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Der Nemec hinter dem Batic

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Miroslav Nemec erzählte Anekdoten und Geschichten, machte aber auch mit seiner Band »Asphyxia« Musik auf Schloss Triebenbach. (Foto: Heel)

In seiner Rolle als Münchner Tatort-Kommissar Ivo Batic, die er seit 1991 spielt, ist der Schauspieler Miroslav Nemec einem breiten Publikum bekannt geworden. Weniger bekannt ist, dass der 1954 in Zagreb geborene Akteur, den seine Eltern mit zwölf Jahren nach Freilassing schickten, »damit er's mal besser habe«, auch in der Musik zuhause ist und seit seinem fünften Lebensjahr Klavier spielt. Eine Begabung, die ihn letztendlich ans Salzburger Mozarteum führte, wo er einen Abschluss als Fachlehrer für Musik machte. Dass er schließlich Schauspieler geworden ist, hat er einer der vielen Frauen zu verdanken, die sein Leben begleiteten.


Davon und einiges mehr erzählte er bei seinem Auftritt bei den Salzach-Festspielen auf Schloss Triebenbach, wo er unter dem Motto »Der Nemec hinter dem Batic« seine Autobiografie »Miroslav Jugoslav« vorstellte – ein Spitzname, den er während seiner Zeit in Freilassing bekommen hatte. Begleitet wurde er dabei von seiner noch zu Schulzeiten gegründeten Band »Asphyxia«, verstärkt von einem weiblichen (und jüngeren) Neuzugang.

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Eine der ersten Anekdoten und kleinen Geschichten, die Nemec lebhaft und gut gelaunt zum Besten gab, betraf die »Schwammerl«, eine sehr naturverbundene Lehrerin am Traunsteiner Gymnasium, die Nemec, der »nicht gerade eine Leuchte in Chemie war«, des Öfteren aufgefordert hatte: »Nemec, Platz bitte!« Musikalisch ging es mit einer tollen Version von Rio Reisers »Unten am Ufer« los, gefolgt von »With A Little Help From My Friends«. Zwei Lieder aus Miroslav Nemecs kroatischer Heimat, neu und rockig arrangiert, schlossen sich später an.

Zu seinen eindringlichsten Schilderungen zählten die Wohnverhältnisse in Zagreb, wo die Familie in einer Garconnière untergebracht war. Ein Begriff für Einzimmerwohnung, der aus dem Französischen stammt und vor allem in Österreich noch gebräuchlich ist. Eine Küche gab es nicht, dafür ein Badezimmer, das als Allzweckraum diente, mit einem Brett auf der Badewanne als Küchenzeile. Gegenüber stand der Esstisch, sodass »ich als Kind auf dem Klo saß, während mein Vater aß«, erinnerte sich Nemec. »Das Fenster blieb zum Lüften offen – auch im Winter. Es war arschkalt.« Zum Duschen ging es samstags in eine öffentliche Badeanstalt.

Kein Wunder also, dass unter diesen Umständen im autoritär geführten Jugoslawien unter Staatspräsident Tito auch der politische Witz Hochkonjunktur hatte, wie Nemec ausführte. Zum Beispiel die Frage eines Parteigenossen an einen Zigeuner, warum er bei der letzten Sitzung nicht dabei gewesen sei. »Ach«, erwidert der Mann, »wenn ich gewusst hätte, dass es die letzte ist, wäre ich bestimmt gekommen.«

Kurzum, ein wunderschöner Abend, der leider so vorzeitig wie abrupt zu Ende ging. Denn kaum hatten Miroslav Nemec und Band den rein musikalischen Teil des Programms eröffnet, angefangen mit André Hellers »Wann i amal stirb« und dem Cream-Klassiker »White Room«, übernahmen Wind und Regen die Regie und zwangen den Veranstalter, das Publikum umgehend nach Hause zu schicken. Wolfgang Schweiger