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Die Stadt Traunstein wird in Klang getaucht

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Organist Manfred Müller (l.) und Komponist Patrick Pföß am neuen Stadtplatzbrunnen. (Foto: Mergenthal)

»Musik für eine Stadt« – unter diesem Motto können die Traunsteiner und alle Interessierten am Samstag, 13. Juli, von 11 bis 12 Uhr etwas ganz Besonderes erleben: die Uraufführung einer etwas anderen Komposition von Patrick Pföß für die Stadt Traunstein. 13 Musiker durchwandern die Stadt und tauchen sie in Klang. Ihre Routen verkörpern verschiedene Facetten von Traunstein und seiner Geschichte. Trotz der bereits zugesagten Zuschüsse der Stadt Traunstein und des Bezirks Oberbayern sind noch Sponsoren nötig, um das ungewöhnliche Vorhaben umzusetzen.


Diese Uraufführung am ersten Tag der »Oberbayerischen Kulturtage« eröffnet offiziell die »Traunsteiner Orgeltage«: Die Chororgel des Papst-Benedikt-Orgelwerks spielt im Stück eine zentrale Rolle. Wie entstand die Idee? Kirchenmusiker Manfred Müller hatte Pföß erklärt, dass sich die Kirche St. Oswald als »die Stadtkirche« derzeit neu profiliert, auch im Zuge der Spendensammlung für die erneuerungsbedürftige Papst-Benedikt-Hauptorgel, die seit Februar 2011 außer Funktion ist. »Da hatte ich die Idee, ein Stück zu machen, das die Stadt verbindet und auch den Zusammenhang mit der Orgel und der Kirche St. Oswald herstellt.«

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Also setzte sich der 1981 in Traunstein geborene Komponist, der in Hamburg Querflöte, Traversflöte und Komposition studierte, mit der Historie seiner Geburtsstadt auseinander. Genau 300 Jahre bevor er dort wieder seinen Wohnsitz anmeldete, hatte sich übrigens sein Vorfahr Franz Pföß aus Laufen hier angesiedelt und das Weißbierbraurecht bekommen. Eine wichtige Quelle war Anton Kasenbachers Traunstein-Chronik. »Im Laufe meiner Recherchen kristallisierten sich sechs Elemente heraus, die Traunstein für mich einzigartig machen: Salz, Wasser, Bier/Brot, Bildung, Ämter und Kirchen«, erzählt Patrick Pföß.

Das Werk beginnt in St. Oswald. An der Chororgel wird Manfred Müller ein Präludium intonieren, das das musikalische Ausgangsmaterial enthält. Nach und nach übernehmen sechs Musikerpaare, je ein Instrumentalist und ein Sänger, verschiedene Fragmente aus diesem Präludium, lösen sie vom Orgelspiel und binden sie durch ständige Wiederholung an sich. »Dabei beinhaltet jedes dieser Fragmente einen Ton der sechs Glocken von St. Oswald.«

Im zweiten Teil werden die Musiker ausgesandt. Nach und nach verlassen sie, weiterhin ihre Fragmente spielend, die Kirche durch verschiedene Ausgänge. Jedes Paar steht für eines der sechs Elemente der Stadt, beispielsweise das Paar Trompete/Sopran für den »Salzweg«. Auf genau festgelegten Routen durch die Innenstadt machen diese »Klangläufer« sowohl an historischen als auch an aktuell bedeutenden Orten halt. An diesen Stellen erweitern und transformieren sich die Motive. Ein immer komplexeres musikalisches System entsteht. »Die gesungenen Texte sind in Deutsch und den Landessprachen der Partnerstädte, also Französisch, Englisch und Italienisch«, verrät der Tonsetzer.

Nach etwa 35 Minuten beenden alle Paare ihren Klanglauf am Stadtplatzbrunnen. In einer »Conclusion« wachsen die Musik- und Text-Elemente zu einem Ganzen zusammen. Das Stück endet mit dem »einkomponierten« Angelusgeläut von St. Oswald um 12 Uhr; der Kreis zum Beginn schließt sich. Mitwirkende sind 13 Musiker, sechs Zeitgeber und ein Dirigent.

»Ich bin jeden Weg drei Mal gegangen, habe die Zeit gestoppt und einen Mittelwert genommen«, berichtet Pföß, der bereits Oberbürgermeister Manfred Kösterke für seine Idee begeistert hat. Das Thema »Musik im Raum« beschäftigt ihn schon länger, war auch Thema seiner Diplomarbeit. Bewusst wollte er das Stück an einem Samstag aufführen, wenn viel los ist. Das Reizvolle sei auch, dass es verschiedene Arten zuzuhören gibt: »Die Zuhörer können sich entscheiden, ob sie den Klangläufern folgen wollen oder nur Teilen der Komposition beiwohnen. Aufgrund der Tatsache, dass die Aktionen auf die ganze Traunsteiner Innenstadt verteilt sind, wird sicher auch der ein oder andere Wochenendeinkäufer von der Aktion überrascht werden und spontan daran teilnehmen.« Veronika Mergenthal

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