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Konzert mit Amina Thiombane & John Brunton im Kulturhaus Chiemgau

Den Blues im Blut

Es war Anfang Juni 2006, als ich erstmals ein Konzert mit der Traunsteiner Sängerin Amina Thiombane besuchte. Da war sie 16 und trat mit ihrer Band »Cold Heat«, zu der auch die Sängerin Lisa Krininger gehörte, in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS auf und versuchte sich an Größen wie Tracy Chapman, Alanis Morissette oder Toni Braxton. Es war ein Auftritt, den ich noch in bester Erinnerung habe, weil er weit mehr als eine Talentprobe war, weil Amina Thiombane das, was ihr an Professionalität, Eigenständigkeit und Routine (zwangsläufig) noch gefehlt hatte, durch Musikalität, Leidenschaft und rohe, geballte Energie wettmachte.

Von der talentierten Sängerin einer Schülerband zur erstklassigen Bluessängerin geworden: Amina Thiombane, begleitet von dem britischen Gitarristen John Brunton, beim Konzert im Kulturhaus Chiemgau. (Foto: Heel)

Jetzt gab Amina Thiombane, begleitet von dem britischen Gitarristen John Brunton, ein Konzert auf der Musikbühne des Traunsteiner Kulturhauses Chiemgau (vormals Chiemgau Theater), und siehe da, was seinerzeit noch ungeschliffen und roh gewirkt hatte, glänzte nun wie ein Juwel und strahlte eine Wärme und Tiefe aus, der sich wohl kein Zuhörer entziehen konnte. Kurzum, aus der talentierten Sängerin einer Schülerband war eine erstklassige Bluessängerin geworden, die mit ihrer so ausdrucksstarken wie enorm wandelbaren Stimme selbst häufig gespielten Stücken ihren eigenen Stempel aufdrückte, wobei auch die Mischung der Titel überzeugte. Musik zum Träumen und Wohlfühlen, aber mit durchaus belebender Note.

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Einige Künstler scheinen es Amina Thiombane dabei besonders angetan zu haben. So erwies sie mit etlichen Songs wie »Rags And Old Iron« oder dem »Chain Gang (Work Song)« Nina Simone die Ehre, aus dem Tarantino-Film »Kill Bill« hörten wir »Bang Bang (I Shot My Baby Down)«, und von Tom Waits stammte der Song »Jesus Gonna Be Here«. Richtig gut klang auch ihre Version des »Mackie Messer«, und selbst Klassikern wie »Ain’t No Sunshine …« oder »Trouble In Mind« gewann sie neue, berührende Facetten ab.

Optimal unterstützt wurde sie dabei von John Brunton, einem exzellenten Gitarristen, der seit 1991 in Deutschland lebt und sich besonders als Begleitmusiker hervorgetan hat. Er verlieh den Songs die nötige Erdung und bereicherte sie nach allen Regeln der Improvisationskunst, was in der intimen Club-Atmosphäre dieser Musikbühne natürlich besonders zur Geltung kam.

Nach gut zwei Stunden und etlichen Zugaben, darunter »Hit The Road Jack«, war das sehr gut besuchte Konzert dann leider zu Ende, und wir dürfen gespannt sein, auf welcher (Großstadt)Bühne Amina Thiombane, die sich nebenher auch als Bildhauerin und Malerin betätigt, in zehn Jahren den Blues singen wird. Wolfgang Schweiger