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Die CSU-Kandidaten bleiben auf Kurs

Waging am See. Gut, dass man kein CSU-Delegierter ist. Vielleicht hat sich das der eine oder andere unter den Besuchern der Veranstaltung am Dienstag im Waginger Kurhaus gedacht. Waren doch die Drei am Podium, die für die CSU bei der Landratswahl 2014 kandidieren wollen, in ihren Meinungen und Aussagen so ähnlich, dass eine Wahl zwischen ihnen wirklich schwerfallen könnte.

Der Jüngste im Bunde, Siegfried Walch aus Inzell, gab sich wort- und stimmgewaltig. Die anderen beiden Herren – Andreas Bratzdrum (49) und Franz Parzinger (56) – ließen wiederholt anklingen, mit allem schon irgendwann einmal befasst gewesen zu sein, und verwiesen immer wieder auf ihre Erfahrung: der eine im Landratsamt Berchtesgadener Land, der andere als Bürgermeister der größten Stadt im Landkreis Traunstein.

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Einen Unterschied gibt es allenfalls darin, dass Bratzdrum aus seiner Arbeit für die Olympia-Bewerbung und Walch durch seinen Posten als stellvertretender JU-Landesvorsitzender »gute Kontakte« beziehungsweise »einen guten Draht nach oben« für sich in Anspruch nehmen. Parzinger hielt dagegen, dass zehn Jahre als Bürgermeister und ebenso lang »intensive und gute Zusammenarbeit« mit dem amtierenden Landrat »eine gute Schule für einen künftigen Landrat« seien.

In ihren Ansichten aber sind alle so gut wie deckungsgleich. Das zog sich quer durch den von dem Journalisten Axel Effner moderierten Abend. So war es bei vielen Antworten auf Fragen, die aus den unterschiedlichsten Bereichen kamen: bis hin zu Wildsau und Biber, zu »Pfusch« im Krankenhaus und zu verschlafenen Sachbearbeitern im Landratsamt. Alle drei Kandidaten wurden nicht müde zu betonen, wie wichtig es sei, doch mit den Bürgern in den Dialog zu treten, die Bürger »mitzunehmen«, sie ernst zu nehmen.

Das Thema Salzachbrücke hatten Christian Reiter aus Waging und Jakob Rehrl jun. aus Fridolfing angesprochen: »Der Verkehrslärm ist der größte Feind des Tourismus«, hatte Rehrl gesagt, und er sehe durch all die Infrastrukturmaßnahmen den Tourismus und die daraus resultierende Wertschöpfung in der Region »stark gefährdet«. Unisono hieß es darauf von den Kandidaten für die Landratskandidatur, es brauche Kompromisse (Parzinger), den Verkehr grundsätzlich als etwas Negatives zu sehen, sei falsch (Walch), man müsse diese wichtigen Infrastrukturmaßnahmen weiter verfolgen (Bratzdrum). Und Bürgermeister Franz Parzinger forderte gar publikumswirksam, dass Lärmschutzmaßnahmen dringend notwendig seien, wenn die Grenzwerte überschritten würden. Dabei wissen gerade die Waginger nur zu gut, dass der durch die Traunsteiner Nordumfahrung zunehmende Verkehr im Fall Waging trotzdem bei weitem noch nicht ausreichen wird, um diese vom Gesetzgeber festgesetzten Grenzwerte zu überschreiten.

Aber wenigstens gab es beim Thema Gewerbeflächen eine klitzekleine Meinungsverschiedenheit, eigentlich sogar zwei. Siegfried Walch schlug vor, die Vermarktung von Gewerbeflächen mehr zu zentralisieren, eventuell über die Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Vor allem auch sollte über das Internet das Angebot an Gewerbeflächen in geeigneter Weise noch mehr als bisher publiziert werden. Da kam er bei Bürgermeister Parzinger nicht so gut an, der will seine Gewerbeflächen schon selber an den Mann bringen: »Die Ausweisung liegt immer noch bei den Kommunen. Da hat jede Kommune einen anderen Ansatz.« Ein Gewerbeflächen-Management im Internet ist laut Bratzdrum eine Aufgabe, die lang erkannt worden sei: »Das passiert seit vielen Jahren«, eine Feststellung, zu der Walch mit Nachdruck den Kopf schüttelte.

Weitere Themen waren die Neustrukturierung im Tourismus mit der Forderung, dass sich die beiden Verbände in der Region endlich zusammenschließen sollten (Andreas Barmbichler aus Waging), der große Landverbrauch (Hans Maier aus Palling), die Jagd (Alois Dandl aus Fridolfing) und die Kleinkläranlagen, das Lieblingsthema des früheren Kirchanschöringer Bürgermeisters Albert Reiter: »Das Abwasser von 4000 Einwohnergleichwerten fließt ungereinigt in den See«, sagte er. Immer öfter hörte man gegen Ende, bei immer spezieller werdenden Themen, von den Kandidaten, dass es dafür kein Patentrezept gebe, dass man dies und jenes stark diskutieren müsse. he