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Der Schneider und sei' Sach

Schneider hat sich von dem Pertensteiner »Schlossherrn« Hans Lauber – das Haus gehört seit rund 20 Jahren dem Heimatbund Schloss Pertenstein – überreden lassen, ins Haus einzuziehen und es bei der Gelegenheit, mit finanzieller Unterstützung des Heimatbundes, auch wieder in einen bewohnbaren Zustand zu versetzen. Denn das Haus, um 1770 entstanden, war samt den vielen interessanten, teilweise noch original erhaltenen Details im Laufe der Zeit in einen bedenklichen Bauzustand geraten.

Vornehme, aber arbeitsintensive Aufgabe

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Jetzt aber hat sich, angeregt und von Lauber mit Nachdruck darauf hingeführt, der junge Künstler daran gemacht, dem Haus wieder neues Leben einzuhauchen, es zu sanieren und bewohnbar zu machen. Mathias Schneider hat damit eine vornehme, aber auch sehr schwierige und arbeitsintensive Aufgabe übernommen. Wie sich's drin wohnen lässt, das probiert er gerade aus: Vorige Woche ist er fest eingezogen.

Vor dieses hoffentlich schöne Wohngefühl hatte der Zahn der Zeit aber eine Menge Schweiß gesetzt. Eine der ersten größeren Baumaßnahmen war die Renovierung des Kamins und der Einbau eines mächtigen Grundofens. Der voluminöse Ofen soll die Bausubstanz trocknen und somit die allgegenwärtige Feuchtigkeit und Klammheit aus dem Gebäude vertreiben.

Hans Lauber quasi als »Besitzer« des Hauses freut sich über seinen engagierten Mieter und auch über den neuen Ofen. Der hat auch noch eine optische Besonderheit aufzuweisen: Er ist mit antiken Kacheln dekoriert. Diese hat Ortsheimatpfleger Hans Danner »organisiert«: Sie stammen aus dem einstigen Schneider-Anwesen – schon wieder Schneider – in Frühling, das 1993 abgerissen worden war. Danner hat die Kacheln aus dem 16. Jahrhundert beim Abbruch gerettet. Auf der Basis dieses Kachelofens und in Verbindung mit einem Pufferspeicher wird das Haus erwärmt und ausgetrocknet. Dabei führen an allen Außenmauern am Boden Kupferrohre entlang, deren Wärme das Austrocknen der Wände beschleunigen und für eine angewärmte Grundtemperatur im Haus sorgen soll.

Von außen eher winzig, innen durchaus geräumig

Die weiteren Aufgaben der Renovierung, die jetzt im Gröbsten abgeschlossen ist, waren vielfältig: Beim Putz war einiges auszubessern, ebenso waren Risse in den Decken zu verputzen. Die Holzbestandteile im Obergeschoß – außen verputzt, innen Holz – wurden teilweise abgeschliffen, ausgebessert und gestrichen. Die Böden wurden geschrubbt. Und auch im Bad gab es viel zu tun. Die Fenster sind noch abzudichten, was Schneider als gelernter Schreiner natürlich selber machen wird, wenn er Zeit dazu hat. Außerdem muss er noch Winterfenster bauen, also jeweils ein zweites Paar Fensterflügel, um das Innere besser gegen die Kälte isolieren zu können.

Das Haus, das von außen eher winzig wirkt, ist im Inneren durchaus geräumig: fünf Räume, wiewohl recht klein, im Obergeschoß, ein großer Raum und drei kleinere Räume im Erdgeschoß, dazu Flur und Treppe. Und es gibt auch noch ein über eine Luke zu erreichendes Dachgeschoß. Das Dach übrigens ist noch in recht ordentlichem Zustand: Ein Gutachter soll laut Hans Lauber davon gesprochen haben, dieses würde noch 100 Jahre lang herhalten.

Im Jahr 1991 haben, wie Ortsheimatpfleger Hans Danner berichtet, Fachleute das Frauenbrunn-Haus intensiv untersucht. Dabei hat sich herausgestellt, dass die meisten Bestandteile im Inneren wohl nicht mehr original sind. Eine Ausnahme könnten laut Danner etliche Fenster im Obergeschoß sein. Es befinden sich im Haus auch noch viele alte Einrichtungsgegenstände, die Danner allerdings als »kunterbunte Möblierung« bezeichnet, insgesamt aber alle jüngeren Datums, nicht mehr aus der Gründerzeit. Für Mathias Schneider stellte sich auf diesem Hintergrund die Aufgabe, das bestehende Mobiliar zu ergänzen: teils mit alten Möbeln aus seinem Elternhaus, teils mit Fundstücken aus Schloss Pertenstein, teils mit selber geschreinerten Möbeln.

»Haus der Kunst« soll entstehen

Bis zum Winter soll auch die Heizung so weit sein, dass man nicht mehr frieren muss. Und dann will Schneider hier im Laufe der Zeit ein »Haus der Kunst« entstehen lassen. Er hofft, dass aus dem alten Frauenbrunn-Haus eine Begegnungsstätte wird, eine Anlaufstelle, in der sich vor allem Künstler aus ganz unterschiedlichen Bereichen treffen. So wie all die Generationen im Haus ihre Spuren hinterlassen haben, so will auch er ihm seinen Stempel aufdrücken. he