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Der Kroatien-Krimi: Tote Mädchen

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Der Kroatien-Krimi: Tote Mädchen
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Kommissarin Stascha Novak (Jasmin Gerat, r), Emil (Lenn Kudrjawizki, M) und Borko (Kasem Hoxha, hinten) nehmen Vito Pavlovic (Dejan Bucin) ins Visier. Foto: Conny Klein/ARD Degeto/dpa Foto: dpa

Staffelübergabe beim Kroatien-Krimi: Schauspielerin Jasmin Gerat gibt ihr Debüt als Ermittlerin in Split. Sie bekommt es direkt mit skrupellosen Mädchenhändlern zu tun.


Berlin (dpa) - Von Amsterdam über Barcelona und Bozen bis nach Tel Aviv und Zürich: Die ARD-Donnerstagskrimis kann man auch als eine Auswahl beliebter Reiseziele der Deutschen ansehen. Und wenn sich das Fernweh in Zeiten des Coronavirus arg in Grenzen hält, kann man immer noch im öffentlich-rechtlichen Reisebüro einchecken. Nur sollten diese 90-minütigen Kurztrips mehr bieten als ein paar hübsche Ansichten und etwas Urlaubsflair.

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Seit 2016 läuft der Kroatien-Krimi im Ersten, gedreht wird an der malerischen Adriaküste und in der Altstadt von Split, aber auf Postkartenmotive lässt sich diese Reihe mit ihrem multikulturellen Ensemble nicht reduzieren. Der neue Fall »Tote Mädchen«, der am Donnerstag um 20.15 Uhr im Ersten läuft, ist sogar reichlich morbide und düster geraten.

Im tristen Industriehafen von Split wird ein ertrunkenes Waisenmädchen gefunden, es war erst zwölf Jahre alt, und die Ermittler um Kommissarin Branka Maric (Neda Rahmanian) gehen von einem Verbrechen aus. Schnell gerät Maric selbst in den Fokus. Bei einem Rendezvous auf der protzigen Jacht ihres Lover Lado (Aleksandar Jovanovic) geht eine Bombe hoch, für die beiden kommt jede Hilfe zu spät.

Der Tod ihrer Chefin ist natürlich ein Schock für das Team um Polizeichef Kovacic (Max Herbrechter) und seine beiden Kommissare Emil (Lenn Kudrjawizki) und Borko (Kasem Hoxha). Zudem kommt aus der Hauptstadt Zabreb die ungeliebte Kollegin Stascha Novak (Jasmin Gerat) als Ersatz an die Küste. Und die mischt die behäbige Truppe ordentlich auf. Dabei haben die Dienstältesten bei der Polizei bereits die Devise ausgegeben, die unbeliebte Novak bei den Ermittlungen ins Leere laufen zu lassen.

Dem Kroatien-Krimi tut die neue Hauptdarstellerin Jasmin Gerat (»Kokowääh«, »Im Tunnel«) sichtlich gut. Die burschikose, nie um einen Spruch verlegene Powerfrau geht mit reichlich Drive an die Ermittlungen heran und lässt ihre biederen Kollegen dabei blass aussehen. Die sitzen gemütlich beim Mittagessen auf der Terrasse, während die Novak im Stehen bereits die nächsten Fahndungsschritte anvisiert.

So richtig überzeugend wirkt der Fall in der Regie von Michael Kreindl (Buch: Christoph Darnstädt) allerdings nicht, im traurigen Mädchenschlepper-Plot fehlen die Lichtblicke und etwas mediterrane Leichtigkeit. Die vergreisten Polizeichefs in Split wirken zudem wie ein übrig gebliebenes Politbüro aus kommunistischen Zeiten, eine schlechte Parodie auf die Oldies aus der »Muppet Show«. Und eine so übelgelaunte, zumeist vorwurfsvoll blickende Pathologin wie hier braucht auch niemand.

Die Reihe benötigt dringend eine Frischzellenkur, und für diese Aufgabe scheint Jasmin Gerat genau die Richtige zu sein. Als der Fall gelöst ist, fragt die Neue ihren kreuzbraven Kollegin Emil, was er denn nach Dienstschluss vorhabe. Der antwortet, dass er zu seiner Mutter zum Essen gehe. Wie jeden Tag. Da lächelt die neue Kollegin vielsagend - zwischen den beiden könnte sich noch etwas entwickeln.

Man darf gespannt sein, die nächste Episode des Kroatien-Krimis mit dem Titel »Tränenhochzeit« läuft bereits eine Woche später.

Der Kroatien-Krimi in der ARD