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Deutsche »wagten« 1919 zum ersten Mal Demokratie

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Die Ausstellung »100 Jahre Weimarer Republik« eröffneten (von rechts) Altoberbürgermeister Fritz Stahl und Angela Engel, der Vorsitzende und eine Mitarbeiterin der Volkshochschule, sowie Dr. Jürgen Eminger, der Leiter des Heimathauses. (Foto: Pültz)

Traunstein – Sie war die erste Demokratie auf deutschem Boden: Die Weimarer Republik kennzeichnet einen herausragenden Abschnitt in der Geschichte des Landes. Heuer vor 100 Jahren schlug ihre Geburtsstunde. Aus diesem Anlass zeigen das Heimathaus und die Volkshochschule in Traunstein die Ausstellung »100 Jahre Weimarer Republik«. Zur Eröffnung sagte Oberbürgermeister Christian Kegel, die Deutschen hätten 1919 zum ersten Mal in ihrer Geschichte »Demokratie gewagt«. VHS-Vorsitzender Altoberbürgermeister Fritz Stahl rief dazu auf, »demokratisch standfest zu leben«.


Es war der 11. August 1919: An diesem Tag trat die Verfassung der Weimarer Republik in Kraft. Nur 14 Jahre währte die erste deutsche Demokratie, 1933 kam Hitler an die Macht. An die Gründung der Weimarer Zeit und die Jahre ihres Bestehens erinnert die vom »Weimarer Republik e.V.« erarbeitete Wanderausstellung. An einer Medienstation kann man durch die Geschichte wandeln, über einen berührungsempfindlichen Bildschirm Ereignisse und Fakten abrufen.

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Ergänzend zur Gesamtschau findet ein Aspekt besondere Beachtung: Die erste deutsche Demokratie gab den Frauen das Wahlrecht. Plakate, die die epochale Neuerung im Jahr 1919 thematisieren, hängen an den Wänden im Museum.

Kegel erinnerte an die »großen Schwierigkeiten«, die nach dem Ersten Weltkrieg auf dem Weg zur Republik zu bewältigen waren. Die Demokraten der ersten Stunden hätten den Mut aufgebracht, »das Land neu zu organisieren«. Heutzutage werde die Weimarer Republik »oft verkannt, weil sie in das Dritte Reich mündete«. Doch die erste deutsche Demokratie habe wahrlich viel erreicht: Bahn gebrochen habe sich vor allem der Gedanke »wir wählen ein Parlament«, das Gesetze schafft und Recht setzt. Die Deutschen haben damals laut Kegel »Demokratie zum ersten Mal gewagt«.

Stahl erläuterte in seinem Vortrag die Epoche der Weimarer Republik und deren Bedeutung bis in die Gegenwart hinein. Mit Blick auf ihr Ende mahnte er, sich heute für die Demokratie einzusetzen – nicht, dass erneut die Feinde des Parlamentarismus die Oberhand gewinnen. »Der demokratische Staat erschien uns Älteren noch vor wenigen Jahren die für freie Bürger selbstverständlichste der Staatsformen zu sein«, sagte der VHS-Vorsitzende und Altoberbürgermeister. »Doch nun tauchen – vor allem im Netz – ganz ungeniert, aber auch verdeckt, antidemokratische Tendenzen und Sprüche auf.«

Vielfach wolle man heute schnelle, einfache und vor allem nationale Entscheidungen, so Stahl weiter. Demokraten aber wüssten, dass Weichenstellungen »in gleichberechtigter Diskussion, auf gesicherter Grundlage und in fairen Verfahren erfolgen müssen, um Bestand haben zu können«. Selbstverständlich müsse ein Umgang miteinander sein, der die Würde, die Meinung sowie die Wertschätzung anderer stets berücksichtigt.

Stahl betonte unter anderem auch, dass die Weimarer Verfassung »in enger Verbindung« zum Grundgesetz gesehen werden müsse. So sei es dem Parlamentarischen Rat 1948/49 wichtig gewesen, die Erfahrungen aus der Weimarer Zeit in das Verfassungswerk einzubeziehen. Laut dem Historiker Christian Graf von Krockow seien die Mitglieder des Parlamentarischen Rats »gebrannte Kinder« gewesen. Die Erfahrungen des Scheiterns von Weimar hätten ihr Handeln bestimmt.

Vortrag über »Traunstein in der Weimarer Zeit«

Angela Engel, bei der VHS zuständig für Gesundheit, Gesellschaft, Persönlichkeitsbildung und Firmenschulungen, erinnerte daran, dass fünf Vorträge, die in diesem Semester im »Studium Generale« auf dem Programm stehen, die Ausstellung umrahmen. Der erste ist bereits am heutigen Donnerstag: Gerd Evers spricht um 19.30 Uhr im Heimathaus über »Traunstein in der Weimarer Zeit«. Eine Anmeldung für diesen und alle anderen Vorträge ist in der Geschäftsstelle der VHS erforderlich.

Dr. Jürgen Eminger, der Leiter des Heimathauses, sagte, dass die Ausstellung »ansprechend und spielerisch« die Weimarer Zeit beleuchte. Diese Epoche sei herausragend – unter anderem auch deshalb, weil in diesen Jahren sehr viele Nobelpreise nach Deutschland gegangen seien. In den Naturwissenschaften seien bahnbrechende Fortschritte erzielt worden. Und nicht zuletzt auch im kulturellen Bereich hätten die Deutschen damals Weltgeltung erfahren.