weather-image

Der tänzerische Charakter in der klassischen Musik

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Christian Simonis schwört auf lauter Highlights im Jubiläumsjahr. (Foto: Aumiller)

»Wir haben nur Highlights. Unser Programm liest sich wie ein spannender Krimi«, antwortet Christian Simonis im Gespräch mit unserer Zeitung auf die Frage nach den besonderen Höhepunkten des Jubiläumsjahres. Die neue Saison startet mit der bereits begonnenen Philharmonischen Weihnacht, dem Weihnachtsoratorium, der Barocken und der Alpenländischen Weihnacht sowie den Silvesterkonzerten.


»Die Programme der Reichenhaller Philharmoniker im Jubiläumsjahr 2018 bringen den tänzerischen Charakter in der klassischen Musik zum Ausdruck. Das reicht von der Wiener Klassik bis in die Moderne«, erklärt Simonis. Die tänzerischen Elemente haben sich aus dem Volkstanzbrauchtum und den höfischen Tänzen entwickelt und die Komponisten haben die Tanzrhythmen schon in Renaissance und Barock, bei Bach und Mozart, in der Wiener Klassik bis hin zur zeitgenössischen Musik auf unterschiedlichste Weise in ihre musikalischen Formen mit eingeflochten. »Auch z. B. bei der vierten Symphonie von Johannes Brahms verzahnen sich immer wieder expressive tänzerische Rhythmen oder auch in Alban Bergs Violinkonzert spielt der Wienerische Rhythmus eine Rolle«, wie der Generalmusikdirektor anmerkt. Zahllose weitere Beispiele lassen das erspüren. Was ist das Besondere an der dirigentischen Aufgabe bei den hiesigen Philharmonikern? »Es ist die wunderbare Mischung, die wir im Orchester haben, womit wir uns sowohl als klassisches Sinfonieorchester als auch mit der unterhaltenden Kurmusik profilieren. Ich kann meine langjährigen Erfahrungen in die Arbeit einfließen lassen, seien es die Schätze aus unserem Archiv, die Porträt- und Themenkonzerte oder die Abonnementkonzerte. Es beeindruckt mich immer wieder, wie bravourös die Kollegen und Kolleginnen die unterschiedlichen Programme bewältigen und sich in beiden Richtungen mit gleichem Ernst und gleicher Sorgfalt engagieren«, bewundert der Orchesterchef seine Musiker.

Anzeige

Und die Abonnementkonzerte liegen dem Chefdirigenten besonders am Herzen. Er sieht es als ungeheuren Vorteil für musikliebende Abonnenten, durch einen fixen Termin der Musik den Vorzug vor anderen Vergnügungen einräumen zu können, dazu komme noch der ermäßigte Eintrittspreis. Diese Konzerte seien auch ein gesellschaftliches Ereignis, ein regelmäßiger gemeinsamer Treffpunkt, um sich mit Freunden vergnüglich auszutauschen.

Eine Besonderheit ist schon der Start in den Abonnement-Zyklus »Salto Mortale« im Januar mit der fünften Sinfonie von Gustav Mahler, die mit dem Trompetensignal zu Beginn Aufforderungscharakter hat. Damit empfiehlt sich bereits ein erster großer Höhepunkt. »Balance« im April bringt die Begegnung mit dem renommierten Wiener Pianisten Stephan Vladar, der sowohl Beethovens fünftes Klavierkonzert spielt als auch die siebte Sinfonie von Antonín Dvorák dirigiert.

In »Arabesque« im Juni findet sich deutsche Romantik in Luis Spohrs Konzert für zwei Violinen, das Ingolf Turban, der hier schon eine Fangemeinde hat, zusammen mit der Geigerin Anna Sophie Dauenhauer interpretieren wird, gefolgt von russischer Romantik in Form von Nikolai Rimski-Korsakoffs »Scheherazade«. Am Pult steht Cornelia von Kerssenbrock.

Der international erfolgreiche Pianist Herbert Schuch und Christian Simonis schaffen »Substanz« im September mit den beiden Giganten, dem Klavierkonzert von Johannes Brahms und Beethovens »Eroica«. Schuch ist aus Rumänien gebürtig, am Mozarteum ausgebildet, hat seinen Wohnsitz in Rosenheim und tourt weltweit mit namhaften Orchestern und Dirigenten. Im Oktober kommt dann das »Tanzfieber« so recht in Schwung und zeigt in einer »Hommage à Johann Strauss«, wie sehr das tänzerische Element auch andere Komponisten wie etwa Richard Strauss oder Maurice Ravel befruchtet hat.

Das Jubiläumsjahr ist also stark auf beides, Symphonik und Tanzkompositionen, ausgerichtet. Davon profitieren auch die Mozart-Tage im März und nicht zuletzt das Johann-Strauss-Festival im September. Besonders freut sich Christian Simonis noch auf die gemeinsame Veranstaltung mit der Münchner »Wilden Gung’l« im Mai sowohl hier als auch in München. Dass zwei Orchester sich auf Josef Gung’l berufen, zeige dessen Bedeutung als Orchesterbegründer in Bad Reichenhall. Die Philharmoniker hier könnten stolz sein auf ihren Gründer, der in seinen Konzerten mit der Kombination von Werken Richard Wagners mit Walzerkompositionen den Grundstein für solche Tradition gelegt habe. Elisabeth Aumiller