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Der letzte Vorhang für das Schwabenkino

Berchtesgaden - Das Schwabenkino war 63 Jahre lang Anlaufstelle für Filmfreunde. Damit ist jetzt Schluss. Ende November schließen die beiden Kinosäle für immer. Betreiber Hans Klegraefe blickt wehmütig dem Ende entgegen. Eine weitere Investition lohnt sich aber nicht. Das Gebäude ist in die Jahre gekommen, der Kinostandard ist mittlerweile ein anderer, der Konkurrenzdruck aus dem benachbarten Salzburg zu groß.

Hinter Chips und Süßigkeiten versteckt: Hans Klegraefe an seinem Noch-Arbeitsplatz. Foto: Anzeiger/kp

Die Schwingtür, der verwinkelte Eingangsbereich, die zwei kleinen Kinosäle. Retrofreunde, die das Schwabenkino betreten, werden unweigerlich mit Erinnerungen konfrontiert. Hier, in der Nähe des Berchtesgadener Bahnhofs, hat das Digitalzeitalter noch lange nicht begonnen. Die Filme, die hier gespielt werden, kommen noch auf klassischen Rollen daher. »Das ist alles bald Geschichte«, sagt Hans Klegraefe, während er an einem der wenigen Tische am Eingang sitzt. Dort, wo Filmfreunde mit dem Popcornessen beginnen, während sie darauf warten, in den Kinosaal hineingelassen zu werden.

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Der kleinere der beiden Säle umfasst nur knapp 60 Sitzplätze. Nicht viel, dafür fühlt man sich zu Hause angekommen. Hans Klegraefe hat schon als Kind seinen Eltern beim Abreißen der Eintrittskarten geholfen. Mit Herzblut war und ist er bei der Sache dabei. Doch der Konkurrenzdruck aus Salzburg mit seinen Multiplexkinos wird immer größer. Früher gab es noch Säle in Ruhpolding, in Inzell oder in Freilassing. Doch das war einmal. Heute sind alle weg. Die Kinokultur befindet sich auf einer Talfahrt.

Die Filmauswahl, das Drumherum - mit der heutigen Entwicklung konkurrieren können die Schwabenkinos schon lange nicht mehr. »Wer hier reingeht, legt Wert auf andere Dinge«, sagt Klegraefe. Das Sterben der Lichtspielhäuser ist bezeichnend in einer Region, in der ein österreichisches Multiplexkino mit einem Einzugsgebiet von knapp 100 Kilometern den Takt vorgibt. Wer nicht mithält, der gibt auf. Vielen ist bereits die Puste ausgegangen. Oder er besinnt sich auf andere Genres, abseits des Mainstreams.

Wenn Klegraefe Ende November sein Geschäft schließt, wird es im gesamten Landkreis nur noch zwei Kinos geben. Das Park-Kino in Bad Reichenhall mit drei Sälen und das Kurkino im Berchtesgadener Kongresshaus. Das soll auch zukünftig existieren. Klegraefe hat an eine Erweiterung gedacht. Zwei Jahre lang kämpfte er darum, dass er mithilfe eines Investors weitere Kinosäle mit neuester Technik in das Kongresshaus, das kurz vor dem Umbau steht, integrieren könne. Doch der Erfolg blieb ihm verwehrt. »Wir müssten das Dach des Kongresshauses anheben lassen.« Die damit verbundenen Kosten sind immens - bis zu 800 000 Euro. Kinosäle müssen mindestens sechs Meter hoch sein. Und somit starb auch diese Idee, neue Kinos nach Berchtesgaden zu bringen.

Jetzt, nachdem die Schwabenkinos schließen, versucht es Klegraefe mit dem einen verbliebenen Saal im Kongresshaus. Erst mal wird kräftig investiert. Komplette Digitaltechnik, 3D. Und ein neues Konzept. »Bis zu fünf Vorstellungen werden wir pro Tag spielen«, sagt er. Los geht es bereits am frühen Nachmittag. Ein bunt gemischt gestaltetes Kinoprogramm soll es nach den Vorstellungen des Betreibers geben. Im Zweistundentakt laufen weitere Filme, bis hin zur Spätvorstellung. Allerdings wird die Flexibilität darunter etwas leiden. Denn mit einem Kinosaal ist das so eine Sache.

Die Filmverleiher haben strikte Regeln. Neue Streifen, etwa der Anfang November anlaufende James-Bond-Film »Skyfall«, müssen über Wochen täglich gezeigt werden. »Darunter könnte die Aktualität leiden«, sagt Klegraefe, weiß aber, dass er sich da nichts vorzumachen braucht. Im Laufe der letzten Jahre hat der Zuspruch für das Kurkino deutlich zugelegt. Das mag auch daran liegen, dass dieses erst vor wenigen Jahren runderneuert wurde. kp