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Der Schneegänger

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Der Schneegänger
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Das ungleiche Ermittlerduo Sanela Beara (Nadja Bobyleva) und Kriminalhauptkommissar Lutz Gehring (Max Riemelt). Foto: Gordon Muehle/ZDF/Network Movie/Arte/dpa Foto: dpa

Ein kleiner Junge bleibt zwei Jahre lang spurlos verschwunden - bis seine Leiche gefunden wird. Ein Ermittlerteam macht sich im TV-Krimi an die Aufklärung.


Berlin (dpa) - Ein Junge geht mit seinem Vater in den verschneiten Wald, die beiden scheinen sich gut zu verstehen. Der Papa will einen angeblich kranken Wolf erschießen, was sein Sohn durch lautes Rufen verhindert.

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Kurz danach ist der Junge wie vom Erdboden verschluckt. So beginnt der Krimi »Der Schneegänger«, der an diesem Freitag um 20.15 Uhr auf Arte zu sehen sein wird.

Zwei Jahre später werden Teile der Leiche des damals elfjährigen Darijo (Talin Bartholomäus) im Berliner Grunewald gefunden. Seine Mutter Lida (Edita Malovcic) bricht bei der Nachricht zusammen, ihr Ex-Mann Darko (Stipe Erceg) reagiert geradezu explosiv. Er verachtet Lida, seitdem sie ihren früheren Chef, Günter Reinartz (Bernhard Schir), geheiratet hat, in dessen Villa sie als Haushälterin gearbeitet hatte.

Kriminalhauptkommissar Lutz Gehring (gut: Max Riemelt) übernimmt den Fall, zusammen mit der jungen Streifenpolizistin Sanela Beara (noch besser: Nadja Bobyleva). Sie hatte vor zwei Jahren schon einmal Befragungen in der Familie angestellt, und da sie als Kind aus Kroatien nach Deutschland kam, erhofft sich Gehring von ihr gewisse Einblicke, die ihm als Deutscher verwehrt bleiben.

Das klappt auch zunächst ganz gut, denn Beara schleust sich selbst als Haushaltshilfe in die Familie Reinartz ein, um dort verdeckt zu ermitteln. Denn auch sie war nach Darijos Verschwinden davon ausgegangen, dass er entführt wurde, weil er mit einem der beiden verwöhnten Söhne des Hausherrn verwechselt worden war. Allmählich stellt sich jedoch heraus, dass der Junge geraume Zeit vor seinem Tod schwer misshandelt wurde und kurz nach seinem Verschwinden starb. Doch von den Misshandlungen will angeblich niemand etwas mitbekommen haben.

Regisseur Josef Rusnak (61, »Berlin, I love you«) hat seinen Krimi nach der Buchvorlage von Elisabeth Herrmann (60, »Das Dorf der Mörder«, ebenfalls vom ZDF verfilmt) gedreht, die auch das Drehbuch schrieb. Einige Änderungen gibt es im Film schon, aber im Wesentlichen hält er sich an die Vorlage. Durch die filmischen Rückblenden wird hier gut deutlich, wie die Figuren durch ihre teils gemeinsame Vergangenheit aneinander geschweißt sind. Und wie sehr Polizistin Beara unter dem Verlust ihrer Mutter leidet, die in ihrer Heimat von einem Soldaten erschossen worden war, der Darko gewesen sein könnte.

Doch wie schon im Buch werden auch im Film viele falsche Fährten gelegt. In dem durchweg spannenden Film, der viel im mystischen Wald samt Wolfsgeheul spielt, taucht alsbald nicht nur für die Ermittler, sondern auch für den Zuschauer ein wahrer Abgrund auf - aus verletzten Gefühlen, bitteren Enttäuschungen, blankem Egoismus und tiefem Verlustschmerz. Am schlimmsten aber ist, dass niemand genau hingeschaut hat, was mit Darijo passiert ist - weil es niemand sehen wollte, auch die eigenen Eltern nicht.

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