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»Die lustigen Weiber aus Windsor«

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Für Opernjuwelen steht in der Region der Name von Georg Hermannsdorfer aus Halfing. Der 55-Jährige rekonstruiert zerstörte Musikwerke, holt vergessene Werke aus der Versenkung, bereitet unbekannte Werke flott wieder auf, stets in deutscher Sprache - auch, um Familien und insbesondere junge Leute für das Genre Oper zu gewinnen. Mit Interpreten vorwiegend aus Südostbayern bringt er die Musik auf die Bühne. Zweimal bereits konnten Besucher in Schloss Pertenstein Hermansdorfer-Inszenierungen genießen. Heuer zeichnet der Halfinger für eine Oper, die lange Zeit als zerstört galt: »Die lustigen Weiber aus Windsor« von Carl Ditters von Dittersdorf. Die Aufführungstermine im Ballhaus Rosenheim sind am 22., 28. und 29. September, jeweils um 19.30 Uhr, sowie am 30. September um 16 Uhr. Das Besondere daran: Regisseur und musikalischer Leiter Hermansdorfer hat das Musikwerk von 1796 in rund 2500 Stunden ehrenamtlicher Arbeit persönlich rekonstruiert.


Viele Jahre bis 2007 engagierte sich Hermannsdorfer als künstlerischer Leiter der Opernbühne Bad Aibling. 2008 gastierte er mit großem Erfolg in Schloss Pertenstein mit der Oper »Die Mitternachtsstunde« von Franz Danzi, im Folgejahr mit der komischen Oper »Die Welt auf dem Monde« von Joseph Haydn nach Carlo Goldoni. Die große Leidenschaft des 55-Jährigen ist seit Jahrzehnten, unbekannte Opern aufzustöbern. So ist er regelmäßiger Besucher der Bayerischen Staatsbibliothek in München. Dort sucht er nach alten Noten- und Texthandschriften, die er dann als Orchestermaterial aufbereitet. Fremdsprachige Texte übersetzt er in die deutsche Sprache. Dem Opernliebhaber – im Hauptberuf Realschullehrer für Musik, Deutsch und Erste Hilfe an der Städtischen Mädchenrealschule in Rosenheim – gelangen Entdeckungen, die deutschlandweit Aufsehen erregten. Darunter war »Der Vampyr« von Joseph Lindpaintner.

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Im Vorfeld der »neuen« Oper wurde Hermansdorfer in der Sächsischen Landesbibliothek Dresden fündig. Die einzig erhaltene, fast zerstörte Handschrift war während des Zweiten Weltkrieges zwar ausgelagert, erlitt jedoch massivste Wasserschäden und galt als unrettbar verloren. Über zweieinhalb Jahre tüftelte Georg Hermansdorfer, um das Notenmaterial für die Nachwelt zu sichern. Zusammen mit dem Verein »erlesene oper e.v. halfing« findet nach vermutlich über 200 Jahren die erste szenische Aufführung statt.

Der Komponist Carl Ditters von Dittersdorf war zur Zeit Mozarts und Haydns gefragter als diese beiden heutigen Stars der Klassik. So wurde Mozarts »Zauberflöte« in Wien abgesetzt, als eine neue Dittersdorf-Oper herauskam. Da in deutscher Sprache gesungen wird, ist diese Produktion auch für Operneinsteiger bestens geeignet. Aber auch Opernliebhaber werden ein bezauberndes Werk entdecken.

Der Inhalt: Der verschuldete Ritter Hanns Falstaff glaubt, durch seine Ausstrahlung die beiden verheirateten Frauen Wallauf und Ruthal für ein Stelldichein gewinnen zu können – um so neben zu Zärtlichkeiten auch an Geld zu kommen. Gläubiger wollen ihm keinen Aufschub mehr gewähren. Die empörten Ehefrauen rächen sich. Der eitle Dickwanst kann, in einen Korb verpackt, mit Mühe fliehen. Luise, Wallaufs Tochter aus erster Ehe, liebt einen Mann namens Warnek, soll jedoch eine »bessere« Partie machen. Luise und Falstaff lernen sich kennen, weil sie beide in die Waschküche eingesperrt wurden. Der Ritter zeigt seine edle Seite und bringt die Liebenden zusammen. Er wird jedoch im zweiten Finale, als Hirsch verkleidet, bloßgestellt und dem Gelächter der Öffentlichkeit preisgegeben. Ob er sich danach bessert? Die Antwort erfahren Musikfreunde bei dem heiteren Opernabend im Ballhaus.

Solisten sind Werner Perret, Andreas Fimm, Doris S. Langara, Tobias Gründl, Sonja Bühling, Yvonne Steiner, Thomas Huber, Elisabeth Gellner, Helmut Wiesböck, Gerhard Meisinger und Martin Zimmerer. Die Interpreten stammen zumeist aus der Region – etwa aus den Landkreisen Rosenheim, Altötting und Traunstein. Einige wirkten bereits in früheren Hermansdorfer-Projekten mit und haben ganz normale Brotberufe. Sie teilen Hermansdorfers Leidenschaft zur Musik. Das gilt auch für die übrigen Mitwirkenden und das Orchester des Vereins »erlesene oper e.v. halfing«. Otto von Kotzbue schuf die Bühnenmalerei. Karten gibt es im Vorverkauf über info@erlesene-oper.de, Telefon 0151/242 90 287. kd