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Nach Ära Pertenstein zurück ins Stadtgebiet: Drei Spielstätten und ein Theatercafé in ehemaliger Disco »Airport«

Die Theaterfabrik kehrt nach Traunreut heim

»Das Schicksal mischt die Karten, und wir spielen«. Dieses Zitat von Arthur Schopenhauer mag ein wenig an die Geschichte der Theaterfabrik e. V. erinnern, die Mathias Mollner 2003 in Traunreut gegründet hat. Die Theaterfabrik e.V. ist derzeit im Begriff, ihren vierten Umzug zu stemmen.

Schöne Aussichten auf niveavollen Kunstgenuss gibt es in den neuen Räumlichkeiten der Theaterfabrik. Das Theatercafé mit seinem gemütlichen Flair ist sowohl mit, als auch ohne Veranstaltungen, einen Besuch wert. (Foto: Benekam)

Begonnen hatte alles mit der Inszenierung von Musicals – »Martha« und »Mary Ashton« – als reines Tourneetheater. Es folgten, inzwischen als Verein organisiert, Aufführungen in der ehemaligen Streicherhalle – die Sache nahm Fahrt auf, man hatte sich in der regionalen Kulturszene einen Namen gemacht. Richtig gemütlich wurde es aber erst in den umgerüsteten Geschäftsräumen der Firma Zupin, in denen die Theaterfabrik von 2004 bis 2010 als respektable Kleinkunstbühne mit angegliedertem Theatercafé sesshaft wurde.

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»Mut zur Herausforderung«, so einer der Leitgedanken des Gründers, bewies der Verein 2010 mit dem Umzug in den neu gebauten Traunreuter »Kulturtempel« k1. Leider stellte sich aber früh heraus, dass Ziele und Ausrichtung der Theaterfabrik nicht mit dem Konzept des k1 vereinbar waren, sodass erneut ein Umzug ins Haus stand. Im nahe gelegenen Schloss Pertenstein bei Traunwalchen fand man im Herbst 2011, wonach man suchte: Einen großen stilvollen Saal mit guter Akustik, kleinen gemütlichen Spielorten innerhalb des Schlosses und sogar eine schöne Fläche im Freien für Open-Air-Events. Nach sechs erfolgreichen Jahren setzte der Brandschutz der Ära Pertenstein ein trauriges Ende, sodass dem Kunst schaffenden Verein keine Wahl blieb, als nach ein paar wenigen noch ausstehenden Veranstaltungen in Schloss Pertenstein, mal wieder die Koffer oder vielmehr Vorhänge, Beleuchtungstechnik und sonstiges Equipment zu packen.

Hier schließt sich hoffentlich der Kreis, denn die Theaterfabrik kehrt an den Ort der einstigen Gründung zurück: in die Stadt Traunreut. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge blickt das längst eng zusammengeschweißte Team der Theaterfabrik wieder einmal auf den Leitsatz »Mut zur Herausforderung«. Statt zu jammern, krempelt man die Ärmel hoch – man weiß ja, wie das geht – und freut sich mit vielen guten Ideen und ungebremstem Elan auf neue aufregende Aufgaben, an neuer Spielstätte, will Kunst aus Leidenschaft präsentieren – mit Künstlern aus nah und fern. Neues Spiel, neues Glück, die Theaterfabrik mischte die Karten neu und fand in den Räumlichkeiten der einstigen Discothek »Airport« einen Ort der Superlative: Gute Lage, Parkplätze, großes Einzugsgebiet.

Mathias Mollners Augen strahlen, als er durch die 1000 Quadratmeter großen neuen Räumlichkeiten mit insgesamt drei Aufführungsorten führt. Gleich im Eingangsbereich findet man sich in einem stylischen Cafè wieder. Elegante schwarz-rote Stühle um Bistro-Tischchen gruppiert stehen auf schwarzem Teppichboden. Seitlich befindet sich eine große Theke, gegenüber steht ein Klavier auf einer kleinen, von edlem Vorhangstoff flankierten Bühne. Hier sollen kleinere Konzerte mit Bewirtung stattfinden, vielleicht auch Lesungen, vornehmlich sonntags als Matinèe oder nachmittags bei Kaffee und Kuchen.

Geht man weiter, kommt man in eine urige Kneipe mit Lederstühlen und Holztischen, die uralten Stühle der Theaterfabrik, wie Mollner verrät. Auch hier gibt es eine kleine Bühne, mit ausreichend Technik ausgestattet, optimal für Open-Stage-Produktionen mit Bewirtung, für Vorträge oder Literaturabende. Dritte und zugleich größte Spielstätte ist ein riesiger Saal, in dem bis zu 200 Zuschauer Platz finden und in dem große Konzerte, Theateraufführungen, Kabarett, Filmvorführungen und Tanzveranstaltungen geplant und durchgeführt werden können.

Beim Blick durch die »neuen Hallen« der Theaterfabrik stellt sich unweigerlich die Frage, wie man so ein Projekt als doch recht überschaubares Team stemmen kann. Auf dem Boden liegt die Bohrmaschine, in der Bar richtet noch jemand eine Kaffeemaschine ein, es riecht alles »neu«. Die Antwort ist einfach: Mit Leidenschaft.

Im neuen Jahr stehen bereits einige Veranstaltungen fest: Am 12. Januar gibt’s ein Kindertheater »Kasperl als Nachtwächter«, am 20. Januar freut sich der Veranstalter auf die Wellküren mit neuem Programm: »Abendlandler«, am 24. Januar kommt Stefan Erdmann mit dem Filmvortrag »Chiemgaufilm« – Best of, am 18. Februar steht ein »Simon & Garfunkel«-Revival-Konzert auf dem Spielplan und am 24. Februar kommt »Zweckinger«. Kirsten Benekam