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Aktuelles Foto des Weihnachtsschützenvereines Berchtesgaden-Markt im Jubiläumsjahr 2022. (Fotos: privat)

Die Moakterer Schützen feiern Jubiläum: Mit 75 Jahren noch ein jugendlicher Weihnachtsschützenverein

Berchtesgaden – Mit 75 Jahren ist der Weihnachtsschützenverein Berchtesgaden-Markt unter den 17 Weihnachtsschützenvereinen im Berchtesgadener Land noch richtig jugendlich. Jünger ist nämlich nur der 1980 gegründete Weihnachtsschützenverein Engedey, während die Struber Schützen als ältester Verein schon 1874 gegründet wurden.


Dennoch freuen sich die Moakterer Schützen auf das Jubiläum, das man gut zwei Monate vor dem eigentlichen Gründungsdatum (14. Dezember 1947) am Samstag, 8. Oktober, im relativ kleinen Rahmen nur mit den Patenvereinen (Weihnachtsschützen Stanggaß und Engedey) sowie den Ehrengästen feiert. Auf dem Programm stehen ein Festzug durch den Markt mit der Marktkapelle Berchtesgaden, ein Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Andreas und ein Festabend im »Bräustüberl«.

»Bisher klaffte in der Reihe der Weihnachtsschützen eine Lücke, es fehlte der Markt«. So steht es mit dem Datum 10. Januar 1948 im Protokollbuch des erst kurz davor gegründeten Vereins. Darin blickt Schriftführer Franz Hanser zurück in den Sommer 1947, als der Sattlermeister Georg Murf im Einvernehmen mit Gotthard Brandner, dem Vorstand der Vereinigten Weihnachtsschützen, für den zu gründenden Weihnachtsschützenverein Berchtesgaden-Markt Mitglieder warb. »Und er hatte sich in seinen Erwartungen nicht getäuscht«, heißt es im Protokollbuch. 23 Berchtesgadener erklärten »freudig« ihren Beitritt und sind folglich als Gründungsmitglieder registriert: Georg Murf, Franz Hanser, Kaspar Renoth, Ludwig Klaus, Toni Graßl, Josef Stadler, Martin Eder, Hans Kurz, Eugen Meyhöfer, Engelbert Aigner, Josef Kurz, Josef Graßl, Hans Reichartinger, Josef Brandner, Franz Moser, Sebastian Knoglinger, Karl Wohlgeschaffen, Georg Zimmermann, Josef Löffler, Josef Schmid, Josef Lochner, Tilo Baumann und Anton Aschauer.

Nachdem die Vereinigten Weihnachtsschützen die Gründung des Weihnachtsschützenvereins Berchtesgaden-Markt einstimmig gebilligt hatten, traf man sich schließlich am 14. Dezember 1947 im Hotel »Watzmann« zur ordentliche Gründungsversammlung. Hierzu waren 13 Personen erschienen. Per Stimmzettel wurden gewählt: 1. Vorstand Georg Murf, 2. Vorstand Toni Graßl, Kassier Sebastian Knoglinger, Schriftführer Franz Hanser. Damit war der Verein ordnungsgemäß gegründet. Mit Einverständnis der Vorstände sämtlicher Weihnachtsschützenvereine wurde der neu gegründete Weihnachtsschützenverein Berchtesgaden-Markt gleich dem Verband »Vereinigte Weihnachtsschützen des Berchtesgadener Landes« angegliedert.

Das erste Schießen an Weihnachten

Nun stand gleich Weihnachten, das laut Protokoll »ureigentliche Fest der Weihnachtsschützen«, vor der Tür und es gab viel zu tun, um noch zum Zuge zu kommen. Es mussten noch Böller besorgt und diese instandgesetzt werden. Im Protokollbuch heißt es: »Auf das Entgegenkommendste und mit vollstem Verständnis für Sitte und Brauch der Heimat, stellten die Geschwister Hohenadl ihren schönsten Platz am Berghofbichl als Schützenstand zur Verfügung. Es ist der geeignetste Platz für unseren Verein und vom alten Berghofbichl dröhnen nun wieder die Böller wie vor Jahrhunderten.«

Zur Freude aller erteilte die Militärregierung die Genehmigung zum Schießen. Am Heiligen Abend, 13 Uhr, ertönten »zu Gottes Lob und Preis« die ersten Salven vom Berghofbichl. Auch der Schriftführer scheint stolz gewesen zu sein, denn er hielt fest: »In der Christnacht (1947) wurde mit jugendlicher Begeisterung das Beste gegeben. Punkt ½ 12 Uhr wurden die ersten drei Salven gegeben, dazu Reihenfeuer und zum Schluß um 12 Uhr wieder drei Salven. Damit war unser Verein erfreulich aus der Taufe gehoben. Die sich daran Beteiligten verdienen namentlich in der Chronik festgehalten zu werden: Georg Murf, Toni Graßl, Kaspar Renoth, Brandner Sepp, Reichartinger Hans, Kurz Josef, Löffler Josef, Maltan Hans, Schmid Max, Fegg Hans, Wechslinger Christei.«

Auch das neue Jahr 1948 begrüßten die Moakterer Schützen bereits kurz nach ihrer Gründung. Man hielt fest: »In gemütlichem familiären Beisammensein mit den Gliedern des Bauerntheaters wurde bei Musik, Gesang und Tanz und nicht zuletzt bei gutem markenfreiem Essen das alte unheilschwangere Jahr 1947 hinausbugsiert. Feierlich ernst ertönten, vielmehr erdröhnten Schlag 12 Uhr die donnernden Grüße an das Jahr 1948. Gebe Gott, dass es endlich den heiß ersehnten Frieden bringt und die Weihnachtsschützen in ihren Eifer erneut bestärkt.«

Der neue Stern leuchtetin der Christnacht

Am 4. Dezember 1948 war Vorstandschaftsberufung in der Werkstätte des Vorstandes Georg Murf. Der regte an, einen Stern zu beschaffen, was allerdings fast unmöglich erschien. Toni Graßl erklärte sich sofort bereit, den Rahmen dazu zu machen und Franz Kurz versprach, sein Möglichstes zu tun, um die dazu notwendigen Glühbirnen aufzutreiben. Bereits zwei Wochen später, am 18. Dezember 1948, konnte Vorstand Murf auf einer Versammlung im Hotel »Watzmann« mitteilen, dass der Stern schon fertig sei. Toni Graßl und insbesondere Karl Wohlgeschaffen hätten sich »ganz hervorragend der Sache angenommen«. Vorstand Murf appellierte an die Schützen, sich möglichst am Schießen zu beteiligen und dabei »strenge Disziplin zu wahren, um Unannehmlichkeiten zu verhindern«. Außerdem regte er an, die Weihnachtsschützen sollten sich in Zukunft auch des Nikolausgehens annehmen, das auch zum Brauchtum gehöre. Am nächsten Tag gingen Vorstand Murf, Toni Graßl und Karl Wohlgeschaffen zur Familie Hohenadl, die sich hocherfreut bereit erklärte, den Stern an ihrem Haus anbringen zu lassen.

Um 3 Uhr beim Christkindlläuten schickten am Heiligen Abend 1948 zwölf Schützen den ersten Weihnachtsgruß ins Land. »Sie taten damit jedermann kund, dass der junge Weihnachtsschützenverein Berchtesgaden-Markt immer kräftigeres Leben annimmt«, heißt es im Protokollbuch. Und weiter: »Prachtvoll leuchtete der neue Stern in der Christnacht. Er ist der schönste öffentliche Weihnachtsschmuck Berchtesgadens.«

Um die Vereinsfinanzen zu stärken, hielt am 29. Dezember Professor Dr. Rudolf Kriß im »Watzmann«-Saal einen gut besuchten Vortrag über das Brauchtum in Berchtesgaden, wobei Josef Schmid prächtige Farbaufnahmen präsentierte.

Das alte Jahr 1948 verabschiedete man zu Silvester »mit Herzenslust«. Der Schriftführer hielt fest: »In fröhlicher Stimmung und mit Eifer gaben 13 Schützen auf Berchtesgadens ältestem Schützenstand ihr Bestes. Der lichtvolle Stern, farbiges Leuchtfeuer, das Aufblitzen und Krachen der Böller und das mächtige Echo von einzigartiger Wirkung haben bewiesen, dass die Weihnachtsschützen Berchtesgaden Markt auf ihren Posten sind. Mit dem 12-Uhr-Glockenschlag begrüßte eine Salve das Jahr 1949.«

Franz Moser kommtfür Georg Murf

Nachdem die Gründungsphase des neuen Vereins erfolgreich bewältigt werden konnte, entwickelte man sich in den Jahren und Jahrzehnten darauf ebenfalls prächtig weiter. 1958 gab es mit Franz Moser einen neuen 1. Vorstand, nachdem Georg Murf nicht mehr kandidiert hatte. Unter Mosers Federführung trieb man schließlich die Anschaffung einer Vereinsfahne voran. Die Fahne konnte im Rahmen des Trachten- und Schützenjahrtags am 21. Juli 1963 geweiht werden.

1966 wurde Sebastian Knoglinger zum ersten Ehrenmitglied des Vereins ernannt, nachdem er 19 Jahre als Kassier für den Verein tätig war. Durch den Abzug der Untersalzberger Weihnachtsschützen vom Lockstein im Jahr 1967 bekamen die Markterer Schützen die Gelegenheit, den Platz zu übernehmen. Die nahmen sie gerne wahr, denn der Lockstein – hoch über dem Markt – ist wohl einer der schönsten Standplätze überhaupt.

Nachdem Franz Moser 18 Jahre lang 1. Vorstand war, wollte er 1976 aus Altersgründen nicht mehr kandidieren. Zum 1. Vorstand wählte man deshalb den langjährigen 2. Vorstand Felix Möschl, der drei Jahre später sogar Vereinigungsvorsitzender werden sollte. Franz Moser erhielt als erster Moakterer Schütze den Titel des Ehrenvorstands.

Als 1981 als bislang letzter der 17 Weihnachtsschützenvereine der Weihnachtsschützenverein Engedey gegründet wurde, übernahmen die Moakterer die Patenschaft. Im Jahr 1985 bekam der Verein mit Felix Möschl einen neuen Ehrenvorstand für den 1981 verstorbenen Franz Moser. Zuvor hatte Möschl sein Vorstandsamt im Verein an Helmut Köppl abgegeben. Ein Jahr später übernahm Albrecht Bösl, der das Amt bis 2012 behielt. Seitdem ist Stefan Lang 1. Vorstand. Heute hat der Weihnachtsschützenverein Berchtesgaden-Markt genau 192 Mitglieder.

Ulli Kastner