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Der Angeklagte beschrieb sich selbst als »Opfer der Bank«. (Foto: privat)

Der mysteriöse Herr H. – Unterschriften von früherem Bankmitarbeiter gefälscht

Freilassing/Laufen – Bei der Polizei hatte der 48-jährige Finanzberater die mehrfache Fälschung der Unterschrift eines Herrn H. noch eingeräumt. Vor dem Laufener Schöffengericht bestritt er jedoch die Anklage, beschrieb sich selbst wortreich als »Opfer der Bank«. Ein anderer, ein Herr S., habe ihm dort jede Unterstützung verweigert. Gleichwohl lautete die Anklage der Staatsanwalt auf dreifache Urkundenfälschung und Betrug. Weil die Richter die ganze Sache schließlich in »einem milderen Licht« sahen, beließen sie es bei einer Geldstrafe. Die aber beträgt immerhin 75.000 Euro.


Eine Irritation dabei: Einen Herrn H. hatte es bei der Salzburger Bank nie gegeben. Und bei der gleichnamigen niederbayerischen Niederlassung sei der schon lange nicht mehr tätig. Zudem hätten die beiden Zweige dieser Bank nichts miteinander zu tun. Diese bayerische Bank hatte im Mai 2021 einen Geldwäscheverdacht an die Kripo Traunstein gemeldet, nachdem der angeklagte Freilassinger 112.000 Euro auf andere Konten transferiert und Geld in Kryptowährungen angelegt hatte.

Der Familienvater hatte im Jahr 2007 einen Kredit über 300.000 Euro erhalten. In Schweizer Franken. Seinem späteren Wunsch auf eine Konvertierung sei man nie nachgekommen. Zur Sicherheit trat der Angeklagte seinen Rentenversicherungsvertrag an die österreichische Bank ab. »Ich habe gebeten und gebettelt, mich da rauszulassen«, behauptete der 48-Jährige, der seine Schulden mit 300.000 Euro beschrieb und seine Verluste auf 700.000 Euro bezifferte. Selbst seine Kunden hätten damit drei Millionen Euro verloren, was er teilweise aus eigener Tasche beglichen habe.

»Nach Aktenlage wollten sie raus, aber die Bank hat nicht reagiert«, fasste es Vorsitzender Richter Martin Forster zusammen. »Sie haben irgendwann die Nerven verloren und selbst gehandelt.« Und sich dafür alter Bankformulare bedient. Im September 2019 beantragte der Freilassinger, seinen Versicherungsvertrag beitragsfrei zu stellen. Im Anhang eines der gefälschten Schreiben der österreichischen Bank mit der Unterschrift des Herrn H., um deren Einverständnis vorzutäuschen. Als die Versicherung den Angeklagten aufforderte, das Einverständnis des Rechtsinhabers einzureichen, übersandte er eine angeblich ebenfalls von Herrn H. unterschriebene Zustimmung zur Beitragsfreistellung.

Im März 2021 folgte ein weiteres Schreiben mit der sofortigen Kündigung der Versicherung, was zur Auszahlung von 112 000 Euro geführt hat. Aufgrund eines Geldwäscheverdachts durchsuchten Beamte frühmorgens zwei Objekte des Mannes. »Acht Polizisten mit Maschinengewehren und ich in Unterhose«, schilderte der Angeklagte diesen Tag. Ein beteiligter Beamter der Kripo Traunstein verneinte die Maschinenpistolen und beschrieb den Angeklagten als »souverän«, der erklärt habe, er stehe zu den Taten, selbst wenn die »vielleicht nicht ganz in Ordnung waren«.

Ein Kollege der PI Traunstein bestätigte das »Geständnis« des Angeklagten und die Verwendung einer Vorlage aus früherer Zeit. Von der Salzburger Bank war ein aktuelles Muster mit Briefkopf ans Gericht ergangen. Zudem finden sich darauf stets ein Firmenstempel und die Unterschriften zweier Mitarbeiter, nicht aber jene des Kunden. Dort in Salzburg arbeitet ein Herr S., dem der Angeklagte massive Vorwürfe machte. »Ich kämpfe seit 2011. Der ging nie ans Telefon. Es war die Hölle.« Dass dieser Herr S. hier nicht zu einer Aussage bereit sei, verwundere ihn daher nicht. Der Vorsitzende bestätigte die Probleme mit diesem Bänker, der selbst gegenüber einer bayerischen Staatsanwältin den Hörer aufs Telefon geknallt habe.

Der Freilassinger ist nicht vorbestraft, obwohl gegen ihn bereits wegen Betrugs ermittelt worden war. »Auf menschlicher Ebene nachvollziehbar, dass er es schließlich selbst in die Hand nahm«, beurteilte Staatsanwalt Severin Köpnick das Handeln des 48-Jährigen. »Doch die Version heute passt hinten und vorne nicht.« Durch den Wegfall der Kreditsicherung sei es zu einer Vermögensgefährdung gekommen. Köpnick beantragte eine Freiheitsstrafe von 21 Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Dazu eine Geldauflage.

Rechtsanwalt Hans-Jörg Schwarzer blieb nichts anderes übrig, als im Sinne seines Mandanten Freispruch zu fordern: »Er sagt, er war's nicht. Daher keine Urkundenfälschung, und weil keine Urkundenfälschung, auch kein Betrug.« Der Angeklagte entschuldigte sich für diesen »Wahnsinn«, aber er habe »nichts gemacht«. Vorsitzender Forster sprach von einem »eher atypischen Fall«. So habe der Angeklagte sein Geständnis widerrufen, als er gemerkt habe, die Sache sei »nicht ohne«. Das Vermögen der Bank sei konkret nicht gefährdet gewesen und die Sache inzwischen bei einer Rupertiwinkler Bank in geordneten Händen. Das Schöffengericht entschied auf eine Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu je 250 Euro.

Weil die Sorge des Freilassingers seiner beruflichen Zukunft galt, beruhigte Forster: »Ich werde das Urteil so ausfertigen, dass ihre Zwangslage zum Ausdruck kommt.«

Hannes Höfer