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Die großen Themen der Menschheit im Lied

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Bariton Simon Wallfisch (links) und Pianist Edward Rushton beglückten das Publikum in Traunstein mit der »Winterreise« von Franz Schubert. (Foto: Heigl)

»Musik ist die Sprache der Menschheit: Balsam für die Seele und Ruhe für den Geist«. Schulleiter, Oberstudienrat Bernd Amschler hätte keine treffenderen Worte finden können für die stimmungsvolle Aufführung der »Winterreise« von Franz Schubert mit Bariton Simon Wallfisch und Edward Rushton am Flügel, die in der Aula des Traunsteiner Anette-Kolb-Gymnasiums stattfand.


Die »Winterreise« ist ein Liederzyklus, bestehend aus 24 Liedern für Singstimme und Klavier, den Franz Schubert im Herbst 1827, ein Jahr vor seinem Tod, komponiert hat. Der Sänger Simon Wallfisch ist der Enkel der 92-jährigen Anita Lasker-Wallfisch, die eine der letzten Überlebenden des Orchesters des Konzentrationslagers Auschwitz ist. Sie war einen Tag darauf bei einer bewegenden Lesung ebenfalls im Annette-Kolb-Gymnasium zu Gast und wurde dabei musikalisch begleitet von Simon Wallfisch (Wir berichteten). Simon Wallfisch verließ sich beim Liederabend in Traunstein voll und ganz auf den deutungsintensiven Text des Zyklus' und auf die Musik Schuberts. Nie gab er zuviel, aber auch nicht zu wenig, er sang die »Winterreise« auf den Punkt. Seine wunderbar warme Baritonstimme betörte das zahlreich erschienene Publikum und wer ganz vorne saß, erlebte, wie es ist, wenn die Augen des Sängers das widerspiegeln, was große Kunst ausmacht.

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Die zeitlosen Themen der »Winterreise« von nicht erwiderter Liebe, dem Gefühl der Entfremdung, der Sehnsucht nach Lebendigkeit und dem Eintauchen in die großen romantischen Gefühle gelang dem Sänger auf ganz besondere Weise und so nahm er das Publikum mit auf diese Reise, Schritt für Schritt. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, so intensiv breitete sich die Stille im aufmerksam lauschenden Auditorium aus. Nicht zuletzt, um Edward Ruhtons spannend gestalteter Phrasierung am Flügel zu lauschen.

Die Zuhörer bedankten sich mit tief empfundenem Applaus, berührt von den immer wiederkehrenden, zeitlosen großen Themen der gesamten Menschheit – Liebe, Schmerz und Tod –, die sie in allen Feinabstufungen an diesem besonderen Abend miterleben durften. Barbara Heigl

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