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»Die Liebe zu Berchtesgaden und dem Königssee ist geblieben«

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Staatsminister Martin Zeil fühlt sich in Berchtesgaden sichtlich wohl. Am Sonntag stattete der stellvertretende Bayerische Ministerpräsident dem Talkessel einen Besuch ab. Foto: Anzeiger/Wechslinger
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Der wohl höchstgelegene Wahlkampfstand Deutschlands: Wirtschaftsminister Martin Zeil und Parteikollegen aus der Region präsentierten ihre Wahlprogramme auf dem Jenner. Foto: privat

Berchtesgaden – Der stellvertretende Bayerische Ministerpräsident und Bayerische Wirtschaftsminister, Martin Zeil, besuchte am Sonntag Berchtesgaden (wir berichteten). Zunächst machte er Wahlkampf auf dem Jenner. Danach stand eine Diskussion mit Unternehmer aus der Region im Hotel »Edelweiß« auf dem Programm. Der »Berchtesgadener Anzeiger« sprach mit dem Minister davor über seine Hochzeitsreise auf die Gotzenalm, den höchstgelegenen Wahlkampfstand Deutschlands und die Öffnungszeiten der Königssee-Geschäfte.


Herr Zeil, Sie kommen gerade vom höchstgelegenen Wahlkampfstand der FDP auf dem Jenner.

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Martin Zeil: Wir haben wie schon vor fünf Jahren ein liberales Gipfeltreffen auf dem Jenner veranstaltet. Das Wetter war besser als damals und ich denke, das ist ein gutes Omen. Auch das Wahlergebnis wird noch besser als 2008. Wir haben diese Aktion wiederholt, weil sie uns auch beim letzten Mal so viel Spaß bereitet hat. Es waren unsere Kandidaten und auch die Jungen Liberalen mit von der Partie. Für mich sind Besuche in Berchtesgaden immer wie ein Ausflug in meine Jugend, nachdem ich fast jeden Sommer bei meiner Tante am Königssee verbracht habe. Es ist immer wieder schön, nach Berchtesgaden und an den Königssee zu kommen.

Vor Kurzem stattete auch Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz Berchtesgaden und dem Jenner einen Besuch ab.

Zeil: Man hat dort oben ja einen wirklich tollen Ausblick über die Alpen. Auch Sozialdemokraten schadet es nicht, wenn sich der Blick weitet.

Man nennt die FDP Bayerns treibende Kraft, auch was den Mittelstand betrifft. Das Berchtesgadener Land lebt weitgehend vom Tourismus, sollte man versuchen, mehr Gewerbebetriebe zu bekommen?

Zeil: Man muss Mehrfachstrategien fahren. Natürlich sind gerade Berchtesgaden und der Königssee vom Tourismus geprägt und die meisten Menschen leben davon. Schon deswegen habe ich als Tourismusminister dafür gesorgt, dass wir hier bei den Themen Marketing, Infrastruktur oder beim Thema Breitband-Infrastruktur entscheidende Schritte weiter gekommen sind.

Haben Sie auch die Seestraße besucht und das Thema Ladenöffnungszeiten nachgeprüft?

Zeil: Natürlich haben wir auch der Seestraße einen Besuch abgestattet. Ich kämpfe ja an der Seite der Geschäftsleute der Seestraße für ein modernes Ladenöffnungsrecht, weil die CSU hier an Regeln aus dem vorigen Jahrhundert festhält. Da machen wir uns regelrecht lächerlich, wir fallen zurück. Der Königssee ist ein weltberühmtes Fremdenverkehrsgebiet, in dem man auch auf das internationale Publikum reagieren muss. In Hessen zum Beispiel hat die Regierung von Union und FDP eine flexible Regelung für Fremdenverkehrsorte geschaffen, um den von den Touristen üblicherweise nachgefragten Bedarf zu decken. Ich denke da am Königssee nur an die Trachtenmoden, die Touristen hier erwerben möchten. Und zwar auch an Wochenenden und an Feiertagen.

Dann werden Sie sich auch mit dem heißen Thema neue Hotelbauten am Königssee befasst haben.

Zeil: Natürlich wollen wir, dass dort, wo es passt und im Einklang mit der Natur steht, die Gemeinden neue Tourismusbetriebe zum Zug kommen lassen. Man erinnere sich nur, wie um das »Hotel Edelweiß« im Vorfeld diskutiert worden ist. Ich freue mich sehr, bei der Grundsteinlegung des »Hotels Edelweiß« und auch bei der Fertigstellung dabei gewesen zu sein. Man muss sich auch im Tourismus weiterentwickeln, damit wir im Wettbewerb bestehen können. Ich habe ja das in die Jahre gekommene tourismuspolitische Konzept in Angriff genommen und in die Neuzeit geführt. Dabei haben wir Trends wie Gesundheitstourismus, sanfter Tourismus und Familientourismus berücksichtigt, um nur drei Themen zu nennen. Die Touristen achten immer mehr auf Qualität und so muss sich der Tourismus dorthin entwickeln.

Was sagen Sie zu den Bestrebungen, die in die Jahre gekommene Jenner-Seilbahn zu erneuern?

Zeil: Man darf Bewährtes nicht aufgeben und so stehe ich zur geplanten Seilbahnmodernisierung einschließlich der Beschneiungsanlagen. Es war ein kluger Schachzug, im Berchtesgadener Land nicht überall Lifte zu bauen. Aber die wenigen, die wir haben, müssen im Hinblick auf technischen Zustand und Schneesicherheit erhalten bleiben. Auch in den Sportgroßveranstaltungen sehe ich für die Region eine Riesenchance. Denken wir da nur an die Bewerbe auf der Kunsteisbahn am Königssee oder die Wettkämpfe im Biathlon-Leistungszentrum Ruhpolding.

Dann denken Sie sicher auch an Olympia 2022 in München und dem Chiemgau?

Zeil: Natürlich befassen wir uns mit einer weiteren Bewerbung für Olympische Winterspiele, weil das ganz große Impulse gibt. Denken wir nur an infrastrukturelle Verbesserungen für den Schienen- und Straßenverkehr. Auch hierbei sehe ich für den Tourismus ein enormes Entwicklungspotenzial.

Viele Gebiete in Berchtesgaden sind von einem schnellen Internet noch weit entfernt.

Zeil: Als ich mein Amt vor fünf Jahren übernommen habe, war Bayern im Hinblick auf die Breitbandinfrastruktur ein Entwicklungsland, da war gar nichts. Meine Vorgänger hatten die Entwicklung schlicht und einfach verschlafen. Dann haben wir uns auf den Weg gemacht und die Grundversorgung unter Einsatz aller Technologien vorangebracht. Inzwischen sind wir bei der Grundversorgung im Landkreis bei fast 100 Prozent. Wir sind aber schon einen Schritt weiter, denn jetzt geht es um die Internet-Höchstgeschwindigkeiten mit 50 Megabit und mehr pro Sekunde. Ich denke, wir sind auf diesem für viele sehr wichtigen Gebiet inzwischen sehr weit gekommen. Christian Wechslinger