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Die Dame mit den zwei Geburtstagen

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Maria Kleinhans feierte diese Woche in der »Felicitas« ihren 95. Geburtstag. Zu ihrer großen Freude bekam sie auch Besuch von ihren Liebsten. (Foto: Wechslinger)

Bischofswiesen – Maria Kleinhans hat am Montag in ihrer vierten Heimat, dem Seniorenheim »Felicitas«, ihren 95. Geburtstag gefeiert. Sogar Bischofswiesens Bürgermeister Thomas Weber beehrte die Jubilarin, die seit über 50 Jahren in der Gemeinde Bischofswiesen wohnt. Das Licht der Welt erblickte Maria Kleinhans als drittes Kind der Eheleute Anna und Anton Walch am 12. August 1924 im Meisterlehen auf dem Obersalzberg. Weil jedoch der amtliche Eintrag erst einen Tag später erfolgte, steht in ihren Papieren als Geburtsdatum der 13. August. So konnte Maria Kleinhans immer schon zweimal Geburtstag feiern.

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Ein frühes Trauma erlebte die Jubilarin mit vier Jahren, als ihr Vater starb und wie früher üblich in der Stube aufgebahrt wurde. Maria konnte nicht verstehen, dass ihr Vater nicht mehr aufwachte, so sehr sie ihn auch weckte. Nachbarn trösteten die Vierjährige mit einer Krippe, die sie viele Jahre umhegte. Ihre Kindheit war als Bergbauernmädchen keine leichte und von viel Arbeit geprägt. Schließlich musste Kleinhans die Wiesen um das Meisterlehen – in der Nähe des späteren Ateliers Speer am Obersalzberg – mähen und das Heu einbringen.

Dennoch erinnert sie sich gerne an ihre Kindheit, die sie mit zehn anderen Kindern am Meisterlehen verbrachte. Alle packten bei den Hofarbeiten mit an und auch zur Schule nach Berchtesgaden gingen sie in der Kinderschar. Im Winter fuhren sie noch bei Dunkelheit mit dem Schlitten zu Tal. Wenn die Schule länger dauerte, kehrten die Kinder auch erst wieder in der Dunkelheit zurück.

Die Jubilarin erinnerte sich auch noch an Skiabfahrten auf den steilen Wiesen. »Wir hatten nur ein Paar Ski und so tauschten wir sie durch und benützten zu den Abfahrten auch Mutters Waschbrett oder Dachschindeln«. Im Sommer brachten die Kinder die Kühe bei Sonne und Regen Richtung Kehlstein. Weil die Mutter Geld brauchte, pflückten die Kinder Erdbeeren, die sie ins Hotel Antenberg, ins Waltenbergheim und an Nachbarn gegen Bezahlung lieferten.

Nach einer erlebnisreichen Kinder- und Jugendzeit folgte wie für alle Obersalzberger das Schicksalsjahr 1937, da sie ihre Heimat verlassen mussten. Die Mutter fand schließlich für ihre vier Kinder in der Scheffau im einsam stehenden Datzenlehen ein neue Heimat, 15 Gehminuten von den nächsten Nachbarn entfernt. Jetzt ging es auch nicht mehr nach Berchtesgaden zur Schule, sondern nach Schellenberg.

Kurz darauf folgte allerdings der Zweite Weltkrieg, in dessen Verlauf ihre beiden älteren Brüder gefallen sind. 1942 wurde die damals 18-Jährige noch zum Reichsarbeitsdienst nach Gars am Inn eingezogen. Dort entstanden viele Freundschaften, die sie lange pflegte. Im März 1944 heiratete sie ihren mittlerweile verstorbenen Mann Georg, im Mai 1945 gebar sie ihren Sohn Walter, 1947 Tochter Helga, die ihre Mutter heute betreut. Nach vielen Jahren auf dem Bauernhof zog die Familie Kleinhans 1966 nach Winkl, wo sie durch die Arbeit von Familienoberhaupt Georg Kleinhans bei der Standortverwaltung eine Bundeswehrwohnung bekommen hat. Ehemann Georg Kleinhans verstarb nach 55 gemeinsamen Jahren in den Armen seiner Frau. Auch die Jubilarin war gesundheitlich mehrmals schwer angeschlagen, erholte sich aber immer wieder. Schließlich war es ihr die größte Freude, wenn ihre Urenkel bei ihr übernachtet haben. Sie hat neben vier Enkeln, fünf Urenkel und einen Ururenkel. Bis vor knapp drei Jahren lebte Maria Kleinhans in ihrer Wohnung in Winkl. Nachdem sie sich jedoch von einem Krankenhausaufenthalt nicht mehr richtig erholt hatte, kam sie in die Felicitas, wo sie sich auch wohl fühlt. Christian Wechslinger