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»Die Kultur dorthin bringen, wo die Leute sind«

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In ihren Liedern und Geschichten erzählt Martina Schwarzmann aus ihrem Leben als Bäuerin mit Ackerbau zweifache Mutter und Ehefrau. (Foto: Fürmann)

Martina Schwarzmann »will die Kultur dorthin bringen, wo die Leute sind«, ob Bierzelt oder Saal, ob Wirtshausstube oder Fernsehen. Das gelang ihr beim Pfingstfest in Holzhausen in der Gemeinde Teisendorf mit absoluter Treffsicherheit in ihren Aussagen und Pointen, in ihrer Kunst des Erzählens und besonders in ihren Liedern – Martina Schwarzmann erreicht das einzig durch ihre genauen und hinterfragenden Beobachtungen über Land und Leute.


Martina Schwarzmann kann mit ihrem Leben als Mutter von zwei (bald drei) Kindern, Ehefrau, Bäuerin mit Ackerbau und Waldwirtschaft in einem kleinen Ort Altomünster (Lkr. Dachau) aus dem Vollen schöpfen: Die Geschichten purzeln nur so daher und sie erzählt locker und ohne Pathos in ihrem Programm »Gscheid Gfreid« von unscheinbaren Ereignissen, von großartigen Begebenheiten und schaut dabei Land und Leuten derart intensiv auf den Mund, dass sich jeder in ihren Geschichten wiederfindet. Die Gabe, dazu mit ihrer Gitarre diese Eindrücke in perfekt vorgebrachten Liedern mit einzigartig-treffenden Texten noch zu unterstreichen, macht das Programm so abwechslungsreich und kurzweilig, dass die Zuschauer im Bierzelt bis zum Schluss einen Hörgenuss ganz besonderer Art erleben.

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»Des is a Glückstag heit« – mit diesem Lied bringt Martina Schwarzmann ihre lockere und intensive Lebenseinstellung zum Ausdruck, in dem sie den wahrlich nicht gerade leicht zu ertragenden Begebenheiten – wie unter anderem »ein Stück vom Zeh abgetrennt beim Garteln, es hätte ja auch der ganze Zeh sein können« – immer wieder absolut Positives abgewinnt.

Zum 60. Geburtstag von Tante Helga hatte sie bereits ein Lied geschrieben – und sich dann nicht getraut, es vorzutragen. Beim 70. ließ sie die gesamte Verwandtschaft an ihren Gedanken teilhaben: »Die Verwandten sind schon da, wenn man auf die Welt kommt. Man kann sie sich nicht aussuchen.«

Die Beobachtungen von Martina Schwarzmann steigen tiefgründig in ihr eigenes Leben ein. Sie lässt teilhaben an den Sorgen und Nöten eines Lebens als Bäuerin, als Hausfrau und Mutter und dazu als Künstlerin. Sie beschreibt das Multi-Tasking-Talent der Hausfrau, die die Milch zum Kochen aufsetzt, dann aber noch Wäsche aufhängt, weil es so lange dauert – und erst wieder an die Milch denkt, als der Geruch der verbrannten Milch durch das ganze Haus zieht. Wem ist das noch nie passiert?

»Jetzt bin i schon miad, jetzt mag i mein Ruah, jetzt leg i mi hin, der Tag war lang gnua…«, mit diesem Gute-Nacht-Lied verabschiedete Martina Schwarzmann die eine Zugabe fordernden Zuschauer. »Wenn i dann ganz spät heimkomm, sagt mein Mann immer: Hast as wieda net hoamgeh lassn de Leit?« Rosi Fürmann