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Die Geister von Ramsau

Ramsau – Das »Provisorium« ruft zur neuen Premiere und alle, alle kommen. Zumindest die, denen es gelang, bei der ersten Vorstellung einen Platz zu ergattern. Die anderen müssen und werden auf eine nächste Gelegenheit warten. Denen mit Platzglück wurde ein mit viel Humor gewürzter Abend zuteil. Daniel Kaisers zweiaktiger Schwank »Die Geister von Folterstein« und nach der Pause der Einakter »Die Rosskur« von Hans Eder bildeten den Rahmen für das schon längst traditionelle Jahres-Theaterereignis der Gemeinde Ramsau, das sich keiner gern entgehen lässt.

In der »Roßkur« muss Bauer Georg Haslinger (Sylli Stöckl, Mitte) schmerzlich erfahren, was exzessiver Alkoholkonsum einem bescheren kann, zur heimlichen Freude von Gattin Afra (Bärbel Resch) und Knecht Max (Matthias Boigs). Fotos: Anzeiger/Meister

Es spukt also derzeit in der Ramsau, und zumindest die Tourismusverantwortlichen dürfen sich die Hände reiben. Und die Vermieter natürlich und natürlich auch der Pensionsbetreiber Hans Pfaff (Rudi Fendt), der nur noch ein Durchgangszimmer zur Verfügung hat, das nur in weibliche Hände abgegeben werden darf, weil sich dahinter die junge Reporterin Laura (Lisi Graßl) eingerichtet hat. Also muss der geisterjagende Student (Hansi Resch) mit List zu Werke gehen, um sich des freien Bettes zu bemächtigen. Das ist schon mal eine gute Basis für ein schönes Verwirrspiel, das auf dem bewährten Prinzip fußt: Der Zuschauer weiß immer ein Stück mehr als die Agierenden auf der Bühne.

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Dass Hausherr Hans Pfaff auch noch das Jagdobjekt der heiratstrunkenen Angestellten Lisa (Waltraud Hopfinger) wird und letztlich zur Strecke gebracht wird, dazu einige illustre Gäste das Haus und die Wünsche des Publikums nach Lachgelegenheiten erfüllen, würzt die Aufführung zusätzlich. Da ist das Ehepaar Armbrust (Matthias Boigs und Annemarie Palzer), das zu Hause erotische Wäsche feil bietet und natürlich eine Kollektion mitführt, um die Bürger am Fuße der Burg Folterstein zusätzlich und nicht nur zur Geisterstunde zu verwirren. Auch die Flaschenfabrikantengattin Hulda Hase erweist sich als quirlig belebendes Element in der Geisterposse. Großartig hier Bärbel Resch als vom wohl langweiligen Ehealltag befreites, buntes Wesen, das viel Vergnügen zu stiften vermag.

Das kleine Ensemble des Ramsauer Provisoriums vermengt dies Zutaten zu einem kurzweiligen, amüsanten Spiel, dessen Ausgang man nicht aus der Zeitung, sondern im Saal des Ramsauer Rathauses erleben sollte. Falls es noch Plätze zu ergattern gibt.

In der »Rosskur« gibt Sylli Stöckl den Hauptpart. Und er ist in seiner Darstellung des auf die Alkoholspur geratenen Bauern Haslinger sehr überzeugend. Und gestern, sagt Bäuerin Afra (Bärbel Resch), sei es besonders schlimm gewesen und Knecht Max (Matthias Boigs) will helfen, den Trunkenbold zu heilen. Also suchen den verkaterten Haslinger-Bauern obskure Menschen auf, die dem von Kopfscherz gepeinigten Mann in größeren Brocken das Geld aus der Tasche ziehen, was er am Vortag am Viehmarkt verdiente und das wohl auch Anlass war, das Ereignis ausgiebig zu feiern.

Den anschließenden »Filmriss«, den wohl nur wenige von uns aus eigenem Erleben kennen werden (vermutlich), nutzen die Besucher schamlos und in therapeutischer Absicht aus. Da treten der Reihe nach ein Viehhändler (Rudi Fendt), zwei Polizistinnen (Lisi Hopfinger und Theresa Graßl), ein vermeintlich »leichtes Mädchen« (Lisi Graßl), ein Geigenspieler (Hansi Resch) und eine Feinkosthändlerin (Waltraud Hopfinger) in Aktion, um sich ihr Geld zu holen, das er ihnen auf irgendeine Weise am Abend schuldig blieb.

Was lernen wir daraus? Freund Alkohol kann ein gefährlicher Geselle sein, wenn man ihn allzu dicht an sich herankommen lässt. Am Ende geht die Geschichte des Georg Haslinger gut aus, die Sache wird aufgeklärt und die »Peiniger« des Bauern treten zum Versöhnungsschoppen an. Mit Bier. Nur einer fehlt in der Runde: Unter den Überraschungsbesuchern war auch der Tod, der den schlechten Lebenswandel rügte und den Unhold warnte. Der gehörte gar nicht in die vom Knecht inszenierte Spielrunde. Seltsam. Aber letztlich alles gut. Auch die Blumen, denen der verzweifelt Durstige das Wasser wegtrank, bekommen frische Nahrung. Dieter Meister