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Den Grundschulen wird »das Hemd zu kurz«

Wird den Grundschulen bei der Lehrerstundenzuweisung »das Hemd zu kurz«? Dies befürchten die Grundschullehrer im Landkreis, weil, so der Personalratsvorsitzende beim Staatlichen Schulamt, Ludwig Bürger, bei einer Versammlung von Schulleitern der Grund- und Mittelschulen, Vertretern des Schulamts und Bürgermeistern im Sailer-Keller, das System der Lehrerstundenzuweisung des Kultusministeriums für einen Flächenlandkreis wie Traunstein nicht funktioniere. Es fehlten dadurch einfach zu viele Lehrer, war die einhellige Meinung.

Die Versammlungsteilnehmer verfassten daher eine Resolution, die am heutigen Donnerstag an Staatssekretär Bernd Sibler samt Unterschriften übergeben werden soll, in der unter anderem festgestellt wird: »Um auch die kleinen, wohnortnahen Grundschulen angemessen mit Lehrerstunden zu versorgen, muss bei diesen Schulen die Stundentafel und nicht die Berechnung der Lehrerstunden pro Schüler als Grundlage dienen. Jeder Schule muss ermöglicht werden, Religions-, Förderunterricht und Arbeitsgemeinschaften einrichten zu können. Den kleinen Schulen fehlen die Lehrerstunden und den größeren werden Lehrerstunden weggenommen.« Es dürfe nicht sein, dass Schülern kleiner Grundschulen Unterrichtspflichtzeit vorenthalten werde, nur weil sie auf dem Land leben. »Auf der anderen Seite stehen junge Lehrer auf der Straße«, so Bürger.

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Er machte auf die Planungen für das kommende Schuljahr aufmerksam. Wie bereits im laufenden Schuljahr reichen nach seinen Angaben die dem Schulamt zur Verfügung gestellten Lehrerstunden nicht aus, um alle Schulen, vor allem die kleinen Grundschulen, mit einer ausreichenden Anzahl von Lehrerstunden zu versorgen, damit zumindest die Stundentafel abgedeckt werden kann. An den Grundschulen Inzell, Kirchanschöring, Marquartstein, Schleching, Seeon und Tacherting müssen sogar »jahrgangskombinierte Klassen« (Kombiklassen) gebildet werden, obwohl die Schülerzahlen für eigenständige Jahrgangsklassen ausreichend seien. Kombiklasse bedeutet, dass zwei Klassen in bestimmten Fächern außerhalb der Kernfächer, wie beispielsweise Musik, Kunst oder Sport, für den Unterricht zusammengelegt werden.

»Unser Problem ist, dass wir viele kleine Schulen mit kleinen Klassen haben. Außer Pittenhart und Staudach hat jede Gemeinde eine eigene Grundschule«, so der Personalratsvorsitzende. Der Erhalt der wohnortnahen, vierjährigen Grundschule (»Kurze Beine, kurze Wege«) sei in der Koalitionsvereinbarung der Staatsregierung festgelegt, weil die Identität verloren gehe, wenn Schüler in Nachbarorte müssten. Ebenso solle die Eigenverantwortung der Schulen gestärkt werden. Die Schulen hätten jedoch keine Manövriermasse, um handeln zu können. In der Grundschule wurden vom Kultusministerium 1,3119 Lehrerstunden pro Schüler festgelegt. »Wir brauchen aber flexible Lösungen, um das Zuweisungsverfahren durchführen zu können, weil wir viele kleine Standorte haben, die versorgt werden müssen«, forderte Bürger. Die Stunden reichten da nicht aus, so dass die großen Standorte Stunden abgeben müssten, um die kleinen zu erhalten.

In der Diskussion wurde vorgeschlagen, den Religionsunterricht zusammenzulegen oder um eine Stunde zu kürzen, um Lehrerstunden für andere Fächer einzusparen. Dagegen stünden nicht nur die politischen Willensträger, sondern auch das Konkordat, hieß es. Die Landtagsabgeordnete Maria Noichl sprach sich gegen eine Teilung der Fachstunden aus. Laut Kultusministerium sollten die Klassenstärken heruntergefahren werden, deshalb sah ein Redner in den Kombiklassen ein Sparmodell.

Schulamtsdirektor Otto Mayer wies auf die gesetzlichen Vorgaben und Rahmenbedingungen hin, an die sich das Schulamt zu halten habe. Mit der Kombiklasse könne man aber auch Synergieeffekte herausholen. »Deshalb sind wir bemüht, die Kombiklassen als Standortvorteile einzuführen und würden sie gerne auch in großen Standorten haben.« Auch für die Mittelschulen, wo es noch nicht gehe, wären sie wünschenswert, um Schüler zu halten. Dem hielt Bürger jedoch entgegen, dass die Kombiklassen den Anruch des Sparmodells hätten. Zunächst sei es wichtig, die Lehrerstunden zu erfüllen. Dazu Mayer: »Wir verwalten nur. Die Verantwortung hat die Politik.« Bjr