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Der jodelnde Lederhosen-Leverkusener

Berchtesgaden - Die Lederhose, der Janker, das Jodeln - Lothar Herder ist Berchtesgaden-Fan durch und durch. Seit 1958 kommt er nach Berchtesgaden. Zum 160. Mal ist er zu Besuch. Beinahe hätte er in die Ramsau geheiratet. Allerdings kam ihm ein Wiener dazwischen - und schwängerte seine damalige Angetraute. Mit den Berchtesgaden-Plänen war dann erst einmal Schluss.

160 Besuche in Berchtesgaden: Lothar Herder weiß, wie die Einheimischen ticken. Anzeiger-Foto

77 Jahre ist Lothar Herder alt. Und noch immer fit wie ein Turnschuh. Das muss der Leverkusener auch sein. Denn er kommt mehrfach im Jahr in den Talkessel. »Acht Besuche im Jahr sind mein Rekord«, erzählt er beim Besuch in der Redaktion.

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Die Begeisterung für die Gegend kam in frühen Jahren. 22 Jahre war Herder alt. Der gelernte Dreher, der bei der Bundesbahn arbeitete, hatte in der Eisenbahnerzeitung ein Inserat gelesen. Dort warb das Gasthaus »Oberkälberstein«. Weil der gebürtige Berliner schon seit jeher die Berge liebte, entschloss er sich, hier Urlaub zu machen. Zunächst mit einem Kollegen, später dann mit der Ehefrau, die ihn auf seinen Motorradtrips nach Berchtesgaden begleitete. Herder ist großer Zweiradfan. Wenn er hier ist, geht es von Berchtesgaden aus auf Tour. Viele schöne Strecken kennt er bereits. »Aber noch lange nicht alle«. Herder fährt eine BMW, etwa 30 000 Kilometer pro Jahr legt er zurück. In Leverkusen hat er einen Fanclub gegründet.

Der Talkessel ist für Lothar Herder wie eine zweite Heimat. Ob St. Bartholomä, die Eiskapelle oder der Zauberwald - die Begeisterung für so manchen Ausflugsort ist groß. »Ich war schon oft dort«, sagt er.

Über die Jahre hat sich der Landschaftsfreund einen großen Bekannten- und Freundeskreis im Talkessel aufgebaut. Motorradfahrer für gelegentliche Ausflüge, Gesprächspartner - auch die Herbergsleute vom Gasthaus »Oberkälberstein« sind dem Rentner ans Herz gewachsen. Eine Freundschaft ist entstanden. Lothar Herder ist deshalb glücklich. Gefallen hat der Wahl-Berchtesgadener auch an der Musik gefunden. Musik, die für die Region typisch ist. Blasmusik etwa, erzählt er. Bei Heimatabenden und musikalischen Veranstaltungen ist er immer dabei. Auch in seiner Heimat. Gesellig findet er das. Gern gesehen und gehört hat er auch immer das »Watzmann-Trio«, eine Kombo, die es inzwischen nicht mehr gibt. Kennengelernt hatte er die Musiker beim Almabtrieb in der Ramsau.

Als Berchtesgadener versteht sich der Leverkusener zumindest in Sachen Kleidung: Lederhose, Hut, Janker. »Meine Tracht«, nennt er das. Und dazu kommt sein Jodelkönnen. »Ich hatte Nachhilfe bei einem Jodelkönig«. »Mir wurde Talent bescheinigt«, erzählt er stolz, »nur beim Stimmumschlag klappt es manchmal nicht so ganz.«

Viele Anekdoten hat er in petto, die er gerne erzählt. Etwa die vom Rehkitz, das gefunden wurde. »Ich war mit dabei«. Das Rehkitz, später »Hansi« genannt, wurde am Oberkälberstein mit der Flasche groß gezogen. Nach einem Jahr entließ man es in die Freiheit. »Ein Jahr lang kam das Tier zurück - immer dann, wenn man seinen Namen rief«, sagt Herder.

Dass er noch immer nicht Berchtesgaden zum Erstwohnsitz hat werden lassen, muss wohl mit einem Schicksalsschlag zu tun haben. Der widerfuhr ihm in frühen Jahren in der Ramsau. »Ich war schon so gut wie verheiratet«, erzählt er. Doch dann kam ihm ein Österreicher - ein Wiener Bursche - dazwischen, nahm sich seine Beinahe-Ehefrau und schwängerte sie. Berchtesgaden war dann erst einmal abgehakt. Lothar Herder davon abzuhalten, hierher zu kommen, konnte das Ereignis aber nicht. Im Gegenteil: »Ich war in jedem Monat des Jahres hier, meistens mehrmals.« Wenn er es hochrechnet, kommt er auf mehrere Jahre Daueraufenthalt in Berchtesgaden. Das Angebot, ein Ferienhaus zu übernehmen und eigenständig zu führen, schlug er trotzdem aus.

Lothar Herder bleibt also in Leverkusen. Wenn es die Gesundheit zulässt, kommt er allein in diesem Jahr noch drei Mal: Im August wegen eines Geburtstags, im Oktober schon wieder und dann erneut im Dezember kurz nach Weihnachten. Da ist es in Berchtesgaden am schönsten. kp