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Der echte Ude und sein Double auf der Bühne

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Der Echte und sein Double - das Sakko hat eine andere Farbe, und der Bauchumfang ist etwas größer, ansonsten »sieht er so aus wie ich, redet wie ich, geht wie ich. Das kann ich auch. Wo ist da die Kunst?« beklagt sich Christian Ude augenzwinkernd. (Foto: Janoschka)

Das Original Christian Ude und sein Double Uli Bauer unterschieden sich lediglich in der Farbe ihres Sakkos und ein wenig im Bauchumfang. Gleichzeitig standen sie nur bei der Begrüßung und am Schluss auf der Bühne. Dazwischen warfen sie sich die Bälle zu und lieferten sich – jeder auf seine Art – ein kabarettistisches Feuerwerk und ergänzten sich mit Erzähltem, Gelesenem und Gesungene prächtig an einem höchst unterhaltsamen Abend im Poststall in Teisendorf.


Veranstalter war die SPD-Ortsgruppe mit Vorsitzendem Hans Rauscher. Im fliegenden Wechsel erlebten die amüsierten Zuschauer dann zwei ganz verschiedene Arten des Kabaretts und dankten es mit viel Applaus.

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So gestattete Christian Ude, der Echte, als ehemaliger Oberbürgermeister der Stadt München nach seiner Begrüßung »einer tiefschwarzen Region« einen Einblick in sein Leben und erzählte spannungssteigernd und mit Hinweisen auf später folgende Pointen und »absoluter Wahrhaftigkeit«, wie es dazu kam, dass er für den Bürgermeister des asiatischen Teils von Istanbul namens Ali, den er vor Jahren durch Zufall im Bergland an der syrischen Grenze kennengelernt hatte, zum städtebaulichen Berater wurde. »Und wer jetzt glaubt, ich sei das nur geworden dank persönlicher Beziehungen, hat leider völlig Recht.«

Lachsalven erntete Ude mit seiner höchst anschaulichen Beschreibung, wie sich sein Wunsch, Oberbürgermeister zu werden, bereits in der Grundschule ausgebildet hatte: »Ude, werde doch Oberbürgermeister, da musst anzapfen können, sonst nichts«, habe der Rektor damals zu ihm gesagt. Nach dem Erreichen dieses Ziels wurde er von einem Braumeister für das Anzapfen auf dem Oktoberfest trainiert. Mit detaillierter Genauigkeit beschrieb er nicht ohne ironische Übertreibung, welche Handgriffe – gerade für ihn als Linkshänder – dazu nötig waren. Das Ganze bettete er in einen nächtlichen Albtraum ein. Im Dialog mit einem fiktiven Bürger des »Prekariats« (abgeleitet von »prekär«) erklärte Ude diesem in Stammtisch-Manier, aber dennoch vergeblich, die Begriffe Hartz 4 oder ALG I und II. Auch über das Vorabend-Programm vor den Nachrichten ließ sich Ude sprachgewandt aus. »Zum Abendessen servieren die Herren Intendanten in Zeiten des ‚postfaktischen Absolutismus’ Werbung« über Blasenschwäche, Zahnfleischbluten oder Verstopfung, was von Ude kontrastreich mit kabarettistischen Stilmitteln und humorvoll kommentiert wurde.

Auf einer anderen Ebene agierte Uli Bauer. Der Kabarettist und Musiker, der sich selbst auf der Gitarre und dem Klavier mit konzertpianistischem Talent begleitete, schrieb seit 1995 auf Melodien bekannter Popsongs Texte über den Politiker Christian Ude und ließ damit dessen politisches Leben Revue passieren. Mit ironischer Übertreibung und genau beobachteter Charakterisierung setzte er den echten Ude wortgewandt und hochmusikalisch in Szene.

»Yellow Submarine« von den Beatles oder »Skandal um Rosi«, alles wurde umgetextet und war zum Großteil auch schon am Nockherberg zu hören. »Souvenir, Souvenir, kauft ihr Leute, kauft hier ein. Zu allem geb ich meinen Senf dazu und billig oben drein,« war da zu hören, oder »Die g'winnen net, die g'winnen net, die g'’winnen net« als Publikums-Chor beim Refrain in »The Lion sleeps tonight« mit Bezug zu Ude als Fan der Löwen. »Only you« von Bobby Solo wurde zu »O, nur du bist so schön anzuseh’n, o, nur du machst dieses München schön,« und dieses Liebeslied an sein Konterfei im Spiegel, das das Ude-Double Uli Bauer mit Inbrunst sang, geriet durch dessen Körpersprache zu einem ersten Höhepunkt vor der Pause.

Uli Bauer machte Ude zum »Märchenprinzen« der EAV und zu »Christian Superstar« aus »Jesus Christ, Superstar«. Mit der Spider Murphy Gang hatte Bauer bei Udes 65. Geburtstag »Skandal um Horsti« gesungen, der wegen einer unerwünschten Berichterstattung über die SPD auf das ZDF Einfluss zu nehmen suchte. Mit dem Lied »Ozapft is«, das Uli Bauer mit abgehackten Breakdance-Bewegungen zum Besten gab, beschlossen zwei kabarettistische Supertalente einen Abend, dessen (selbst)ironische und biografische Töne viel zum liebenswerten Verständnis des ehemaligen Politikers Christian Ude beitrugen. Brigitte Janoschka