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Die mit der Stimme tanzt

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Marie-Sophie Pollak, begleitet von »Concerto München«, entzückte die Zuhörer in der Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt in Ising mit ihrem glockenreinen Sopran. (Foto: Janka)

Dieses Konzert des »Musiksommers zwischen Inn und Salzach« war der Idealfall eines gelungenen Konzerts: Der Ort stimmte – die kleine, aber ungemein stimmige barocke Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt in Ising bot den historisch passenden, intimen Rahmen. Das Programm stimmte – es gab Barockmusik vom Feinsten in verschiedenen Solokonzert-Formationen. Vor allem stimmte aber die Besetzung – die fünfköpfige Kleinstform des »Concerto München« unter der Leitung von Johannes Berger spielte mit sichtbarer Begeisterung und mit hörbarer Beherrschung des »historisch informierten« Spiels. Der intime Rahmen ermöglichte Nähe zu den Musikern und verstärkte das Hörerlebnis.


Anderson Fiorelli war der Solist im Cellokonzert c-Moll von Antonio Vivaldi (1678 bis 1741). Feinsinnig phrasierend und rhetorisch ausgefeilt spielte er mit leichter Hand ohne viel Bogendruck, fröhlich-virtuos trotz der Moll-Tonart im Schluss-Allegro, während er den Adagio-Mittelteil wie einen leisen Seufzer klingen ließ, darin bestärkt vom ungemein duftig auftupfenden Ensemble.

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Festlicher und prunkvoller war das Orgelkonzert in B-Dur von Pietro Domenico Paradies (1707 bis 1791). Dieses Orgelkonzert war in den Solo-Stellen heiterste Engelsmusik, bestens passend für die Gottesmutter Maria mit ihrem sie umgebenden Engelschor, die hoheitsvoll vom Hochaltar herunterblickte. Die lustig dahinsprudelnde Musik bot Johannes Berger an der Truhenorgel leichthändig und fingerfertig und mit sichtbarem Genuss an dieser wahrlich paradiesischen Musik.

Zwei Stücke waren für die Sängerin Marie-Sophie Pollak reserviert. Deren Gesang war nun noch paradiesischer: Mit ihrem natürlich timbrierten und bergbachklaren Sopran, der ungetrübt war von Schluchzern, von Nachdrückern oder sentimental schleifenden Portati und der auf einem gut gefüllten Atempolster saß, entzückte sie die Zuhörer ebenso wie mit ihrer anmutigen Erscheinung. Im »Salve Regina« von Leonardo Leo (1694 bis 1744) führte sie ihre Stimme gradlinig-instrumental, produzierte mühelos Koloraturen und zartleichte Triller, flehte klagend und betete innig: Perfektion mit Seele.

Im »Gloria« von Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759) brillierte Marie-Sophie Pollak mit mühelos angesetzten Spitzentönen, fe-derleichten Melodiebögen, klar gestanzten Koloraturen samt zauberhaftem Echo, wetteiferte mit der Violine um Glockenreinheit der Töne und kräftigem Jubel. Wenn irgendjemand mit der Stimme tanzen könnte – sie könnte es.

Für den Applausjubel bedankten sich Sängerin und Ensemble mit einem ebenfalls dauerjubelnden »Alleluja« von Antonio Vivaldi. Rainer W. Janka