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Der Kilimandscharo als Geburtstagsgeschenk

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Berchtesgaden: Kilimandscharo als Geburtstagsgeschenk – »Kempinski«-Chef und Sternekoch besteigen Gipfel
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Aufstieg bei Sonnenaufgang.

Berchtesgaden/Moshi – Auf den Tag genau einen Monat nach seinem 40. Geburtstag stand Werner Müller, Chef des Berchtesgadener »Kempinski«-Hotels, mit seinem Sternekoch Uli Heimann auf dem 5895 Meter hohen Gipfel des Kilimandscharo. Für beide war die Besteigung des höchsten Gipfels Afrikas ein persönlicher Höhenrekord – und zudem ein faszinierendes Abenteuer.


Als Werner Müller in der Vorweihnachtszeit am 18. Dezember seinen 40. Geburtstag feierte, war wegen des Hotelbetriebs am Obersalzberg an Urlaub nicht zu denken. So kam die Idee auf, möglichst genau einen Monat später auf dem Gipfel des Kilimandscharo zu stehen. Die Reise nach Tansania trat der fitte Hotelmanager, dessen Leidenschaft dem Triathlon gehört, zusammen mit »Kempinski«-Sternekoch Uli Heimann an. Der Bergfex hatte seinen Chef schon oft auf die Berchtesgadener Berggipfel mitgenommen und sollte nun neben zwei weiteren Freunden auch auf dem Kilimandscharo sein Begleiter sein. »Es war alles top organisiert«, blickt Uli Heimann auf die zehntägige Reise zurück. Eine Agentur hatte bereits alle Vorbereitungen getroffen, als die Bergsteiger in der Stadt Moshi ankamen.

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Während der siebentägigen Bergtour transportierten 15 Träger die gesamte Ausrüstung, drei Bergführer kümmerten sich zudem um die vier Gruppenmitglieder. »Als wir die Lager erreichten, war bereits alles hergerichtet«, erzählt Heimann.

Dessen Respekt gehört vor allem den Trägern, »die immer mit großem Tempo vorausgelaufen sind«. Uli Heimann, Werner Müller und ihre Freunde ließen es dagegen langsam angehen. »Wir haben uns dazu gezwungen, langsam zu machen. Wir mussten uns schließlich erst akklimatisieren«, betont der Sternekoch, der in seiner Freizeit sommers wie winters die Berchtesgadener Gipfel erklimmt.

Rund 43 Kilometer und 4000 Höhenmeter mussten vom Start auf 1800 Metern Höhe bis zum Gipfel bewältigt werden. Der gesamte Anstieg auf der Machame-Route verläuft im Nationalpark Kilimandscharo und ist sehr abwechslungsreich. »Man erlebt die verschiedensten Klimazonen, das ist sehr spannend«, schildert Uli Heimann seine Eindrücke. Da war zuerst der Urwald mit seiner botanischen Vielfalt und den exotischen Tieren. »Riesige Schmetterlinge und Vögel, die ich noch nie gesehen habe. Aus dem Urwald hörte man immer die Affen schreien.«

Doch schnell war es mit dem tropischen Klima vorbei, dann folgten Abschnitte mit Nadelbäumen und Flechten und schließlich eine mit einzelnen Pflanzen gespickte Steinwüste. Ab etwa 3900 Metern war dann auch die Höhe zu spüren. »Ich habe vor allem schlecht geschlafen«, erinnert sich Uli Heimann. Etwas Milderung brachte der regelmäßig konsumierte Ingwertee, der blutverdünnende Wirkung hat. »Überhaupt wurde das Trinken mit zunehmender Höhe wichtiger«, sagt der 56-Jährige.

Auch gegen die fast täglich vorkommenden kurzen, aber heftigen Regenschauer musste man sich wappnen. Uli Heimann hatte sich von Extrembergsteiger Thomas Huber dafür einen Regenponcho ausgeliehen, der ihm regelmäßig wertvolle Dienste leistete. Allmählich wurde es dann immer alpiner, große Felsbrocken aus Vulkangestein säumten den Weg, der die Bergsteiger schließlich ins letzte Lager auf 4200 Metern führte. Die letzte Etappe am nächsten Tag sollte es noch einmal in sich haben: über 1600 Höhenmeter bis zum Gipfel und anschließend noch 3000 Meter im Abstieg.

Berchtesgaden: Kilimandscharo als Geburtstagsgeschenk – »Kempinski«-Chef und Sternekoch besteigen Gipfel
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Gute Stimmung herrschte in der Mannschaft.

Bereits um 23 Uhr abends erfolgte der Aufbruch. »Um diese Zeit sind die Schutthänge noch gefroren. Wenn die auftauen, hat man im Aufstieg fast keine Chance mehr«, weiß Uli Heimann. Vor ihm und seinen Freunden bewegte sich bereits eine lange Lichterkette von Stirnlampen anderer Bergsteiger in Richtung Gipfel. »Verdammt, ist das noch weit«, dachten sich die Bergsteiger und marschierten los.

Immerhin waren die Bedingungen an diesem Tag top: circa null Grad, kein Wind und Schnee erst ganz oben auf dem Gipfelplateau. »Es war das perfekte Geburtstagsgeschenk für Werner Müller«, lacht Uli Heimann. Exakt einen Monat nach dessen 40. Wiegenfest stand man am 18. Januar um 9 Uhr auf dem 5895 Meter hohen Uhuru Peak des Kilimandscharo. Ganz Afrika lag den Bergsteigern in diesem Moment quasi zu Füßen. Zehn Stunden hatte man für die letzte Etappe gebraucht, »da wird man schon entschleunigt«, sagt Heimann. Für den Spitzenkoch war es auch eine besondere Erfahrung, zusammen mit seinem Chef so einen Gipfel zu besteigen. »Das schweißt schon zusammen.«

Für beide war der Fünftausender auch ein persönlicher Höhenrekord. Uli Heimanns höchster Gipfel war bislang der Piz Palü (3901 Meter), Werner Müller stand schon einmal auf dem Großglockner (3798 Meter). Diese Gipfel haben die beiden jetzt um rund 2000 Meter übertroffen. Und Uli Heimann ist überzeugt, dass es noch höher ginge. Sechstausender gäbe es im Himalaya oder in Peru genügend. Der Anlass für ein außergewöhnliches Bergprojekt muss ja nicht immer ein runder Geburtstag sein.

Ulli Kastner

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Nach zehn Stunden und 1 600 Metern Aufstieg auf der letzten Tagesetappe hatten Werner Müller (l.), Uli Heimann und ihre Freunde den 5 895 Meter hohen Uhuru-Gipfel des Kilimandscharo erreicht. (Fotos: privat)
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Der Gipfel ist noch weit entfernt.