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Die »Heilige Nacht« von Ludwig Thoma ist wieder in St. Bartholmä eingezogen

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"Heilige Nacht" von Ludwig Thoma wieder in St. Bartholmä eingezogen
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Die Stoaberg Sängerinnen (hinten) sorgten gemeinsam mit der Hochberger Soat'nmusi für die passende Stimmung im Kirchenraum. (Fotos: Dieter Meister)

Schönau am Königssee – Es regnete in Intervallen, gelegentlich sanft nieselnd, dann wieder laut prasselnd. Das verdarb aber keineswegs die gute Laune der Gäste an ihrem abendlichen Ausflug über den Königssee, um in der kleinen Kirche etwas aus der vom heißen Israel hierher transferierten »Heiligen Nacht« von Ludwig Thoma zu hören.


Dass diese erste Auflage der achtteiligen Veranstaltungsreihe der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH ein Erfolg wurde, dafür sorgten zuerst Erhard Moldan als Erzähler sowie ihn unterstützende Musiker und Sängerinnen. Und nicht zuletzt die betreuenden Damen und ein Herr der BGLT. Das setzte sich nach dem Besuch der Kirche im benachbarten historischen Gasthaus fort bei einem ausgezeichneten Festmahl, garniert noch von Moldans Advents- und Weihnachtsgeschichten, auch hier mit musikalischem Beistand.

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Eine Fahrt über den Königssee ist immer ein Erlebnis. Und in ganz besonderer Weise, wenn das Elektroboot bei Nacht über das Wasser gleitet. Auch wenn die Scheiben angelaufen sind und man sie um des berühmten Echos willen nur einen Spalt breit öffnen kann, um einigermaßen trocken zu bleiben. Das vom Flügelhorn (meistens) produzierte Echo gibt es auch in Dunkelheit und diesmal sogar zweistimmig. Die herüberscheinenden Lichter von St. Bartholomä sind da zwar schon zu sehen, aber doch noch fern. Es ist alles angerichtet.

Die ersten Töne blies die Saupitz'n Musi aus Maria Alm gegen den teilweise prasselnden Regen an. Vor der Kirche, quasi unter der Traufe stehend und flankiert von zwei Lichterbäumen, hießen sie die durch ein Fackelspalier vom Schiff zur Kirche eilenden Gäste willkommen. Die Musiker aus der Nachbarschaft spielten dabei auf vertrautem Gelände, denn sie sind ein fester Bestandteil bei den Wallfahrten von Maria Alm nach Bartholomä. Und kennen wohl schön längst den Weg zur kleinen Empore, von der aus sie feierliche Klänge über die Zuhörer im abgedunkelten Kirchenraum sandten.

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Der Musiker Erhard Moldan kann auch als Erzähler mit der eigenen Stimme für die richtigen Töne sorgen.

Die Stoaberg Sängerinnen gibt es seit 1998, aus einer Faschingslaune heraus, sagen sie, gegründet. In der Kirche von St. Bartholomä ging es weniger lustig zu, aber die Bandbreite des Trios ist anscheinend riesig. Das Trio mit Christa Graßl und Eva Angerer aus Berchtesgaden sowie Ursula Eder aus Piding singt »einfach aus Freude und ohne große Absichten, jemals vor Publikum aufzutreten«, sagen die Damen und tun es doch häufig und immer wieder. Und das Publikum erfreut sich ebenso oft an ihrem glockenklaren und – auch wenn sie im Berchtesgadener Dialekt singen und viele der Gäste aus Franken eingereist sind – an ihrer brillanten Artikulation.

Begleitet wurden sie an diesem Abend von der Hochberger Soat'nmusi aus dem Chiemgau. Die trug auch wegen ihrer fast ungewöhnlichen Besetzung mit zwei Zithern, Hackbrett, Harfe, Gitarre, Kontrabass, oder anstatt der zweiten Zither mit Querflöte zur feierlichen Stimmung im Kirchlein bei.

Hauptattraktion ist natürlich die Lesung aus Thomas »Heiliger Nacht«, das hat schon eine lange Tradition, hier. Diesmal trug Erhard Moldan souverän die in bayerischer Mundart erzählte Weihnachtsgeschichte vor, geschickt die verschiedenen Spannungsfelder auslotend. Eine Geschichte, die jeder kennt und immer wieder hören mag. Auch wenn es für die fränkischen Gäste ein wenig exotisch klingt, wenn Erhard Moldan von Maria und Josef berichtet, die durch den tief verschneiten Wald bei Bethlehem stapfen bei der Quartiersuche, viele böse Mitmenschen erleben müssen, um endlich bei einem barmherzigen Mann wenigstens ein Eckchen im Stall nutzen dürfen. Ist Jesus vielleicht doch am Tegernsee geboren?

Wenn Erzähler, Sängerinnen und Musiker am doch noch glücklichen Ende der Geschichte angekommen sind, geht es ins warme Gasthaus zum kulinarischen Teil, den flinke Kellner kurzweilig zu halten versuchen. Fisch aus dem Königssee kann der Gast nehmen oder Fleisch von einem Nationalpark-Hirsch, alles sehr schmackhaft, auch für die, die weder Wasser- noch Waldtiere essen mögen. Zwischendrin verkürzt Erhard Moldan mit kurzen, in den Zyklus passenden Geschichten und einem Gedicht von Manfred Jüstel die gar nicht so reichlichen Wartezeiten, die Musi spielt, die Stoaberg Sängerinnen lassen Liebliches durch den Saal schweben. Und der Abend neigt sich langsam dem Ende zu.

Natürlich geht es mit dem fast geräuschlosen Elektroboot zurück über den nächtlichen Königssee. Und doch fällt einem das Wort »Musikdampfer« ein, denn aus der Dunkelheit heraus schieben sich sanft die Stimmen der Stoaberg Sängerinnen, später kommen noch die Saiteninstrumente der Hochberger Soat'nmusi hinzu. Das muss gemeint sein, wenn das Sprichwort sagt, dass gute Musiker ihr Instrument blind beherrschen. Nur wenn sich die Harfe einbringt, geht kurz das Licht an, bei der Fülle von Saiten verständlich. Es ist einfach schön.

Und das Schiff ist bald da im sicheren Hafen. Es regnet immer noch. Ann-Kathrin Helbig und Juliana Schwab von der BGLT, die ihre Gäste umsichtig und mit Charme durch den Abend begleitet haben, geben noch ein kleines Präsent aus der Berchtesgadener Handwerkskunst mit auf die Heimreise, unterstützt von ihren Kollegen Karin Mergner und Philipp Däuber. Dann wird es wieder ganz still.

Dieter Meister