weather-image

Die »kleinste« Snowboard-Familie

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Amalie Jansing mit ihrem Bruder Stani, DSV-Snowboard-Trainer des deutschen Europacup-Junioren-Teams, sowie ihren Töchtern Salome (2.v.l.), Fenja (3.v.r.), die sich noch ein wenig gegen das Skifahren sträubt, und Zoe (2.v.r.) sowie, ganz links, Ciera Bartels aus der Ramsau, die gerne mit ihren Freundinnen trainiert. Fotos: Anzeiger/Bittner
Bildtext einblenden
Macht bereits eine gute Figur auf dem Brett: Salome Jansing, sieben Jahre jung.

Marktschellenberg – Man trifft sie am Götschen und noch viel öfter in der »Ski Fun Arena« am Obersalzberg: Fenja, zweieinhalb Jahre alt, Zoe, fünf, Salome, sieben, und die Mutter des fröhlichen Trios, Amalie, 45. Familie Jansing trainiert, sie lieben es, im Winter zu boarden und im Sommer zu klettern. Wobei: Papa Andreas schwimmt und radelt lieber. »Als Bremer Fischkopf konnte ich mich nie so recht mit dem Wintersport hierzulande anfreunden«, schmunzelt er im Gespräch mit der Heimatzeitung.


Amalie selbst war eine fantastische Snowboarderin, und die Begeisterung ist heute, mit den eigenen Kindern, präsenter denn je. Früher teilte sie sich die Pisten mit den Weltbesten des beliebten Brettsports. Damals noch unter ihrem Mädchennamen Kulawik unterwegs, erlebte die gebürtige Slowakin 1995 ihr erfolgreichstes Jahr: Deutsche Meisterin und Weltcup-Gesamtzweite im Parallel-Riesenslalom.

Anzeige

Doch es war eine Karriere mit feinen Höhen, aber viel mehr Tiefen: Oft führte sie und stürzte kurz vor dem Ziel oder beging einen fatalen Torfehler. Viele Verletzungen und Operationen warfen sie immer wieder weit zurück. Auch als ihre Sportart endlich olympisch wurde: 1998, Nagano, die ersten Spiele mit dem Snowboard unter den fünf Ringen. Aber Amalie Jansing war nicht dabei: »Im Herbst 1997, wenige Monate vor Olympia, verletzte ich mich wieder schwer. Ich ließ mich rasch operieren, wollte den Traum der Spiele unbedingt miterleben. Aber es reichte nicht, die Pause war zu lang«. Ihr eiserner Wille sorgte dafür, dass sie noch einmal Deutsche Meisterin wurde – im Parallel-Slalom.

2001 folgte dann, mit 32 Jahren, das plötzliche und überraschende Karriereende. Als eine der ersten deutschen Snowboarderinnen hatte Amalie Jansing viel Pionierarbeit geleistet, am Ende war sie für die Verantwortlichen zu alt. Nach acht Jahren Weltcupzirkus. Beruflich stand sie vor dem Aus, wirtschaftlich vor dem Nichts, denn viel Geld war damals nicht zu verdienen, mit dem Snowboarden – selbst auf diesem Niveau nicht. Zudem musste sie ihren Platz in der Sportfördergruppe räumen. »Die Bundeswehr hat mich aber immer top unterstützt«, ist sie noch heute dankbar.

Vom Snowboarden hatte sie vorläufig die Nase voll: Amalie Jansing begann eine Ausbildung zur Krankenschwester und hielt sich mit Fahrradfahren fit. Heute arbeitet sie im Nachtdienst. Die Liebe zum Snowboarden kehrte bald zurück. Mittlerweile ist fast die ganze Familie auf den heimischen Pisten unterwegs, nur Papa Andreas, den Amalie im August 2002 kennen und lieben lernte und Ende September 2005 heiratete, kann sich mit Brettern auf Schnee – egal ob eines oder zwei – nicht so recht anfreunden. Sie bekamen ihre drei Töchter und teilen heute die Leidenschaft für Sport im Allgemeinen. Andi ist kein Wintersportler, aber er ist topfit und spult dreimal pro Woche 1 500 Meter im Schwimmbecken ab, im Kraulstil.

Jansing finishte 1994 in 12:08 Stunden beim Ironman in Neusiedl am See und bewältigte sechs Marathons. In dieser Zeit war auch der Extrem-Berglauf etwas, das den heute selbstständigen Physiotherapeuten begeisterte. Andreas Jansing unternimmt hin und wieder auch längere Radtouren, dabei sammelt er Geld für Tröster-Teddybären, die verunfallte Kinder von den Sanitätern bekommen.

Wer weiß, vielleicht tritt eine der blonden Mädels irgendwann in die Fußstapfen ihrer erfolgreichen Mutter, die vor allem bei Salome schon ein »erstaunliches Talent« entdeckt haben will. Der wohlwollenden Unterstützung ihrer Eltern wäre sie sich sicher, auch »wenn die Kinder das nicht machen müssen. Sie sollen in erster Linie Spaß haben und Freude an der Bewegung. Aber wenn sie es machen wollen, stehen wir natürlich voll hinter ihnen«, so Amalie Jansing. Fenja, die Jüngste, sträubt sich noch ein wenig, aber »das wird schon«, ist sich die Weltcup-Erfahrene sicher. Sie soll auch erst einmal mit dem »ganz normalen« Skifahren anfangen, um ein Gefühl für den alpinen Stil zu bekommen. So handhabten sie es auch bei den beiden anderen Mädels. Derweil hat Amalie ihre Kleinste auf der Piste stets auf dem Arm dabei.

Amalie Jansing bietet jeden Dienstag von 14.00 bis 15.30 Uhr ein Snowboard-Training für Unter-Zehnjährige aus dem gesamten Berchtesgadener Land an. »Das gibt es hier sonst nicht, nicht für diese Altersklasse«. Dabei wird sie – wenn er Zeit hat – immer tatkräftig von ihrem Bruder Stani Kulawik unterstützt, Snowboard-Trainer des Deutschen Skiverbandes und in dieser Funktion für das schwarz-rot-goldene Europacup-Junioren-Team zuständig. Weitere Informationen unter Telefon 0171/3524820.

Hans-Joachim Bittner

- Anzeige -