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»Die Kinder haben die höchste Freude«

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Berchtesgaden: Bäuerin Katharina Walch nutzt Corona-Krisenzeit zum gemeinsamen Backen und Kochen mit Familie
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Thomas Walch, vier Jahre, hilft beim Umrühren.

Berchtesgaden – »Mama, was machen wir heute?« Diese Frage bekommen Eltern derzeit öfter als sonst zu hören. Eine Antwort hat die Berchtesgadenerin Katharina Walch parat: Gemeinsames Backen mit allem drum und dran. Die 33-jährige Erlebnisbäuerin hat einige Ideen, wie sie ihre Kleinen in der momentanen Zeit beschäftigen kann.


Was Eltern beachten sollten, wie man die Kinder miteinbeziehen kann und wie die Familie Walch Ostern feiert, erzählte die Bäuerin dem »Berchtesgadener Anzeiger«.

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Bei dem Telefongespräch am Dienstag steckt Katharina Walch schon mitten in den österlichen Vorbereitungen. Gemeinsam mit Anna, fünfeinhalb Jahre, und Thomas, vier Jahre, werden Eier gefärbt. Jetzt ist bei der Mama Multitasking gefragt. Aber das meistert die 33-Jährige, die mit ihrer Familie und den Schwiegereltern im Bernegglehen lebt.

Mit ihren beiden kleinen Helfern Anna und Thomas arbeitet sie in letzter Zeit oft zusammen, dann gibt es zum Beispiel einen Hefezopf, einen Apfelstrudel oder auch die begehrten Bernegger Müslikugerl. »Die sind einfach gemacht und gehen weg wie nichts«, erzählt die 33-Jährige.

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Die Haferflocken werden genau abgewogen.

»Ich frage sie, welche Zutaten sie haben wollen«

Das Rezept (siehe unten) lässt sich außerdem beliebig abwandeln, so könne man zum Beispiel statt Nüssen Mandelkerne verwenden, oder beim Trockenobst variieren. Auch, was die Gewürze angeht, kann man seiner Fantasie freien Lauf lassen. Die Kinder helfen vor der Zubereitung schon beim Wiegen. »Anna interessiert sich schon sehr für Zahlen und wiegt gerne die Zutaten ab«, so Walch. Der kleine Thomas rührt meist den Teig um. »Ich frage sie auch, welche Zutaten sie haben wollen. Man kann zum Beispiel auch Schokostückchen in den Teig für die Kugerl mischen« – das dürfen dann die Kinder entscheiden. Auch Kugeln formen geht mit Kinderhänden hervorragend. »Das macht ihnen voll Spaß«, lacht Walch.

Die Bäuerin sammelt ihre Rezeptideen auf verschiedenen Wegen. »Ich suche meistens im Internet, oder in den Büchern, die man so im Laufe der Jahre ansammelt. Dann schau ich, was uns schmecken könnte, und wandle es ab.« Aber sie sei »gschlampert« beim Lesen, fügt sie mit einem Grinsen hinzu. »Meistens wird das Endergebnis anders, als es im Rezept drinsteht.« Man nehme eben her, was man schon daheim hat.

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Das Portionieren macht dem Nachwuchs Spaß. (Fotos: Katharina Walch)

Milch, Butter, Joghurt und Brot vom eigenen Hof

Der Bauernhof, auf dem sie mit ihrer sechsköpfigen Familie lebt, gibt fast alles her, was man so braucht. Noch sind die Walchs keine Selbstversorger, Obst wird zum Beispiel regional zugekauft. Gibt es ein Gemüsebeet? »Noch nicht, aber wir arbeiten dran«, antwortet die 33-Jährige entschlossen. Da die Familie Kühe hat, besteht schon einmal kein Mangel an Milch. »Mit den Bauernhofkindern, mit denen ich Führungen auf unserem Hof mache, stelle ich auch selbst Butter her.« Außerdem kann Katharina Walch Joghurt machen.

Das Fleisch kommt regelmäßig von einem Bauernhof in der Oberau, Brot backt ihre Schwiegermutter Maria Walch im hofeigenen Steinbackofen. Die Kinder Anna und Thomas essen meist, was auf den Tisch kommt, erzählt Mama Katharina Walch. »Natürlich gibt es Phasen, in denen sie am liebsten Nudeln mögen.« Aber auch dann gibt es das Gericht nicht jeden Tag. Besonders gern gesehen ist übrigens ein Apfelstrudel.

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Anna Walch nimmt drei Esslöffel vom braunen Zucker.

Was nun in der jeweils kommenden Woche gekocht wird, darüber spricht die Familie – auch die Kinder – jeden Sonntag. »Wir versuchen, das zu planen. Aber es klappt nicht immer, den Plan auch umzusetzen«, so Walch. Wenn es dann ans Kochen geht, so schnipseln Anna und Thomas mit Vorliebe Gemüse klein. Jetzt zu Ostern gibt es natürlich Osterfladen, einen mit mehr Zucker und Rosinen und einen »neutraleren«, der mit Schinken gegessen werden kann. »Am Ostersonntag machen wir einen gemütlichen Brunch mit der ganzen Familie und halten an unserer kleinen Hauskapelle beim Backofen eine Andacht mit Speisenweihe ab«, sagt die Bäuerin. Auch dafür wird mit Anna und Thomas gemeinsam etwas vorbereitet. Sie dürfen beim Butterlamm helfen.

Eine Sache hat Katharina Walch beim Kochen mit Kindern gelernt: »Es dauert alles länger, als man es gewohnt ist. Da hab ich mir am Anfang auch schwergetan«, gibt sie zu. Und es laufe etwas »chaotisch« ab. »Man muss akzeptieren, dass die Küche danach ganz schön ausschaut«, fügt sie lachend hinzu. Aber auch, wenn es ans Abwaschen geht, sind ihre Kinder zur Stelle: »Das mögen sie natürlich auch, weil man dabei pritscheln kann.« Sie rät allen Eltern, mit ihren Kleinen zu kochen und zu backen, denn: »Die Kinder haben dabei die höchste Freude.« Annabelle Voss

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Goldbraun und duftend: Die fertigen Müslikugerl.

Bernegger Müslikugerl

Sie brauchen (Grundrezept): 150 g Haferflocken, 100 g Nüsse, Trockenobst, Samen oder Kerndl, 2 TL Gewürz, wie zum Beispiel Zimt, Orangenschale, Zitronenschale oder Vanille, 75 g Honig oder Apfeldick-saft, 2 EL Butter oder Kokosöl, 3 EL brauner Zucker.

So wird's gemacht: Trockenfrüchte und Nüsse zerkleinern und in eine Schüssel füllen. Haferflocken und Gewürze in die Schüssel geben. Alles durchmischen. Dann die Butter schmelzen. Honig, geschmolzenes Fett und Zucker zu den anderen Zutaten hinzufügen. Alles gut miteinander vermengen. Nun mit einem Teelöffel oder Portionierer Kugerl aus der Masse formen, man kann auch Riegel daraus machen.

Die Kugerl bei 180 Grad Celsius im Backofen 10 bis 12 Minuten backen. Riegel brauchen bis zu 15 Minuten. Abkühlen lassen. Die fertigen Kugerl eventuell noch in geschmolzene Schokolade tauchen. In Dosen aufbewahren oder sich gleich schmecken lassen. An Guadn! Katharina Walch