weather-image

Der Ruhm und seine Vergänglichkeit

4.0
4.0
Bildtext einblenden
Die »One Hit Wonder Show« brachte im Traunreuter k1 Lieder auf die Bühne, die ihren Interpreten nur kurzen Ruhm eingebracht haben. (Foto: Heel)

Einen Nonstop-Ausflug in die Welt der musikalischen Eintagsfliegen hat die Formation »One Hit Wonder Show« bei ihrem Auftritt im Saal des Traunreuter k1 präsentiert. Entstanden ist der Begriff Mitte der 50er Jahre, als viele kleine Plattenfirmen dem Erfolg von Elvis Presley mit eigenen Interpreten nacheiferten, wobei man auf schnelle Charterfolge, nicht aber auf die Langlebigkeit der Künstler Wert legte. Oder anders gesagt: Ein Hit, und wieder weg vom Fenster.


Die sechsköpfige Band um Bernhard Schmied und die Sängerin Miriam Lederer eröffnete das Programm im k1 mit dem Song »Like A Snake« von Peacock Palace (1991) und spielte mit »The Days Of Pearly Spencer« auch einen Klassiker aus dem Jahr 1967. Geschrieben von dem Iren David McWilliams, erreichte der Song aber erst 1992 in der Coverversion von Marc Almond die britischen Top Ten.

Anzeige

Ein Erfolg, von dem McWilliams nichts mehr abbekommen hat, wie Bayern-3-Moderator Ulli Wenger, der kenntnisreich, wenn auch wenig ausschweifend durch den Abend führte, dazu erklärte: McWilliams hatte die Lizenzrechte an seiner Musik inzwischen verkauft.

Mit ähnlichen Hintergrundinformationen und Anekdoten wartete Ulli Wenger auch zu anderen Songs auf, die dank der kraftvollen Stimme Miriam Lederers und der soliden Rock-Power der energisch aufspielenden Band beim Publikum derart gut ankamen, dass bald schon Party-Stimmung herrschte und immer mehr Besucher seitlich der Stuhlreihen zu tanzen anfingen, angeheizt von Hits wie »Send Me An Angel« (Real Life, 1983), »Video Killed The Radio Star« (The Buggles, 1979) oder »Voyage, Voyage« (Desireless, 1989).

Eine besonders amüsante Anekdote hatte Ulli Wenger zu dem Blues-Rock-Song »Black Velvet« parat, mit dem die kanadische Sängerin Alannah Myles 1989 in vielen Ländern Spitzenpositionen in den Charts erreicht hatte: Demnach hatte Komponist Christopher Ward bei einem Besuch in Elvis Presleys Villa »Graceland«, wo er anlässlich von Presleys zehntem Todestag einen Fernsehbeitrag vorbereiten wollte, eine Dose Haarfärbemittel namens »Black Velvet« entdeckt.

Zu Ende ging das Konzert mit der lebensbejahenden und vor Galgenhumor nur so strotzenden Mitpfeifnummer »Always Look On The Bright Side of Life« aus dem Monty-Python-Film »Das Leben des Brian« (1991), entsprechend aufgekratzt agierten die Zuschauer, die nach drei Stunden mitreißender Musik noch immer nicht genug hatten, wie es schien. Wolfgang Schweiger