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Der wahre Soul: Sugaray Rayford und Durand Jones

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Sugaray Rayford
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Bärenstarker Soul: Sugaray Rayford. Foto: Label Foto: dpa
Durand Jones
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Soul vom Feinsten: Durand Jones und Band. Foto: Rosie Cohe Foto: dpa

Angesichts der Glätte vieler aktueller R&B-Produktionen streben immer mehr Musiker und Fans zurück zum klassischen Sound der 60er und 70er. Vorhang auf für bärenstarken Retro-Soul von Sugaray Rayford und Durand Jones & The Indication.


Berlin (dpa) - Es sind schon rein äußerlich zwei Kraftpakete, die derzeit für Furore in der Retro-Soul-Szene sorgen. Doch Caron Nimoy »Sugaray« Rayford und Durand Jones beeindrucken auch mit ihren gewaltigen Stimmen und ihrer wuchtigen Musik.

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Rayford stammt aus Texas und legt mit »Somebody Save Me« (Forty Below/H'Art) bereits sein fünftes Studioalbum vor. »I’m a freak of nature/I ain’t no honey bee/I’m an unknown creature/The like you’ve never seen«, röhrt der Black-Music-Berserker selbstbewusst im Opener »The Revelator«. Der angeblich rund zwei Meter große, 150 Kilo schwere Ex-Marine-Soldat hat tatsächlich ein Gesangsorgan, das wie eine Naturgewalt klingt.

Geschult an Meistern wie Muddy Waters, Otis Redding oder James Brown, verquirlt Rayford in seinen oft von knackigen Bläsern unterstützten Songs klassischen Stax- und Motown-Soul der 60er mit Blues und Gospel. Dass er aber nicht nur im tanzbaren, schwitzigen Uptempo zuhause ist, sondern ebensogut sehnsüchtige Balladen singen kann, beweist er etwa im Titelsong dieses hervorragenden, überwiegend live im Studio produzierten, sehr authentischen Albums.

Hervorzuheben ist aber auch seine Band: die Gitarristen Rick Holmstrom (Mavis Staples) und Eamon Ryland (The Happy Mondays), Bassist Taras Prodaniuk (Dwight Yoakam), Drummer Matt Tecu (Jakob Dylan), Sasha Smith (Sam Beam, Jesca Hoop) an den Keyboards - und die Bläsergruppe von »Late Night with Conan O’Brien«. Nach den leider jüngst gestorbenen Charles Bradley und Sharon Jones, neben Naomi Shelton & The Gospel Queens, Son Little und Curtis Harding (allesamt zu hören auf der CD-Beilage »Neo Soul« des aktuellen deutschen »Rolling Stone«) gehört Rayford nicht nur aufgrund seiner Körpermaße zu den großen Nummern des Retro-Soul.

Das gilt ganz ähnlich für Durand Jones aus dem US-Bundesstaat Indiana, der seit längerem mit seiner Band The Indications unterwegs ist. »American Love Call« (Dead Oceans/Cargo) ist ein etwas weicheres, souligeres, mehr am Motown-Sound der 70er orientiertes Album - Marvin Gaye, The Isley Brothers, The Stylistics oder Al Green lassen grüßen.

Dieser Gesamteindruck liegt auch an der zweiten Stimme neben Jones' rauem, kraftstrotzenden Bariton - Schlagzeuger Aaron Frazer setzt dem Boss häufig seinen zart schmelzenden Falsettgesang entgegen. »Wenn ich Musik schreibe, will ich es nicht mit einem Genie wie Stevie Wonder aufnehmen«, sagte Frazer gleichwohl bescheiden in einem »Intro«-Interview.

Für Jones wiederum hat »Soul immer auch ein soziales Element, weil es die Musik der Unterdrückten ist. Selbst in Party-Hymnen oder eben Liebesliedern schwingt das mit.« Die Kritiker sind zu Recht begeistert von dieser Mixtur aus purer Soul-Harmonie und politischem Bewusstsein (das etwa im sozialkritischen Titelsong »American Love Call« deutlich durchklingt). »Makelloser und ewig gültiger Soul«, urteilte beispielsweise der britische »Guardian«.

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