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Das Bad Reichenhaller Orchester feiert seine Umbenennung spritzig-musikalisch

Die Philharmonie sind jetzt die Philharmoniker

Zum neuen Jahr wurden aus der bisherigen Philharmonie die Bad Reichenhaller Philharmoniker. Mit »Champagner für die Ohren«, wie es Geschäftsführer Felix Breyer definierte, gaben Musiker und Solisten unter Chefdirigent Christian Simonis dem alten Jahr einen letzten kräftigen Schubs und läuteten gleichzeitig mit der pfiffigen Gala vielversprechend das Jubiläumsjahr 2018 ein.

Schlussapplaus für (von links) Wolfgang Dosch, Nataliia Ulasevych und Jantus Philaretou. (Foto: Aumiller)

Gute Laune und spritzige Melodien waren Trumpf beim Konzert. Simonis, seine Musiker und die vor Temperament sprühenden Solisten Nataliia Ulasevych, Wolfgang Dosch und Jantus Philaretou sorgten für Hochstimmung. Mit ungarischem Feuer begann die musikalische Reise, die von der Operette zum Musical einen Ohrwurm an den anderen reihte. Emmerich Kálmáns zündendes Nationalkolorit brachte das Blut in Wallung, ob mit der Ouvertüre aus »Gräfin Mariza« oder den Gesangscouplets aus »Die Csárdasfürstin« und »Die Zirkusprinzessin«.

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Der vielseitige Wiener Regisseur, Schauspieler und Sänger Wolfgang Dosch zeigte sich als Enegiebündel und Erzkomödiant. Er verstand es, für jede Situation die witzigen Pointen maßgenau zu servieren, sei es mit dem szenischen Arrangement oder mit den einleitenden Histörchen zu den Gesangsnummern, sei es als tänzerischer Wirbelwind oder wenn er den »Operettenschlager« »Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht« als prickelndes Chanson versprüht und zum Schluss noch ein flottes Rad quer über die Bühne schlägt. Die aus Kiev stammende Sopranistin Nataliia Ulasevych und der Bariton mit südafrikanischen und zypriotischen Wurzeln Jantus Philaretu haben sich das Operettentemperament in Wien erworben und als flotte Tänzer, sogar mit Stepptanzschritten sowie als witzige Singdarsteller sammelten sie ordentlich Punkte beim Publikum. Geradezu akrobatisch mutete das Tanzduett mit den beinahe sportlichen Hebefiguren an. Durch die Mikrofonverstärkung waren sie gesanglich stets präsent, auch wenn vom Text nur Teilstücke zu verstehen waren und die Sopranistin zwischendurch die Grenze zum schrillen Klang streifte. Das tat aber ihrer Motorik und den pfiffigen Showelementen keinen Abbruch.

Mit »Eljen a Magyar«, der Polka schnell von Johann Strauss gab das Orchester mit der frech pfeifenden Pikkoloflöte und dem frischen Schluss-»Eljen« noch einen forschen ungarischen Salut. Von Ungarn ging es dann zum Wiener Biedermeier. Simonis erinnerte an die Wiener Theaterpersönlichkeiten Ferdinand Raimund und Johann Nestroy, die dafür standen, dass ein Spaß immer halb lachend und halb weinend sein müsse. Diese echt wienerische Mischung aus Trauer und Vergnügen kam auch im Zaubermärchen »Der Bauer als Millionär« von Ferdinand Raimund in der Melodie von Josef Drechsler »Brüderlein fein« zum Ausdruck, reizend spaßig und anrührend zugleich dargeboten von Ulasevych und Dosch. Zwischen barocker Weltliteratur und Wiener Vorstadtkomödie siedelte es Simonis an.

Walzerfreude kam auf beim Märchen aus Alt-Wien von Michael Ziehrer und zünftigen Klangspaß zeichnete die Variationen von »Mein Hut, der hat drei Ecken« aus. Wunderbar wie die Musiker das Thema reihten und variierten, von der Oboe, über die Klarinetten zu den Streichern, zum Fagott, Kontrabass oder zur Solovioline. Witzig, lustig und fein gespielt.

Weiter ging es mit beschwingten, mitreißenden und clownesken Musical-Nummern von Paul Abraham, Charles Kálmán, der sich in den USA »happy, aber nicht glücklich« fühlte, und Frederick Loewe, der mit »My fair Lady, eine der größten Musical-Erfolge am Broadway landete. Dosch wartete mit passenden Geschichten und Reminiszenzen zu den Liedern und Couplets auf. Die Gesangsssolisten waren in ihrem Element bei den bekannten Nummern aus »Viktoria und ihr Husar«, »My fair Lady« und »Gigi«.

Simonis und die Philharmoniker wünschten allen ein gutes Jahr 2018 und nach ein paar Zugaben rauschten die Zuhörer fröhlich hinaus in der Vorfreude, dass 2018 ein ertragreiches philharmonisches Jubeljahr zu werden verspricht. Elisabeth Aumiller