – Immer mehr Talkessel-Bewohner beantragen die Briefwahl. Weil sie bequemer ist. Gerade jetzt bei der Kommunalwahl, wo der Wähler alleine bei den Kreistagskandidaten 60 Stimmen vergeben muss, wollen die Wahlberechtigten in Ruhe zu Hause ihre Kreuzchen machen. Der »Berchtesgadener Anzeiger« hat sich in den Rathäusern des inneren Landkreises umgehört, wie hoch der Anteil der Briefwähler derzeit ist.


Josef Resch vom Marktschellenberger Gemeindeamt bringt es auf den Punkt: »Die Briefwahlunterlagen gehen weg wie warme Semmeln.« Von 1 450 Wahlberechtigten haben inzwischen 521 Briefwahl beantragt. Tendenz steigend. Unter den Briefwählern seien alle Altersschichten vertreten. »Gerade Menschen, die auswählen möchten, also nicht einfach eine Liste ankreuzen, möchten das oft nicht in der Wahlkabine machen«, weiß Resch.

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Michael Grötzner vom Bischofswieser Meldeamt bestätigt diesen Trend. Bei 6 300 Wahlberechtigten hat er bis jetzt 1 800 Briefwahlunterlagen ausgegeben.

Immer beliebter wird die Briefwahl auch in der Marktgemeinde Berchtesgaden. »Wir haben erhebliche Steigerungen«, weiß Geschäftsleiter Anton Kurz. Und nennt auch den wesentlichen Grund dafür. Inzwischen müssen Briefwähler beim Beantragen keinen speziellen Grund, zum Beispiel eine Krankheit oder eine Urlaubsreise, mehr für ihre Entscheidung angeben. Außerdem sei bei der Kommunalwahl gerade das Panaschieren und Kumulieren ziemlich kompliziert. Aber auch bei der vergangenen Landtags- beziehungsweise Bundestagswahl habe der Anteil der Briefwähler zugenommen.

Die genauen Zahlen hat Peter Lenz vom Berchtesgadener Bürgerbüro. Waren es 2008 noch 1 585 Briefwähler, sind der diesmal schon über 2 000. Bei etwa 6 200 Wahlberechtigten. Peter Lenz ist übrigens selbst Briefwähler. Da der Schönauer am Wahltag als Wahlhelfer in Berchtesgaden im Einsatz ist, kann er in seiner Heimatgemeinde nicht ins Wahllokal gehen.

Die Gemeinde Schönau am Königssee hat bisher 1 700 Briefwahlunterlagen ausgegeben. Bei 4 400 Wahlberechtigten. Mit insgesamt 2 000 rechnet Andreas Lochner vom Einwohnermelde- und Sozialamt. Bei der letzten Kommunalwahl waren es noch 1 250. »Wer die Briefwahl einmal gemacht hat, sieht, wie schön sie ist«, sagt Lochner.

Auch die Ramsau liegt im Briefwahl-Trend. Mit 40 Prozent Briefwählern rechnet Geschäftsleiter Martin Willeitner. Wie in allen bayerischen Gemeinden können Interessierte bis Freitag, 15 Uhr, die Briefwahlunterlagen beantragen beziehungsweise gleich abholen. Bis spätestens Sonntag um 18 Uhr müssen die Unterlagen dann im Wahllokal eingetroffen sein.

Martin Willeitner weiß, dass man auch bei der Briefwahl viele Fehler machen kann. Gerade jetzt, wo innerhalb kürzester Zeit viermal gewählt wird. Bei der Landtags- und der Bundestagswahl sei es des öfteren vorgekommen, dass die Unterlagen schlichtweg verwechselt worden sind, erinnert sich der Geschäftsleiter. Jetzt bei der Kommunalwahl sollten Paare bei der Briefwahl darauf achten, dass sie nicht zwei Wahlscheine in einen Umschlag stecken. Ein ebenfalls häufiger Fehler: Der Wahlschein ist nicht unterschrieben. Christian Fischer