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Diakonie zahlt nach Tarif und verliert Ausschreibung

Traunreut. Organisationen, die ihre Mitarbeiter nicht nach Tarif bezahlen, machen dem Diakonischen Werk zunehmend Probleme. So hat die Diakonie jetzt nach 22 Jahren ihre ausbildungsbegleitenden Hilfen einstellen müssen. Denn bei der jüngsten Ausschreibung erhielt eine derartige Organisation den Zuschlag, so Thomas Zugehör, Geschäftsführer und Vorsitzender des Diakonischen Werks Traunstein, bei einer Veranstaltung im Wilhelm-Löhe-Zentrum.

Der Neubau zweier Kinderhäuser auf dem Gelände des Wilhelm-Löhe-Zentrums in Traunreut schreitet voran. Für 2,15 Millionen Euro wird hier für schwerst traumatisierte Kinder gebaut, die nur in Einzelzimmern untergebracht werden können. (Foto: H. Eder)

Immerhin sei es aber gelungen, die Mitarbeiter in anderen Bereichen zu beschäftigen. Im Rahmen der ausbildungsbegleitenden Hilfen erhielten Lehrlinge eine zusätzliche Förderung, wenn das Ausbildungsziel in Gefahr war. Sie alle haben ihre Prüfungen bestanden.

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Die Diakonie empfinde diesen Verlust als sehr schmerzhaft. Man habe sogar kurzzeitig überlegt, für derlei Ausschreibungen eine eigene Gesellschaft zu gründen, deren Mitarbeiter dann nicht nach Tarif bezahlt werden müssten. Bewusst habe man sich aber dagegen entschieden. Denn die Diakonie lege Wert darauf, alle Mitarbeiter gerecht zu entlohnen.

Unter dieser Voraussetzung werde es aber immer Arbeitsbereiche geben, in denen die Diakonie nicht mehr konkurrenzfähig ist. So habe der Verpflegungs-Service des Wilhelm-Löhe-Heims aus diesem Grund bereits Kunden verloren. Bedauerlich sei, dass die Bundesanstalt für Arbeit ihre Aufträge rein nach Angebotspreis vergebe.

Ein weiterer Punkt im Bericht Zugehörs war der Bau zweier Kinderhäuser auf dem Gelände des Wilhelm-Löhe-Zentrums. Für 2,15 Millionen Euro wird hier für schwerst traumatisierte Kinder gebaut, die nur in Einzelzimmern untergebracht werden können. In den anderen Häusern des Wilhelm-Löhe-Zentrums mit 13 Wohngruppen gebe es nur wenige Einzelzimmer. Der Bau musste ohne staatliche Mittel finanziert werden. Möglich wurde er durch Unterstützung der Johannes-Heidenhain-Stiftung und die Aktion »Sternstunden« sowie über Darlehen.

Eine weitere wichtige Aufgabe des Diakonischen Werks sei die Begleitung behinderter Kinder in Regelschulen. Viele neue Mitarbeiter seien in den Schulen des Dekanats tätig, um ein flächendeckendes Netz bieten zu können. Zudem betreue die Diakonie junge Mütter im Martin-Luther-Heim in Traunstein, einem Mutter-Kind-Heim. Hier seien oft sehr junge Mütter untergebracht, die ihre Kinder nicht ohne Hilfe aufziehen könnten. Eine solche Einrichtung solle jetzt auch im Landkreis Berchtesgadener Land entstehen, ein Gebäude werde dringend gesucht.

Diakon Robert Münderlein nahm bei der Gelegenheit Stellung zum Thema Asyl. Die Kirchengemeinden hätten spontan vieles ermöglicht, sagte er, vieles davon sei öffentlich gar nicht sichtbar. Die Erfahrungen mit den Asylbewerbern seien aus Sicht von Polizei und politischen Gemeinden relativ gut, Problemfälle nicht häufiger als bei deutschen Mitbürgern. Die Not aber sei sehr groß, es brauche ehren- und hauptamtliche Unterstützung. Bei allem aber hätten asylsuchende Menschen die Verantwortung für sich selbst. Sie sollten bestimmen, was sie brauchen und was nicht. In diesem Sinne dürfe eine gebotene Hilfe auch abgelehnt werden. Eine »fürsorgliche Belagerung« sei auch nicht zielführend.

Die vier Landkreise des evangelisch-lutherischen Dekanats, Traunstein, Berchtesgadener Land, Altötting und Mühldorf, seien verpflichtet, Flüchtlinge aufzunehmen. 302 seien bereits da, 381 seien es bis Jahresende: 184 sollen in zwei Gemeinschaftsunterkünften untergebracht werden, 118 dezentral. Bis jetzt allerdings fehlten Wohnungen wie Strukturen. Seit Oktober bietet nun das Diakonische Werk Traunstein mit je einer halben Stelle Sozialberatung in den Gemeinschaftsunterkünften Engelsberg und Grassau an.

»Die Finanzierung der sozialen Beratung ist schwierig«, so Münderlein, »leider werden diese Stellen nicht zu hundert Prozent vom Sozialministerium getragen.« Im Fall des Diakonischen Werks springe für Personalkosten zusätzlich die evangelische Landeskirche ein, um die Sachkosten kümmere sich aber keiner. Zwar habe der Landkreis zugesagt, die Hälfte der Kosten zu übernehmen, doch sei das Diakonische Werk nach wie vor auf Spenden angewiesen. Für die Sozialberatung zuständig sind Annemarie Peter in Grassau und Britta Barth in Engelsberg. he