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Die Bundesliga entdeckt die Stellvertreter im Sturm

Berlin (dpa) - Der Fußball-Jargon hat schon viele Kreationen hervorgebracht. Es gab das Kopfballungeheuer, den Billigbomber oder den Wandstürmer. In diesem Sommer entdeckt die Bundesliga eine neue Spezies: den Backup-Stürmer.

Bachup
Claudio Pizarro wechselte von der Weser an die Isar. Foto: Adrian Bradshaw Foto: dpa

Das Aufgabenprofil dieser Stellvertreter wie Claudio Pizarro, Julian Schieber oder Peniel Mlapa ist klar konturiert. Sie sollen etablierten Angreifern wie Mario Gomez, Robert Lewandowski oder Luuk de Jong Druck machen.

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Manchmal rutschen die Backups aber schneller in die Verantwortung als gedacht - beim FC Bayern zum Beispiel. Nach seiner Operation am Sprunggelenk fehlt Gomez wohl mindestens bis zum dritten Bundesliga-Spieltag. «Jetzt werde ich ein wenig Geduld brauchen», sagte der 27-Jährige. Nun rückt vor allem Mario Mandzukic in den Fokus, der vor allem als Ersatz für den «Torero» gedacht war.

Für die Clubs bedeutet die Verpflichtung der Backups aber nicht nur die Hoffnung auf bessere Leistungen der Stammstürmer, sondern zugleich eine Gratwanderung. Denn die Etablierten dürfen nicht den Eindruck bekommen: Spurst du nicht, läuft deine Zeit ab.

Der FC Bayern München gönnt sich Luxus. Der Rekordmeister hat in Gomez zwar Deutschlands Topstürmer der vergangenen Bundesligasaison unter Vertrag (26 Tore), setzt ihn aber mit Pizarro (Werder Bremen) und Mandzukic (VfL Wolfsburg) unter Druck.

«Die letzte Saison hat gezeigt, dass man einfach vorne im Angriffszentrum Alternativen haben muss, wenn das Spiel eng wird, wenn man einen zusätzlichen Stürmer braucht oder auf der Bank reagieren muss», sagte Trainer Jupp Heynckes während des Trainingslagers im Trentino.

Dortmunds Nummer eins im Sturm ist Robert Lewandowski. 22 Tore, zehn Vorlagen - die Sorge vor Zugang Julian Schieber (VfB Stuttgart) wird sich bei dem polnischen Nationalspieler nach einer herausragenden Bundesligasaison in Grenzen halten. Rund sechs Millionen Euro Ablöse war der 23 Jahre alte Schieber dem BVB wert, bis 2016 unterschrieb der Schwabe.

«Mit Patrick Owomoyela als Zimmerpartner, da hätte er es durchaus schlimmer treffen können. Owo ist ein lustiger Vogel und großer Kommunikator, von daher glaube ich, die Integration wird zügig vonstattengehen», sagte Trainer Jürgen Klopp der «Zeit» in einem Interview. «Auch wenn er Schwabe ist, und die brauchen ein bissle.»

Zeit wird auch Peniel Mlapa benötigen. Borussia Mönchengladbach holte den 21-Jährigen als Backup - muss allerdings wegen eines Kapselrisses im rechten Sprunggelenk zum Saisonstart auf den früheren Hoffenheimer verzichten. Mlapa ist als Ergänzung oder Ersatz für Zwölf-Millionen-Euro-Einkauf de Jong gedacht. «Verletzungen gehören im Fußball leider dazu», meinte Mlapa. «Aber natürlich sind die Schwere und der Zeitpunkt ganz bitter.»

Mlapa, Schieber & Co. eint eines: Sie hoffen auf eine ähnliche Entwicklung wie zum Beispiel Fredi Bobic 1994. Da wechselte der spätere Nationalspieler als 22-Jähriger von den Stuttgarter Kickers zum Lokalrivalen VfB. Dort war er eigentlich nur als Ersatz für Giovane Elber und Axel Kruse gedacht, stellte seine Konkurrenten aber mit starken Leistungen und zwölf Bundesligatoren locker in den Schatten.