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Detlev Bucks »Wuff«: Von Hunden und Frauen

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Ella (Emily Cox) und Daniel (Kostja Ullmann) kommen sich im Wald näher. Foto: Oliver Vaccaro/DCM Foto: dpa

Detlev Buck hat als Regisseur und auch als Darsteller sein Talent schon in verschiedenen Film-Arten unter Beweis gestellt. Diesmal setzt er auf ein, nicht nur von Zwei-, sondern auch von vielen Vierbeinern bevölkertes Darsteller-Team.


Berlin (dpa) - Zwei Monate erst liegt der Filmstart von Detlev Bucks »Asphaltgorillas« zurück, einer in Berlin angesiedelten, so turbulenten wie schnellen Gangster-Komödie.

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In seinem Nachfolgefilm zwar geht es nun nicht um irgendwelche Stadtaffen; Tiere aber gehören sehr wohl zu den Protagonisten von »Wuff«, einer ebenfalls in der deutschen Hauptstadt spielenden, mit romantischen Elementen angereicherten Komödie rund um Hunde, Männer und Frauen.

Buck, der sich einst mit heutigen Kultwerken wie »Karniggels« oder »Männerpension« einen Namen als Regisseur machte, der auch selbst immer wieder vor der Kamera stand, dieser Buck weiß in »Wuff« ein ähnlich großes, ähnlich prominent besetztes Ensemble wie in »Asphaltgorillas« hinter sich: Frederick Lau (»Victoria«) ist mit von der Partie, Johanna Wokalek (»Der Baader Meinhoff Komplex«), Kostja Ullmann (»3 Türken & ein Baby«) sowie Maite Kelly (von der Kelly Family). Als Tierheim-Mitarbeiter schließlich spielt auch der Regisseur selbst vor der Kamera.

Als Ella (Emily Cox) ihre Aufstiegschancen bei einem Magazin schwinden und ihren Freund in den Armen einer deutlich Jüngeren sieht, kommt die Mittdreißigerin auf die Idee, ihre Verzweiflung mit einem noch desolateren Wesen zu teilen: Bozer ist ein strubbeliger Straßenköter, der dazu neigt, bei jeder Gelegenheit auszubüchsen. Über Bozer aber lernt Ella einen Förster (Ullmann) kennen und lieben. Auch Ellas Freundinnen sind am verzagen: Cécile zwar nennt einen gut verdienenden, am Klavier brillierenden Kerl ihr Eigen, dieser aber steht mit Haushund Simpson (ein etwas größeres Exemplar) auf Kriegsfuß.

Silke kann als Hundeschulleiterin gut mit Vierbeinern, hat aber Probleme, bei Zweibeinern zu reüssieren - was sich erst ändern soll, als sie auf einen Ex-Fußballer namens Oli (wieder ziemlich gut: Frederick Lau) trifft. Schließlich wäre da noch Katzenliebhaberin Lulu (Kelly), der sich die Nackenhaare schon beim Gedanken daran aufstellen, es doch mal mit einem Hundefreund zu versuchen. Regelmäßig treffen sich die vier Damen, um bei einem Gläschen Alkohol, die Vor- und Nachteile von Mensch-Mensch- und von Mensch-Tier-Beziehungen zu diskutieren.

»Wuff« gehört sicher nicht zu den stärksten Werken von Detlev Buck. Dafür ist der Film zu uninspiriert, zu lang und auch zu unentschlossen. »Wuff« ist ein Zwitterwesen von einem Kinowerk; teils Hunde-, teils Frauen-, teils Ensemble- und ein wenig auch Berlin-Film. Die wenigen Momente aber, in denen »Wuff« sich als Hauptstadt-Film zu erkennen gibt, die haben es durchaus in sich.

Der hübsche Moment etwa, als Frederick Lau eine so betagte, wie wohlhabende Dame über das berühmte, von so vielen Freizeitlern hoch geschätzte Tempelhofer Feld schiebt. Eine ältere Dame wohlgemerkt, die sich schnell durch ihre markante Stimme als Katharina Thalbach zu erkennen gibt. Auch andere Kurzauftritte bleiben im Gedächtnis, der von Judy Winter etwa als wenig einfühlsame Mutter von Ella. Erstaunlich viel Sinn macht es auch, dass der, unter anderem als »Zeit«-Kolumnist bekannte Harald Martenstein hier einen Chefredakteur geben darf.

Zwischenzeitlich muss man an Til Schweiger denken, dem es auch immer wieder gelingt, ein ähnlich buntes Ensemble an renommierten und Möchtegern- Schauspielern vor der Kamera zu versammeln (auch Milan Peschel etwa ist in »Wuff« dabei). Anders aber als Buck verfügt Schweiger über ein untrügliches Gespür dafür, wie sich Romantik und Komik auf massenkompatible Art verbinden lassen. Buck gelingt diese Balance in »Wuff« an so gut wie keiner Stelle; die Romanze etwa, die Emily Cox und Kostja Ullmann im Berliner Forst zusammenführt, lässt kaum Funken von der Leinwand herabregnen.

Wenig originell auch die Dialoge (»Ob man einen Mann hat oder nicht, am Ende ist man immer allein«). Da wünscht man sich den Pep und die Unverschämtheit, den Cox in der TV-Serie »Jerks« an der Seite von Christian Ulmen zur Schau stellen darf. In kleinen Vignetten aber zeigt Buck auch in »Wuff« sein Talent. Etwa, wenn er die eigentlichen Stars des Films irgendwo zwischen Kreuzberg und Berlin-Mitte in einem hübsch montierten Hunde-Fußballspiel gegeneinander antreten lässt.

Wuff, Deutschland 2018, 113 Min., FSK ab 6, von Detlev Buck, mit Emily Cox, Harald Martenstein, Milan Peschel

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