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Debatte um die Zukunft des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer – Meinungen aus der heimischen CSU

Der Wunsch nach einem »geordneten Übergang«

Berchtesgadener Land – Wie lange wird Horst Seehofer noch bayerischer Ministerpräsident sein? Eine Frage, die aktuell nicht nur bei der CSU, sondern in der ganzen Bevölkerung diskutiert wird.

Als Festredner im Sommer beim Salzbergwerk-Jubiläum im Kongresshaus Berchtesgaden ahnte Horst Seehofer noch nicht, welche schwierige Zeit ihm bevorsteht. (Foto: Pfeiffer)

Welche Meinungen es in den CSU-Ortsverbänden des südlichen Landkreises sowie bei Landrat Georg Grabner und Landtagsabgeordneter Michaela Kaniber zu diesem Thema gibt, wollte der »Berchtesgadener Anzeiger« wissen und hörte sich um.

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Verärgert ist Landrat Georg Grabner über die Art und Weise, wie derzeit öffentlich über diese Frage diskutiert wird. Die Entscheidung, dass Horst Seehofer bald den Posten als Ministerpräsident aufgeben muss, sei zwar nichts Neues. »Allein aus Altersgründen«, sagt der Landrat auf Nachfrage des »Berchtesgadener Anzeigers«. »Aber wie die Diskussion abläuft, gefällt mir überhaupt nicht«, betont Grabner. Das schade der CSU.

Der Landrat ist nach eigener Aussage immer sehr gut mit Horst Seehofer ausgekommen. Dieser habe in Berlin auch für die kommunale Ebene viel bewegt. Nun sollten zunächst die Sondierungsgespräche zu Ende geführt werden. Auf die Frage, wen er als Nachfolger Seehofers für geeignet empfinde, wiegelt er ab: »Ich will mich nicht an dieser äußerlichen Debatte beteiligen.« Viel zu viele Leute aus verschiedenen Lagern würden sich dazu öffentlich äußern. »Man sollte sich lieber zusammensetzen, intern darüber reden und erst nach dem Parteitag an die Öffentlichkeit gehen«, so der Rat des Landrats.

Für die CSU-Kreisvorsitzende im Berchtesgadener Land, Michaela Kaniber, hat sich die Frage, ob eine erneute Spitzenkandidatur Horst Seehofers realistisch ist, bereits nach dem Wahldebakel am 24. September von selbst beantwortet.

»Mein Kreisverband hat zwei Tage nach der Wahl einen Beschluss gefasst, dass wir es nach so einem Wahldebakel für essenziell und unabdinglich halten, unseren Ministerpräsidenten in Ruhe die Sondierungen führen zu lassen.« Des Weiteren sei man sich einig gewesen, dass im Anschluss der Verhandlungen »ein geordneter wie gemeinschaftlicher Übergang für die Spitze einzuleiten ist, um somit eine Erneuerung für die CSU möglich zu machen«.

Wen Kaniber als möglichen Nachfolger sieht, macht die Landtagsabgeordnete deutlich: »Alleine wird das wohl niemand schaffen, aber wenn Sie mich persönlich fragen, ob Markus Söder der Richtige ist, so kann ich nur antworten, dass ich ihn für absolut fähig halte.«

Ähnlich sieht es der Bischofswieser CSU-Ortsvorsitzende Josef Pletzer. »Mit 68 Jahren darfst du schon einmal den Platz für Jüngere frei machen«, so der Gemeinderat. Er würde einen geordneten Übergang favorisieren, erwartet vom amtierenden Ministerpräsidenten aber eher, dass er »seinen Sessel nicht freiwillig räumen wird«. Keinen Hehl macht Pletzer daraus, dass er den amtierenden Finanzminister Markus Söder für einen geeigneten Nachfolger Seehofers hält. »Söder polarisiert zwar durchaus, aber er weiß, wovon er redet«, sagt der Bischofswieser.

Zur Besonnenheit in dieser Diskussion rät CSU-Gemeinderat Franz Graßl aus Schönau am Königssee. »Aktuell haben wir drängendere Probleme, nämlich die Regierungsbildung in Berlin«, sagt der Königsseer. Er ist der Ansicht, dass es mit Horst Seehofer als Ministerpräsident vorerst weitergehen kann, »wenn das Gesamtkonzept stimmt«. Auf jeden Fall sollte es einen geordneten Übergang geben – und den traut Graßl dem amtierenden Ministerpräsidenten immer noch zu. Ein möglicher Nachfolgekandidat ist für Graßl der amtierende Finanzminister Markus Söder. Ein echtes Urteil über den Franken will sich der CSU-Gemeinderat aber nicht erlauben, »weil ich ihn zu wenig kenne«.

Der Vorsitzende des CSU-Ortsverbandes Berchtesgaden, Sebastian Rasp, findet es richtig, dass über die Personalie Seehofer erst beim Parteitag abgestimmt wird. Ein »Putschversuch« wäre laut Rasp ein fataler Fehler gewesen. Denn: »Die schwierigen Sondierungsgespräche kann nur er führen.« Wie Sebastian Rasp weiter betont, brauche die CSU nicht nur die stärkste Mannschaft, sondern auch die stärksten Inhalte. Zur Frage, ob er Horst Seehofer weiterhin als Parteichef haben will, sagt der Ortsvorsitzende nur: »Seehofer hat große Leistungen für den Freistaat erbracht.« Bei potenziellen Nachfolgern denkt Rasp aber nicht nur an die »Platzhirsche« Dr. Markus Söder und Ilse Aigner, sondern auch an Dr. Marcel Huber, Manfred Weber und Joachim Herrmann.

Der CSU-Kreisrat und Ramsauer Gemeinderat Richard Graßl ist derselben Meinung wie Sebastian Rasp, was den Zeitpunkt der Diskussion über die Nachfolge betrifft: »Grundsätzlich sollte vor dem Parteitag über diese Frage nicht öffentlich diskutiert werden«, so Graßl. Jetzt sei wichtig, dass man die Positionen in der Sondierung und in den Koalitionsverhandlungen durchsetzt. Und hierbei sei es »alles andere als zielführend, den Spitzenvertreter Horst Seehofer infrage zu stellen«, so Graßl.

Dass aber über eine Nachfolge früher oder später gesprochen werden müsse, sei alleine altersbedingt klar. Wie wäre es mit Markus Söder als Seehofer-Nachfolge? »Die CSU hat in der Klasse einige zu bieten – nicht nur Söder«, antwortet Richard Graßl. Es sei nicht so, dass sonst kein Personal vorhanden ist. Hier nennt er Ilse Aigner und Manfred Weber.

Der Vorsitzende des CSU-Ortsverbandes Marktschellenberg, Dr. Michael Köhler, findet die Diskussion über einen möglichen Nachfolger von Horst Seehofer zum jetzigen Zeitpunkt ebenfalls unpassend. Auch wenn er nach eigenen Angaben nie ein »Seehofer-Freund« gewesen sei. »Aber im Moment schwächt es die Position der Partei.« Zu einem späteren Zeitpunkt, so Köhler, sollte sich Seehofer aber trotz vieler Verdienste überlegen, sich zurückzuziehen. Für die Nachfolge favorisiert Köhler Markus Söder. Er sei ein kluger und klar denkender Kopf und überzeugt Köhler auch durch seine rhetorischen Fähigkeiten und seine Einstellung. av/UK/cfs/ra