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Die Eismacher von Markus Aschauer

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Das Königsseer Bahnarbeiterteam rund um Bahnchef Markus Aschauer (2.v.l.) hat die Kunsteisbahn auch an den kommenden Weltcup-Tagen gut im Griff. (Fotos: Christian Wechslinger)

Viele Jahre verrichtete die Bahnarbeit auf der Kunsteisbahn am Königssee ein eingespieltes Team. Doch in den letzten Jahren hat sich die Mannschaft bis auf zwei Urgesteine, die seit 15 Jahren dabei sind, völlig verändert.


Um Betriebsleiter Markus Aschauer mit seiner Sekretärin Hannah Thiele, die Urgesteine Robert Goldbrunner, Markus Walch sowie Bahnsprecher John Ewin aus England ist ein Team vieler junger und sehr arbeitswilliger Leute damit beschäftigt, die am besten frequentierte Kunsteisbahn der Welt stets in einem Topzustand zu halten. Für die IBSF-Weltcups im Zweier- und Viererbob sowie Skeleton von heute Freitag bis zum Sonntag präsentiert sich die Bahn wie in jedem Jahr in Bestzustand.

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Das Tagwerk von Bahnchef Markus Aschauer beginnt vor Großereignissen bereits um 6 Uhr, sein Bahnarbeiterteam steht eine Stunde später »Gewehr bei Fuß«. Die Bahnarbeiter-Mannschaft besteht aus den verschiedensten Nationen. Die Arbeiter kommen neben mehreren jungen Berchtesgadenern aus Kanada, Lettland, Österreich, der Türkei und den neuen Bundesländern.

Programm und Zeitplan des Weltcups:

Das beliebte Bob- und Legendenrennen »Race of Champions« findet in diesem Jahr wieder am Königssee statt. Mehr dazu und den Zeitplan des Weltcups in unserem Artikel.

Mit Johannes Kerknak gehört sogar ein Student für Luft- und Raumfahrttechnik dem Bahnarbeiter-Team an. Von der alten Mannschaft sind nur mehr Markus Walch und Robert Goldbrunner übrig. Früher arbeiteten viele Bahnarbeiter im Sommer bei der Schifffahrt und im Winter an der Bahn. Weil die Schifffahrt jedoch Personal brauchte, wechselten gleich mehrere ehemalige Bahnarbeiter ganzjährig in die Dienste der Schifffahrt.

Schon früh am Morgen geht es los

Bahnchef Markus Aschauer organisiert bereits früh am Morgen allerhand, denn bald schon kommen die ersten Trainer, Funktionäre und die Sportler. Die Skeletonis begannen am Dienstag bereits um 9 Uhr mit dem ersten Training. Die Bahnarbeiter gehen, nachdem sie die Bahn präpariert und schnell gemacht haben, erst einmal in die wohl verdiente Pause, in der es das Leibgericht Leberkäse gibt.

In früheren Jahren tranken da auch noch einige ein Bierchen. »Das Biertrinken hat sich jedoch völlig aufgehört. Und früher saßen die Bahnarbeiter auch noch nach Feierabend zusammen, heute gehen sie nach Hause«, erklärte Aschauer. Auch die Arbeitszeiten haben sich grundlegend geändert. Normal ist eine Sechstagewoche mit je acht Stunden. Die acht Überstunden werden abgefeiert. »Früher haben die Bahnarbeiter bei Bedarf auch einmal bis zu 16 Stunden am Tag gearbeitet. Das ist heutzutage nicht mehr möglich. Aus diesem Grund ist auch die Bahnarbeitermannschaft mehr als doppelt so stark wie früher«, erklärte der Bahnchef, der die hohe Arbeitsmoral aller Mitarbeiter lobt.

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Die Arbeitstage der Königsseer Bahnarbeiter sind oft lang.

Markus Aschauer, seine neue Sekretärin Hannah Thiele, Florian Stiller, Florian Stocker und Markus Walch betreuen die Anlage am Königssee ganzjährig. Mit berechtigtem Stolz verweist Aschauer darauf, dass die Königsseer Bahn mit 33.000 Abfahrten pro Saison die weltweit am besten frequentierte Anlage ist. Die drei anderen deutschen Bahnen folgen mit großem Abstand.

Wenn die Bahn präpariert ist und das Training oder die Wettkämpfe beginnen, ist der Bahnsprecher John Ewin gefordert, der seit acht Jahren den verantwortungsvollen Posten wahrnimmt. Ewin ist für die Sicherheit verantwortlich und hat dafür 15 Monitore, die jeden Winkel der Bahn erfassen. Nur der Bahnsprecher erteilt die Freigabe für die Starter in Bob, Skeleton und Rennrodel. Bei Wettkämpfen bilden zwei Personen die Sicherheitscrew.

Das sogenannte Schnee-Chaos im letzten Winter hat die Bahn nicht entscheidend getroffen. »Wir hatten die Situation jederzeit im Griff und sind mit den Schneemassen gut fertig geworden. Wir mussten nur den Skeleton-Weltcup absagen, weil die Dachlasten zu hoch waren und die Dächer über der Bahn vom Schnee befreit werden mussten. Es wäre ganz einfach zu gefährlich gewesen«, so der Bahnchef.

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John Ewin ist seit acht Jahren Bahnsprecher.

Kleine Aufmerksamkeiten

Die Bahnarbeiter freuen sich über die Wertschätzung, die ihnen insbesondere auch vonseiten der Sportler entgegengebracht wird. So weiß der langjährige Bahnarbeiter Markus Walch so manche nette Geschichte: »Der Hansi Lochner hat uns über eine ganze Saison lang als Dank und Anerkennung für die Bahnpräparierung jedes Bier spendiert, das wir aus dem Automaten genommen haben. Die Südtiroler bringen immer Brotzeiten mit. Und wenn ein Sportler oder eine Sportlerin einen neuen Bahnrekord erzielt, bekommen wir auch immer wieder eine Anerkennung.« Zuletzt hat Skeleton-Bundestrainer Dirk Matschenz den Bahnarbeitern einen Gutschein für einen Gaststättenbesuch spendiert.

Wie immer steht die Königsseer Bahn gut da. Für die Skeleton- und Bobbewerbe wurden kleine Veränderungen vorgenommen, weil diese Varianten eine etwas andere Beschaffenheit als die Rennrodler brauchen. Immer wieder wird der erfahrene Bahnchef Markus Aschauer auch von anderen Anlagen zur Hilfe und Beratung angefordert. Erst letzte Woche weilte Aschauer in China, wo in zwei Jahren die XXIV. Olympischen Winterspiele stattfinden.

»Diese Bahn wird das Non-plusultra im Kufensport, das Beste was es gibt«, erklärt Markus Aschauer, der als Vorsitzender der Bahnbaukommission des Internationalen Rennrodelverbandes (FIL) auch regelmäßig an Bahnbauprojekten für die Austragung Olympischer Winterspiele beteiligt wird. Aber in diesen Weltcup-Tagen gehört Aschauers Aufmerksamkeit ganz der Königsseer Bahn.

Christian Wechslinger